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TV-Kritik: "Im Schatten des Berges": Das mörderische Dorf

Von Der ist richtig gut geworden: Josef Matula gerät in seinem zweiten Solo-Krimi in ein Bergdorf mit hochbrisanten Verstrickungen.
Stimmt es, was die Polizisten Janosch Grebe (Harald Windisch, l.)  und Valentin Leipold (Frederic Linkemann) sagen? Matula (Claus Theo Gärtner, M.) hat Zweifel. Foto: ZDF/Barbara Bauriedl Stimmt es, was die Polizisten Janosch Grebe (Harald Windisch, l.) und Valentin Leipold (Frederic Linkemann) sagen? Matula (Claus Theo Gärtner, M.) hat Zweifel.

Es gibt diese Geschichten von den einsamen Dörfern, wo irgendwann ein Fremder strandet und dann bald das ganze Kaff aufmischt. Im Englischen gibt es sogar einen Namen für dieses Genre, dass es im Samurai-Film (Akira Kurosawas "Yojimbo – Der Leibwächter") ebenso gibt wie im Western (Sergio Corbuccis "Django") oder im Gangsterfilm (Walter Hills "Last Man Standing"): Man nennt diese Filme auch "Man tames a town", auf Deutsch Mann zähmt ein Dorf“, nach dem Hauptmotiv der Handlung.

Spuren davon sind auch in diesem Krimi unübersehbar. Wohin seine ewige Neugier  Josef Matula diesmal führt, zeigt "Im Schatten des Berges" schon zu Anfang. Claus Theo Gärtner, der am 19. April seinen 75. Geburtstag feiert, darf in der Rolle ausgiebig seine immer noch respektable Fitness demonstrieren, wenn er rennt und über ein Absperrgitter hechtet. Dann blickt die Geschichte sechs Tage zurück. Eigentlich wollte Matula nach Italien, ein wenig ausspannen.

Vor allem Ungereimtheiten

Schon auf der Fahrt lernt er Italienisch. Dumm nur, dass plötzlich der Motor seines alten VW-Bus zu qualmen anfängt. Im gerade durchfahrenen Dorf findet er erstmal Hilfe und beobachtet eine bizarre Szene in der Dorfkneipe. Und findet schon bald darauf den Dorfmetzger Martin Wiesner tot auf einer Bergwiese. Möglicherweise ein Unfall. Oder auch ein Selbstmord, da Wiesner verschuldet war und seine Frau ihn verlassen hatte.

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Mit dem Rest des Dorfes steht es auch nicht zum Besten: Durch den nachlassenden Schnee bleiben die Touristen weg und damit die wichtigste Einnahmequelle. Viele Einwohner sind weggezogen. Matula entdeckt aber bald zahlreiche Ungereimtheiten, wobei er auch mit den Dorfpolizisten Valentin Leipold (Frederic Linkemann) und Janosch Grebe (Harald Windisch) Bekanntschaft macht.

Im Vergleich zu dem gelungene Matula-Erstling, den das ZDF vergangenes Jahr ebenfalls am Karfreitag erstausstrahlte, legt "Im Schatten des Berges" an Qualität noch eine ganze Schippe drauf. Drehbuchautor Ben Braeunlich hat sich eine fein verästelte Geschichte ausgedacht, die sich aber nicht in überflüssigen Nebenhandlungen verzettelt und auch noch aber durchweg kräftig auf die Tube drückt.

Matulas glaubwürdige Gegenspieler

Dazu kommen die fein durchdachten Nebenfiguren, die sich sehr organisch in die Geschichte fügen. Und sich darüber hinaus schön ambivalent präsentieren, was den Plot bemerkenswert glaubwürdig gestaltet: Gut vorstellbar, dass sich in einem Dorf, wo sich jeder in seiner Existenz bedroht sieht, eine kriminell verschworene Gemeinschaft bildet.  Noch mehr als der Erstling zeigt dieser Krimi, welches Potential noch in der Matula-Figur steckt.

Man wundert sich nur, wie gut es funktioniert, wenn der von Gärtner wieder stilvoll zerknittert verkörperte  Schnüffler sich mal außerhalb der gewohnten Frankfurter Häuserschluchten  bewegen darf. Der eine oder andere ironische Seitenhieb auf Matulas Alter und Vergangenheit schlägt dabei aber immer noch einen gelungenen Bogen zu "Ein Fall für zwei", wie auch der Name seines Hundes. Matula sollte unbedingt zurückkehren.

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