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TV-Kritik: "Ihr letzter Hit": Volltreffer!

Von Diese Geschichte ist ein echtes TV-Juwel. Sie variiert sehr geschickt ein legendäres Vorbild. Verpassen Sie das nicht!
Der Hinterhof des Plattenbaus ist gefährlich: Verena (Tinka Fürst) hat Schumann (Christian Berkel) soeben aus einer kniffligen Situation herausgeholfen. Foto: ZDF/Oliver Feist Der Hinterhof des Plattenbaus ist gefährlich: Verena (Tinka Fürst) hat Schumann (Christian Berkel) soeben aus einer kniffligen Situation herausgeholfen.
Dass eine Hauptfigur kaum zu sehen ist, ihre Persönlichkeit aber den gesamten Film dominiert, ist selten. Dennoch hat so was ein berühmtes Vorbild: In "Der dritte Mann" von Regisseur Carol Reed tritt der von Orson Welles gespielte Harry Lime nur für wenige Minuten in Erscheinung. Dennoch gilt der Streifen in erster Linie als Orson Welles-Film. Der Name seines Mitspielers, Joseph Cotton, ist schon weniger Zuschauern geläufig, und noch weniger dürften sich an Cottons Rollennamen Holly Martins erinnern.
 
So ähnlich auch hier. Zu Beginn taumelt die verletzte Nele Schäfer (Stephanie Krogmann) in ihre Wohnung, verriegelt die Tür. Man sieht kaum ihr Gesicht, aber eine klaffende Wunde an ihrem Hinterkopf. Dann ein großer Zeitsprung drei Monate vorwärts. Nele Schäfers Leiche wurde nach einem anonymen Hinweis gefunden. Sie ist schon stark verwest. Gestorben ist sie durch die Folgen eines heftigen Schlags auf den Kopf. Und "Der Kriminalist" Bruno Schumann (Christian Berkel) analysiert durch Fragen und Verhöre in der Rapper-Szene ihr Leben.

Nele Schäfer, eine rätselhafte Frau

Vieles an Nele Schäfer gibt der Polizei Rätsel auf. Nele Schäfer hatte einen beträchtlichen Geldbetrag auf ihrem Konto, das von einem Musik-Label stammte. Dazu umgab sie sich mit teuren Möbeln und hatte edlen Whisky zuhause. Dennoch lebte sie in einem heruntergekommenen Plattenbau. Und die einfühlsamen und traurigen Gedichte, die sie verfasste, passten auch in keiner Weise zu den aggressiven und frauenverachtenden Liedtexten, für die sie bezahlt wurde. Rückblickend entrollt sich ein Beziehungsgeflecht und ein Künstlerschicksal, das bis in die letzte Minute fesselt.

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Und das nicht nur, weil es über einige spannende Charaktere verfügt. Es gibt in der Geschichte kein Schwarz und Weiß, dafür aber jede Menge fein ausgetüftelter Grautöne. "Ihr letzter Hit" erzählt aber außerdem noch viel über künstlerische Identitäten, Prinzipien, Selbstachtung und (Selbst-)Aggression. Und zugleich auch über den Wunsch nach eigener Karriere, nach künstlerischer Selbstverwirklichung und Abgrenzung gegen übermächtige Einflüsse von außen. Keine der Figuren in diesem Drama ist wirklich unsympathisch oder bösartig, am Ende entpuppt sich Nele Schäfers Tod als eine Verknüpfung tragischer Umstände.

Toll gefilmte Stimmung

Und wie in "Der dritte Mann" es eine zumindest latent homoerotische Beziehung zwischen Lime und Martins gegeben hat - wobei Martins wohl eher der Liebende als der Geliebte war - so erscheint auch hier Nele Schäfers Freundin Verena (Tinka Fürst) als frustriert liebende Lesbe. Verknüpft sind all diese Figuren durch das Drehbuch von Daniel Schwarz und Thomas Schwebel sehr clever miteinander. Die Schauspieler zeigen sich durchgehend in Topform. Schumann darf in einer Szene auch endlich einmal richtig die Beherrschung verlieren, was ihn verletzbarer als sonst erscheinen lässt und noch für zusätzliche Dramatik sorgt.

Die vielen Innenaufnahmen aus dem schäbigen, stellenweise aber mit künstlerisch eindrucksvollen Graffiti verzierten Plattenbau, einer Kellerkneipe und dem Plattenlabel verstärken noch das paranoide Gefühl, zusammen mit den handelnden Personen in einem nervenzerrenden und unentrinnbaren Beziehungsdrama gefangen zu sein. Das alles macht "Ihr letzter Hit" zu einem echten Höhepunkt der Reihe!
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