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TV-Kritik: "Im falschen Körper": Sarah wäre gerne Lukas

Von Die neue Folge aus "Um Himmels Willen" thematisiert ausgewogen die Transsexualität. Wo aber dabei die Hauptfigur schwächelt, analysiert unser TV-Kritiker Ulrich Feld.
Schwester Hannah (Janina Hartwig) versucht die 16-jährige Sarah Völkl (Thekla Hartmann) zu beruhigen, die sich auf der Schultoilette eingeschlossen hat. Bild: ARD/Barbara Bauriedl Foto: (ARD-Programmdirektion) Schwester Hannah (Janina Hartwig) versucht die 16-jährige Sarah Völkl (Thekla Hartmann) zu beruhigen, die sich auf der Schultoilette eingeschlossen hat. Bild: ARD/Barbara Bauriedl

Bürgermeister Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) und das Kloster Kaltenthal mit seinen Nonnen sind nach über 200 Folgen ein perfekt auf Gegnerschaft eingespieltes Team: Man kabbelt gegeneinander, wo es nur geht, aber man hilft sich natürlich auch gegenseitig. Wer sich dabei jeweils im Vorteil befindet, ist oft nicht auf Anhieb nachzuvollziehen. So taucht diesmal ein unterschriebener Vertrag auf, der beweist, dass sich das Kloster noch im Besitz des Ordens befindet.

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Außer mit Bürgermeister Wöller und einigen Fremdenfeinden in Kaltenthal müssen sich die Nonnen aber vor allem mit der 16-jährigen Sarah Völkl (Thekla Hartmann) auseinandersetzen. Sie fällt an ihrer Schule durch ihr aggressives Verhalten auf und schlug einem Jungen die Nase blutig, bevor sie sich auf der Jungentoilette einschloss. Die Polizei ruft Schwester Hannah (Janina Hartwig), geübt in der Kunst der Deeskalation, zu Hilfe.

Aus Sorge um das Kind

Das hübsche Mädchen mit dem kurzgeschorenen Haar möchte lieber ein Junge sein. Ihre Mutter Regina (Hannah Jürgens) unterstützt ihr Vorhaben, ihr Vater Rainer (Thomas Schmuckert) steht der geplanten Geschlechtsumwandlung dagegen ablehnend gegenüber. Bei einem Gespräch sorgt Hannah ungewollt für weiteren Zwist zwischen den Eheleuten, als sie ausspricht, dass Sarah Hormone nimmt.

Davon wusste der Vater bislang nichts, weil seine Frau die dafür nötige Unterschrift gefälscht hatte. Wie die Episode ihr zentrales Thema der Transsexualität angeht, hinterlässt gemischte Gefühle. So darf Wöller einige launige Sätze sagen über die Welt, in der sich Sarah als Junge bewegen müsste, ein Humor, der sehr gut funktioniert.

Mehr Sarah hätte nicht geschadet

Auch begeht das Drehbuch nicht den Fehler, Sarahs Vater als engstirnigen Spießer anzulegen: Es ist vor allem die Sorge um Sarahs Gesundheit, die seine Haltung begründet. Wer dabei aber zu kurz kommt, ist Sarah selbst: Vor allem über die Art, wie sie ihr wahres Geschlecht entdeckte, hätte man gerne mehr erfahren.

Wobei es in "Um Himmel Willen" aber keine neue Schwäche darstellt, dass gegenüber den horizontalen Erzählsträngen die Hauptgeschichte in den Hintergrund gerät. Thekla Hartmann schafft es in ihren Szenen als Sarah/Lukas dennoch sehr überzeugend, die Gefühle ihrer Figur zu verdeutlichen: Sarahs spürbare Aggressivität und Verunsicherung gibt ihren Szenen eine starke Grundspannung. Etwas schräg, aber gelungen: der letzte Auftritt des Vaters.

Eine Übung der Bundeswehr im Klosterwald sorgt in der mittlerweile 214. Folge noch für einen Schuss Humor im bewährten Stil einer Militärklamotte. Und eine Schwester, die ständig am Kreuzworträtsel klebt, macht sich gut als Running Gag: Dass es bei dem Kreuzworträtsel um ein Auto geht, dürfte in künftigen Folgen noch eine wichtige Rolle spielen.

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