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TV-Kritik: "Jagd durch Prag": "Die Diplomatin" ist zurück

Von Karla Lorenz gerät als deutsche Botschafterin in Prag in ein politisches Minenfeld: Unterhält die CIA in Tschechien ein Foltergefängnis?
Botschafterin Karla Lorenz (Natalia Wörner) will selbst herausfinden, ob ihr Whistleblower Sean Miller (Angus McGruther) die Wahrheit gesagt hat. Foto: ARD Degeto/Roland Suso Richter Botschafterin Karla Lorenz (Natalia Wörner) will selbst herausfinden, ob ihr Whistleblower Sean Miller (Angus McGruther) die Wahrheit gesagt hat.

Wohl selten sind zwei Filme aus einer Reihe in ihrem Anspruch so gewaltig auseinandergefallen wie "Das Botschaftsattentat" und "Entführung in Manila" aus „Die Diplomatin“ mit Natalia Wörner in der Titelrolle der Diplomatin Karla Lorenz. . Während ersterer als zügig erzählter und glaubwürdig konzipierter Terrorismus-Thriller überzeugte, zeigte sich "Entführung in Manila" in jeder Beziehung als lächerlich grotesker Rohrkrepierer.

Ein Film, der es mit den schlechtesten "Tatort"-Krimis aufnehmen konnte. Kein Wunder, dass die ARD damals "Das Botschaftsattentat" als ersten Film ausstrahlte, obwohl es sich dabei eigentlich um die Fortsetzung von „Entführung in Manila“ handelte. Der dritte Teil präsentiert nun Karla Lorenz, die sich in ihren ersten beiden Auftritten als Krisendiplomatin betätigte, als deutsche Botschafterin in Prag. Ein Job, mit dem sie zugleich die Nachfolge ihrer Tante Alma Lorenz (Maren Kroymann) antritt.

Videos von Waterboarding

Noch während des anschließenden Empfangs mit Mozart und Champagner bekommt Karla von ihrem Bruder die Worte zu hören, die sich umgehend als Programm für den Rest des Films herausstellen:  "Die Glamourschule da drin ist nicht so deine Welt, oder? Du rettest lieber die Welt!" Schon vorher hetzt Lena Fischer (Mercedes Müller), blutjung und hochschwanger, wie in wilder Panik durch die Gassen von Prag.

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Blutverschmiert keucht sie auf das Gelände der Deutschen Botschaft und erzählt eine abenteuerliche Geschichte. Möglicherweise wurde ihr Verlobter Sean Miller (Angus McGruther) im jüdischen Viertel entführt. Sie hat einen Chip mit Videofilmen dabei. Wie es aussieht, war ihr Verlobter Wachsoldat auf einem Luftwaffenstützpunkt, auf dem der CIA gedeckt von der tschechischen Regierung Terrorverdächtige gefangen hält und mit Waterboarding foltert.

Zweifel an der Echtheit

Bald danach trifft auch der Verlobte in der Botschaft ein. Und bringt die deutschen Diplomaten gehörig in die Zwickmühle. Kann man die erzählte Geschichte glauben? Handelt es sich bei den Folterszenen um authentisches Material oder schlichte Fälschungen? Es gibt verdächtige Stellen in Millers Leben. Die Tschechen, wegen der russischen Bedrohung um amerikanischen Schutz bemüht, sind nicht gerade erpicht darauf, es sich mit den Amerikanern zu verderben.

Und Karla Lorenz setzt sich erst recht zwischen alle Stühle. Es spielen zahlreiche familiäre und politische Verbindungen, alte Freundschaften und opportune Rücksichtnahmen mit hinein. Und solange der Film diese Verbindungen ausbreitet und die Kontrahenten entsprechend aufeinanderprallen lässt, dürfte  er durchaus einen realistischen Eindruck von politischen und diplomatischen Gepflogenheiten vermitteln.

Ein grotesker Handlungsschub

"Jagd durch Prag" hält deswegen die Spannung auch lange Zeit entsprechend hoch. Leider erlaubt sich das Drehbuch mit der Zeit einige Schlenker, die von der anfänglichen Glaubwürdigkeit der Handlung nicht mehr viel übrig lassen: Dass die deutsche Botschafterin in Prag alleine mit einem Soldaten, der nach Kriegseinsätzen unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidet und gegenüber einer Frau extrem gewalttätig geworden ist, in militärischem Sperrgebiet herumschleicht und sich dabei sogar in Lebensgefahr begibt, hätte nun wirklich nicht sein müssen.

Da wäre es schon besser gewesen, Karla Lorenz in ihrer Funktion als Krisendiplomatin zu belassen. Dennoch kriegt die Geschichte am Ende doch noch halbwegs die Kurve: Im Dialog finden sich gute Überlegungen zu Courage und Integrität, die auch zerschlagenes politisches Porzellan nicht scheut. Und das geschieht sogar so beiläufig, dass es nicht aufgesetzt wirkt. "Jagd durch Prag" kann sich darum durchaus mit dem gelungen "Das Botschaftsattentat" messen.

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