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TV-Kritik: "Im Schatten": Sehr solide

Schon der Auftakt des "Polizeiruf 110"-Krimis lohnt das Ansehen. Dennoch wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.
Knalliger Auftakt: Thiesler (Josef Heynert, li.) versucht den unter Kokain stehenden Geiselnehmer (Urs Rechn, Mitte) zu überwältigen. Bild: NDR/Christine Schroeder Foto: NDR/Christine Schroeder Knalliger Auftakt: Thiesler (Josef Heynert, li.) versucht den unter Kokain stehenden Geiselnehmer (Urs Rechn, Mitte) zu überwältigen. Bild: NDR/Christine Schroeder
Für einige Zeit könnte man fast befürchten, dass dieser "Polizeiruf" genau so schiefgeht wie der „Tatort“ vergangenen Sonntag. Denn genau wie "Zahltag" bekommt „Im Schatten“ einen ziemlich knalligen Auftakt: Polizei und Zoll wollen einen Rauschgiftkurier hochnehmen, doch er nimmt eine Geisel - ähnlich wie im "Tatort"-Krimi "Eine Frage des Gewissens" - und es kommt zu einer Schießerei, wobei der Verbrecher von Jana Zander (Elisabeth Baulitz) erschossen wird. Die Informantin ist ebenfalls tot.
 
Und bald danach steht Kommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) auch noch vor der Leiche des Einsatzleiters der Aktion.  Jana Zander war seine Pflegetochter. Ansonsten hat ihm seine Familie eher Kummer bereitet. Seine Frau (Kirsten Block) laboriert seit langem an Krebs, sein Sohn (Bernhard Conrad) hadert mit seinem Leben, das ein Scherbenhaufen ist, und versucht sich mit Koks über seine Seelentiefs hinwegzutrösten.

Verbrecher zu blass

Der aufputschende Stoff kommt durch Italo-Gangster aus Kalabrien ins Land und weiter nach Norden. In Kalabrien – der ärmsten Region Italiens - wird die Mafia N'Drangheta genannt. Doch genau hier hat der Polizeiruf eine Schwachstelle, und die erinnert bisweilen fatal an "Zahltag": Die privaten Probleme der Polizisten schieben sich bisweilen nämlich ebenfalls stark in den Vordergrund, und die Verbrecher kommen bei all dem zu kurz.
 
Es fehlt an einem richtigen Gangsterboss. Die Bandenmitglieder sind austauschbar: Von der N'Drangheta sieht man fast nichts, und von Mirco Lewandowski  - der Kommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) in der Folge "Einer trage des anderen Last" (2012) ins Koma schoss -  auch viel zu wenig.  Und das ist schade, denn Gerdy Zint gibt einen prächtigen Kriminellen ab. Allerdings hält sich "Im Schatten" dann doch nicht so lange bei den Ermittlern auf.

 Wem können die Ermittler trauen?

Einige gut gefilmte und sauber in die Handlung integrierte Schock- und Actionszenen, schön in Nebel getauchte Hafenansichten und nette Überraschungen im Handlungsverlauf halten den Zuschauer recht gut bei Laune. Eine schief gelaufene Aktion gegen Ende erinnert etwas an den Klassiker "Die Unbestechlichen" von Brian de Palma: Dort ist der vergleichbare Abschnitt in der Handlung eine verratene Alkohol-Razzia.
 
Insgesamt ähnelt der "Polizeiruf" aber eher dem Krimi "Schutzlos" aus der Serie "Stralsund" vom Samstag: Auch dort geht es um die Drogenmafia und das Misstrauen unter Kollegen wegen möglicher Korruption, auch wenn „Im Schatten“ diesen Aspekt gänzlich anders löst. Und das macht er ziemlich gut:  Kriminalistische Elemente spielen eine deutlich größere Rolle als in "Zahltag", das Schicksal der Figuren – besonders das des Sohnes - berührt durch ihre stimmige Psychologie und die Aufdeckung des Täters birgt eine echte Überraschung. So gefällt der Krimi am Sonntagabend schon deutlich besser als letzte Woche!
 
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