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TV-Kritik: "Irrsinn auf dem Wohnungsmarkt": Brennend aktuell

Von Die "ZDF-Zoom"-Reportage zeigt eine soziale Zeitbombe: Immer mehr können sich Wohnen kaum noch leisten.
Autorin Renate Werner (l.) im Gespräch mit einer Familie, die seit fünf Jahren eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt sucht. Foto: Achim Seck Autorin Renate Werner (l.) im Gespräch mit einer Familie, die seit fünf Jahren eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt sucht.
Es wird eng in Deutschland - zumindest für immer mehr Mieter: Wohnen wird speziell in großen Städten wie Frankfurt, Stuttgart oder Köln zum nahezu unbezahlbaren Luxus. Staatliche Maßnahmen wie Mietpreisbreme sind nur schwer umzusetzen. Die Gründe für diese soziale Zeitbombe sind vielfältig, die Gegenmaßnahmen kommen nur allmählich in Schwung und sind noch regional begrenzt. Und das angesichts dessen, dass in nur fünf Jahren die Mieten an vielen Orten um ein sattes Drittel gestiegen sind.
 
Die Autorin Renate Werner zeigt als Beispiel das Frankfurter Ehepaar Hafner. Seit fünf Jahren wollen sie eine neue Wohnung, aber sie finden, obwohl beide berufstätig, keinen bezahlbaren Wohnraum. Alexandra und Thomas Hafer sind Durchschnittverdiener, er als Techniker, sie als Sekretärin. Beide leben und arbeiten in Frankfurt. Ihre Schmerzgrenze liegt bei 900 Euro warm im Monat. Vergeblich, die geforderten Mieten für eine passende Wohnung - speziell die mittlerweile neunjährige Tochter Emily benötigt mehr Platz - liegen alle weit darüber. Alexandra Hafner stellt bei ihrer Suche laut die Frage, wie sich ein normaler, arbeitender Mensch noch diese Mieten leisten kann.
 

Mietpreisbremse als stumpfe Waffe

 
Die so genannte Mietpreisbremse sollte es richten. Nach ihr soll die Miete nicht mehr als zehn Prozent über dem liegen, was der Mietspiegel für die jeweilige Stadt angibt. Doch die Kontrollen sind zum einen lasch, es sind dafür viel zu wenig städtische Mitarbeiter vorhanden. Sabine Werner macht einen Test in Köln: Dort soll eine Wohnung ohne Fußboden und Tapeten 530 Euro im Monat kosten - kalt! Eine Ausrede fällt dem Makler nicht schwer: Sie könne nicht immer nach dem Mietspiegel gehen.

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Die Abzocke treibt immer wildere Blüten: 15 Euro pro Quadratmeter sind in Köln trotz vergammelter Küchenzeilen und Bäder kein Problem. Mietspiegel helfen dabei nur wenig: Den erhebt jede Stadt für sich und die Methoden sind dabei weit auslegbar, was Manipulationen im größten Umfang zulässt. Hier kommt auch Professor Walter Krämer zu Wort, der als Sozialstatistiker der TU Dortmund viele groteske Beispiele für Preistreiberei nennen kann. Außerdem werden die Mietspiegel nur aus Neubauten der letzten vier Jahre errechnet: Wohnungen, die schon länger und günstiger vermietet sind, spielen keine Rolle.
 
Auch Renovierungen und Modernisierungen können den Mieter durch die gestiegene Miete hart treffen, wenn etwa ein Balkon eingebaut wird, der dem Mieter aber gar nichts bringt, weil er ihn nicht nutzen will. Immer mehr Menschen suchen Unterschlupf in Notunterkünften. Manche Frauen etwa in einem angemieteten Hotel der Caritas. Es gibt große Bauprojekte, aber nur wenige können sich die neuen Wohnungen leisten.
 

Nicht beachtet: die Folgen der Geldschwemme

 
Sabine Werner spricht mit Bundesbauministerin Barbara Hendricks und anderen. Eine der Hauptursachen der Wohnungsmisere streift sie aber nur: Wer noch Geld hat, legt es mangels Alternativen oft in Immobilien an, was die Preise in Ballungsgebieten in Rekordhöhen getrieben hat. Durch die Geldschwemme der EZB und die Niedrigzinsen kaufen viele solvente Investoren teure Wohnungen, bewohnen sie groteskerweise aber nicht, sondern sehen sie als reine Geldanlage.
 
Das Wohnraum und Immobilien als "Betongold" immer wichtiger werden, dürfte eine satte Spekulationsblase verursacht haben und  treibt die Preise für Kauf und Mieten in immer neue Höhen. Es sagt viel aus, dass sich das Problem seit der Finanzkrise so verschärft darstellt: Diesen Zusammenhang blendet die ansonsten sehr sehenswerte Reportage leider weitgehend aus.
 
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