Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

TV-Kritik: "Jürgen - Heute wird gelebt": Auf schräge Art berührend

Von Zwei Verlierer reisen nach Polen, um dort doch noch eine Frau abzukriegen. Ein Film, der erstaunlich viel über Träume und Sehnsüchte erzählt.
Bernd (Charly Hübner, l) und Jürgen (Heinz Strunk) stehen vor der aufregendsten Reise ihres Lebens. Foto: WDR/Georges Pauly Bernd (Charly Hübner, l) und Jürgen (Heinz Strunk) stehen vor der aufregendsten Reise ihres Lebens.
Würde Schriftsteller Ludwig Fels ("Ein Unding der Liebe") sich an einer Komödie versuchen, käme vermutlich ein ähnlicher Stoff heraus wie dieser Film. Parkhaus-Pförtner Jürgen Dose (Heinz Strunk) und sein Kumpel Bernd Würmer (Charly Hübner) sind im Leben chronisch zu kurz gekommen. Auch was weibliche Bekanntschaft betrifft. Beim Speed-Dating will der Funke auch nicht so recht überspringen. Aber Bernd ist schon auf eine ganz spezielle Idee verfallen.

Er will mit Jürgen nach Polen auf Brautschau. Der prachtvoll unappetitliche Reiseveranstalter Schindelmeister, hinreißend verkörpert durch Peter Heinrich Brix, hilft mit seiner Agentur EuropLove solch hoffnungslosen Fällen auf die Sprünge. Die beiden Freunde bezahlen einen viel Geld, um in Stettin ihre Traumfrau aus dem Katalog kennenzulernen. Mit an Bord: Die eisig-attraktive Dolmetscherin Anja (Friederike Kempter), die Bernd sofort ins Auge sticht.

Charly Hübner als schwieriger Kumpel

Aber es ist Jürgen, der schon auf der Fahrt Kontakt zu ihr knüpft. Und dass da einiges an Chaos auf die Freunde und auch die anderen Herren in dem klapprigen Kleinbus Schindelmeisters zukommt, bleibt nicht aus. Hat Dose doch zu Beginn schon Probleme, seinen cholerischen und selbstmitleidigen Kumpel Bernd einzubremsen, um nicht noch tiefer ins Schlamassel zu geraten.

Den frustrierten, aber nicht unsympathischen Jürgen Dose hat sein Darsteller Heinz Strunk schon im Jahr 1994 für sein zweites Solo-Album "Der Mettwurstpapst" erschaffen – wie er auch das Drehbuch zu diesem Film verfasst hat. Wenn er in seinem Pförtner-Büro sitzt und sich mit Bernd und Kunden herumärgert, spürt man, wie hart er schon an Kleinigkeiten zu knabbern hat. Der Film zeichnet eine Welt der Verlierer und Proleten, verkörpert auch durch die anderen Mitreisenden in Schindelmeisters Bus.

Strunk spielt seine eigene Figur

Dabei zeigen sich die Mitreisenden durch die Bank mit passenden Charakterköpfen wie Jürgen Rißmann gut besetzt. Das Aufbruch-Motiv, wichtiger Bestandteil eines guten Roadmovies, hat Strunk mit dem Leben Jürgens und Bernds gut verknüpft. Beide leiden ja darunter, dass ihr Leben zum Stillstand gekommen ist, wofür Strunk passende Metaphern eingebaut hat: Jürgens Mutter ist ans Bett gefesselt und Bernd an den Rollstuhl.

Schwierig ist dabei besonders, Figuren wie Jürgen und Bernd mit dem richtigen satirischen Fingerspitzengefühl zu gestalten. Strunk hat seine Figuren zwar überzeichnet, ohne dabei aber zu übertreiben. Er weckt deswegen auch Interesse für sie. Man leidet mit Jürgen und Bernd. Dass Strunk kein professioneller Schauspieler ist, gereicht dem Film sogar zum Vorteil: sein stark reduziertes Spiel verleiht Dose eine gewisse Authentizität. Und Charly Hübner kann es sowieso.

Geht die Geschichte weiter?

Wenn Jürgen sich für Bernd ausgibt und auffliegt, als der echte Bernd wegen seines platten Rollstuhlreifens verspätet die Szenerie betritt, wird die Tragik im Komischen spürbar. Und auf eine schräge Art gelingt dem Film dabei sogar eine berührende Reflexion über Freundschaft und Vertrauen. Das  wirkt zwar manchmal passend zu dem Freundesduo etwas unbeholfen, aber man spürt das Herzblut, mit Strunk in seine Figuren hat einfließen lassen.Eine Fortsetzung wäre darum nicht schlecht.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse