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TV-Kritik: "Immer Ärger mit Opa Charly": Fast zu harmonisch

Von Die ARD-Komödie bewegt sich in eingefahrenen Bahnen und punktet am meisten noch durch ihr Umwelt-Thema
Den Sprung wagen: An der Seite von Thomas (Tobias Oertel) kann auch Jana (Inka Friedrich) endlich einfach mal loslassen. Foto: ARD Degeto/Johannes Krieg Den Sprung wagen: An der Seite von Thomas (Tobias Oertel) kann auch Jana (Inka Friedrich) endlich einfach mal loslassen.

"Gegensätze ziehen sich an", lautet ein wohlbekannter Spruch, der auch als Erfolgsrezept für Komödien schon vielfach in die Praxis umgesetzt wurde. Der Opa Charly (Ulrich Pleitgen)  aus dem Titel ist ein linker Öko-Fanatiker, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frankfurts allzu graue Betonlandschaft zu begrünen, und dazu auch noch seine allzu willige Enkelin Marie (Nadine Kösters) ständig in seine Aktionen einspannt. Da kann sein Gegenspieler ja nur eine Frau und noch dazu ein humorloser Kontrollfreak sein.


So jemand wie seine Schwiegertochter Jana (Inka Friedrich) etwa. Als sie Charly und Marie mal wieder von der Polizei abholen muss, wirft sie Charly sanft hinaus. Der ersteigert kurzerhand im Spessart ein altes Haus. Vorsichtshalber begleitet ihn Jana zum ersten Besichtigungstermin. Vom Anbieter ist Charly sofort begeistert, klar: Der Umweltbiologe und Naturforscher Thomas Lorenz (Tobias Oertel) könnte glatt eine jüngere Ausgabe von ihm selbst sein. Lorenz will die Bude verkaufen, um in Mauretanien Wüstenkrokodile zu erforschen.
 

Meist nach Schema F

 

Ohne dass sie es sich eingestehen will, bekommt indessen Jana beim Anblick des knorrigen Kerls weiche Knie, und das Ende ist so unausweichlich wie das Wort zum Sonntag: Natürlich zickt sie den armen Kerl erst mal an, natürlich gibt es auf dem Weg zum glücklichen Ende in den Sanddünen Mauretaniens noch mancherlei Schwierigkeiten etwa in Form eines nicht gewährten Bankkredits für den Kauf des Hauses zu bewältigen und natürlich kommen dabei auch allerlei Generationskonflikte zwischen Mutter Jana und Tochter Marie aufs Tablett.

 

Alles kein großes Problem: Das Muster ist vorgegeben und ein Freitagabend-Film anders als der „Tatort“ am Sonntag auch nicht unbedingt eine Spielwiese für große Experimente (wieso eigentlich?). Dennoch, ein wenig mehr Mühe hätten sich Drehbuch und Regie schon geben können: Das Konfliktpotential zwischen Thomas Lorenz und Jana etwa kann sein Potential gar nicht richtig entfalten, weil sich Jana viel zu früh von Thomas‘ Naturburschencharme beeindruckt zeigt. Es fehlt auch an richtig witzigen Dialogen: Was die beiden und auch Charly so von sich geben, sind oft mehr oder weniger druckreife Statements.
 

Nadeshda Brennicke wird verheizt

 

Bisweilen droht die Komödie dazu unter einem Übermaß an Harmonie zu ersticken. Schon lange vor Schluss hüpfen die beiden gemeinsam in den See, der zum Spessarthaus dazu gehört: Eine Szene, die in einer Komödie am Ende stehen sollte. Auch kann sich Nadeshda Brennicke als Stewardess und Janas Freundin mangels richtig guter Szenen und Rollensubstanz nicht so richtig freispielen. Und das ist umso bedauerlicher,  als dass sie erst am Tag zuvor in „Tod eines Idols“ noch so richtig zeigen konnte, was sie schauspielerisch draufhat, nämlich ziemlich viel.


Inka Friedrich, die ein wenig an Jodie Foster erinnert, hat da schon mehr Möglichkeiten und nutzt sie auch. Als trotz allem aber noch ganz nett verpackten Appell für Nachhaltigkeit sowie Tier- und Umweltschutz kann man sich den Streifen aber schon mal zu Gemüte führen. Und zu diesem Zweck hätte die Geschichte auch nicht in dem Wüsten Mauretaniens bei der Erforschung eines Krokodils enden müssen, das man nicht einmal zu Gesicht bekommt: Schildkröten im Spessart hätten es auch getan.

"Immer Ärger mit Opa Charly!" in der ARD-Mediathek

 

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