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TV-Kritik: "Irrfeuer": Bester Samstagskrimi seit langem

Nicht nur optisch fasziniert der vierte Fall der ZDF-Serie "Friesland". Unser Kritiker meint: Der beste Samstagskrimi seit langem.
Das traditionelle Feuer an der ostfriesischen Küste hat zahlreiche Menschen angelockt. Doch als in den Flammen eine Leiche entdeckt wird, ist es mit der guten Stimmung schlagartig vorbei. (Hier mit Jens Jensen (Florian Lukas, hinten l.)). Foto: Martin Valentin Menke Das traditionelle Feuer an der ostfriesischen Küste hat zahlreiche Menschen angelockt. Doch als in den Flammen eine Leiche entdeckt wird, ist es mit der guten Stimmung schlagartig vorbei. (Hier mit Jens Jensen (Florian Lukas, hinten l.)).
Ein Holzhaufen für einen traditionellen Deichbrand ist gewiss nicht der beste Ort, um eine Leiche darin zu platzieren. Aber natürlich gibt das gleich zu Beginn schon mal starke Bilder, wenn die Polizisten Jens Jensen (Florian Lukas) und Süher Özlügül (Sophie Dal) darin eine tote Frau entdecken. Jensen ist entsetzt, als er anhand einer Kette an einem Fernglas in der Leiche seine neue Freundin Klara (Katharina Wackernagel) zu erkennen glaubt. Es handelt sich jedoch um deren gute Freundin Sabine Feig. Beide Frauen kämpften darum, ein Stück Brachland an der Ostseeküste als Vogelschutzgebiet anerkannt zu bekommen.
 
Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) macht mächtig Druck, und das nicht nur, weil sich Marketing-Experte Torben Martmann (Götz Schubert) um das touristische  Image der Region sorgt. Er möchte auch endlich aus dem abgelegenen Landstrich zurück in die Großstadt, ähnlich wie Sophie Haas in „Mord mit Aussicht“ aus Hengasch also. Aber die Aufklärung gestaltet sich nicht einfach. Und das nicht nur, weil Sabines Bruder Bertram (Thomas Schmauser)vom Tod seiner Schwester profitiert. Es gibt auch Anzeichen für einen Ritualmord nach altheidnischem Muster.

Kein öder Ostfriesenwitz

Vor drei Jahren erlebten Özlügül und Jensen in "Mörderische Gezeiten" ihren ersten Einsatz. Anfangs schien es eher eine klamaukige Provinzkrimi-Reihe zu werden, hatten die Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf doch ein reichlich skurriles Team um die beiden Ermittler ersonnen: So den Bestatter Wolfgang Habedank mit Haschplantage im Keller und die Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg), die sich ständig als Pathologin betätigt. Was besonders den zweiten Friesland-Krimi "Familiengeheimnisse" wie einen langgezogenen Ostfriesenwitz wirken ließ.
 
Aber keine Sorge, der vierte Film klappt richtig gut, obwohl er die Figurenzeichnung des Erstlings - Jens Jensen ist im Dorf verwurzelt und eher bequem, Süher Özlügül dagegen eine strebsame Einzelgängerin – nicht konsequent weiterentwickelt. Brockhorst hat seine cholerische Überheblichkeit zwar nicht völlig angelegt, aber auf ein glaubhaftes Maß reduziert. Er geht selbst auf Spurensuche, kombiniert schlüssig und agiert ähnlich wie der ebenfalls von Vörtler verkörperte Kriminalrat Uwe Lemp im "Polizeiruf 110", Team Magdeburg, als kompetenter Teamleiter.

Melodramatische Beziehung zu einer Verdächtigen

Dazu gibt die Beziehung zwischen Jensen und Klara dem Geschehen eine melodramatische Note. Dass sich Jensen Klara gegenüber zunächst von seiner emotionalen Seite zeigen darf, verleiht dem Geschehen eine bemerkenswerte Sogwirkung und der Zuschauer leidet mit, wenn seine Kollegin ihm unangenehme Wahrheiten über Klara beizubringen versucht oder er später feststellen muss, dass er nicht der einzige Mann in ihrem Leben ist. Dieser Handlungsstrang alleine verhindert schon, dass die Geschichte ins Seichte abrutscht.
 
Florian Lukas strahlt dazu schon vom Typ her diese spezielle Tragik aus, die einer ähnlich wie im Weimarer „Tatort“-Krimi "Der treue Roy" der Ironie in der Handlung das nötige Gegengewicht verleiht. Die Interaktion mit Sophie Dal als um ihn besorgte Kollegin klappt sehr gut. Und Regisseur Markus Sehr holt aus der Geschichte von Timo Berndt auch optisch eine starke Wirkung heraus, wobei er Landschafts- und Wolkenbilder effektvoll mit den Dialogen verknüpft.

Intelligent verknüpfter Witz

Man beachte etwa die Art, wie er am Strand seine Figuren filmt, wenn durch die Steine mit heidnischen Symbolen so etwas wie ein mystischer Hintergrund ins Spiel kommt. Auf mühsame Witze verzichtet "Irrfeuer" weitgehend. Der Witz zeigt sich diesmal eher beiläufig und intelligent mit den Schwächen der Figuren verknüpft. Was den Krimi insgesamt nicht nur zu einem richtig starken Vertreter der Serie "Friesland" gestaltet, sondern auch zum besten Samstagskrimi seit langem.
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