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TV-Kritik: „Jenny – Echt gerecht“: Mit Erfolgspotential

Von Die Auftaktfolge "Ex & hopp" der neuen RTL-Serie beeindruckt durch den unerwartet souveränen Umgang mit erzählerischen Klischees.
Birte Hanusrichter als chaotisch-impulsive Anwaltsgehilfin Jenny Foto: Der Freundschaftsdienst Birte Hanusrichter als chaotisch-impulsive Anwaltsgehilfin Jenny

Nach zwanzig Minuten meint man das Konzept der Serie durchschaut zu haben. Jenny, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, verliert schon nach wenigen Minuten ihren Job. Sie hat zwei Kinder von zwei Vätern und finanzielle Probleme. Dazu kommt gleich noch der Vater ihrer Tochter, der die Sparschweine ihrer Kinder zerdeppert, um Startkapital für seine nächste Geschäftsidee einzusammeln.

Aber diese Probleme reichen ihr nicht: Sie gehört zu jenen Menschen, die sich außerdem noch durch Gemeinheiten gegenüber ihren Mitmenschen in helle Aufregung versetzen lassen. Was Birte Hanusrichter in der Rolle viel Gelegenheit gibt, Jenny mit regelmäßigen Temperamentsausbrüchen zu spielen. Jenny, ein lodernder Vulkan, ein Vertreter der Unterschicht mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsempfinden.

Der arrogante Gegenspieler wird zum Serienpartner

Ein solcher Charakter in einer Serie benötigt aber ein passendes Gegenstück. Und der heißt Maximilian Mertens, ist Anwalt und sollte eigentlich Jenny bei einem Gerichtstermin juristisch unterstützen. Doch weil er diesen Termin schwer verkatert versäumt, verliert Jenny gegenüber ihrem zahlungsunwilligen Ex nicht nur vor Gericht, sondern muss auch noch die Gerichtskosten tragen. Das schreit nach Vergeltung!

Jenny stürmt umgehend in Mertens‘ Kanzlei. Der arrogante Schnösel will sie zunächst mit etwas Geld abspeisen. Doch dann kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung, durch die Jenny in der Kanzlei einen Job als Bürokraft erhält. Was Mertens zwar gar nicht in den Kram passt. Aber er lässt es geschehen. Sein Partner soll nichts von dem versäumten Termin erfahren, zumal Mertens dessen Tochter zu ehelichen gedenkt.

Wenn Klischees aufgebrochen werden

Alleinerziehende Chaotin in flippigen Klamotten  gegen karriereorientierten Anzugträger also, was an viele ähnlich konzipierte Serien erinnert. Dazu kommt eine Geschichte, die eigentlich die besten Voraussetzungen dazu mitbringt, weiter im Fahrwasser vertrauter Klischees zu schwimmen. Jenny schleppt nämlich sehr bald ein ukrainisches Zimmermädchen als Klientin an, die von einem ehrgeizigen Politiker geschwängert wurde.

Der wird schon als Berlins nächster Bürgermeister gehandelt und steht auch auf der Wunschliste von Mertens‘ Kanzlei. Freilich als Klient, nicht als Gegner. Jenny versucht auf ihre unkonventionelle Art, die Vaterschaft des zukünftigen Bürgermeisters zu beweisen. Und das Drehbuch der Auftaktepisode zeigt an dieser Stelle plötzlich überraschend, wie ein Autor erprobte Erzählmuster intelligent variiert und Klischees aufbricht.

Intelligenter Paradigmenwechsel

So erkennt Jenny, dass es für Außenstehende gar nicht so einfach ist, eine Situation wie zwischen dem Zimmermädchen und dem angehenden Bürgermeister richtig zu beurteilen. Sie gerät sogar an einem Punkt, wo sie glaubt, einen Fehler gemacht zu haben: Sie will aufgeben. Doch an dieser Stelle zeigt sich plötzlich Mertens unerwartet ehrgeizig, der jungen Ukrainerin und ihrem ungeborenen Kind zu helfen.

Dieser Paradigmentausch zwischen Jenny und dem Anwalt verleiht der Geschichte einen unerwarteten Schwung. Dazu gefällt die charakterliche Feinzeichnung des Bürgermeisterkandidaten: Er erscheint nicht als kompletter Widerling, sondern darf eine gewisse Ambivalenz ausstrahlen. Und am Ende durch seine Nachgiebigkeit sogar einen Hauch von Verantwortungsbewusstsein zeigen.

Zusammen mit einem ausgeprägtem Sinn für Situationskomik und einer überaus quirligen Birte Hanusrichter weckt "Ex & hopp" deshalb durchaus Lust auf die anderen neun Episoden. Die Lebenskünstlerin und der Rechtsverdreher, die auch voneinander lernen: Das birgt Erfolgspotential.

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