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TV-Kritik: "Kästner und der kleine Dienstag": Die Freundschaft beenden, um den Freund zu schützen

Von Der kleine Hans Löhr begeisterte sich für den Schriftsteller Erich Kästner und bekam dadurch eine wichtige Filmrolle. Der gerade Zwanzigjährige fiel 1942 in Russland.
Der Schriftsteller Erich Kästner (Florian David Fitz, li.) weiß zunächst wenig mit seinem Fan Hans Löhr (Nico Kleemann) anzufangen. Bild: ARD Degeto/Ester.Reglin.Film/DOR Film/Anjeza Cikopano Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Der Schriftsteller Erich Kästner (Florian David Fitz, li.) weiß zunächst wenig mit seinem Fan Hans Löhr (Nico Kleemann) anzufangen. Bild: ARD Degeto/Ester.Reglin.Film/DOR Film/Anjeza Cikopano

Ein schöner Satz: "Söhne aus Papier sind sehr praktisch, die verdienen Geld, kaum dass sie auf der Welt sind". Erich Kästner (Florian David Fitz) weiß es zu schätzen, dass sich sein Buch „Emil und die Detektive“ zum Bestseller entwickelt hat. Der elegante Lebemann genießt das Geld, die Berliner Bohème, den Alkohol und die Frauen. Und staunt, als plötzlich ein Junge vor seiner Wohnungstür steht: Hans Löhr (Nico Ramon Kleemann) hat Kästners Kinderbuch mit Begeisterung gelesen und Kästner sogar einen Brief geschrieben.

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Hans Löhr wendet sich mit einer ungewöhnlichen Bitte an Kästner: Er will etwas von Kästner Geschriebenes für die Schülerzeitung. Kästner gibt ihm ein pazifistisches Gedicht, das von einem Lehrer umgehend zerrissen wird. Zwischen dem Schriftsteller und dem Jungen entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Kästners Buch verfilmt wird, bekommt Löhr die Rolle des kleinen Dienstag.

Halbwelt und Hinterhof

Der Junge ist anschließend besonders von der Kantine beim Film begeistert, von der Schokolade und der Limonade. Die anrührende Geschichte beruht auf Tatsachen: Die Freundschaft zwischen Kästner und Hans Löhr ist historisch verbrieft. Und was dieser Künstler-Biographie neben der aufwändigen Ausstattung eine besondere Authentizität verleiht, sind die Szenen in den Hinterhöfen Berlins – gedreht wurde der Film in Wien – die das Kleine-Leute-Milieu, aus dem Kästner selbst stammte, so begreiflich machen.

Diese Parallelen zwischen Kästner und Löhr inklusive einer besonders liebevollen Mutter ließen auch ihre Freundschaft entstehen. Eine Freundschaft, die durch die heranziehende Nazi-Zeit auf eine harte Probe gestellt wurde. Kästner war den neuen Machthabern ein Dorn im Auge, seine Bücher wurden von SA-Kommandos aus den Buchläden herausgeholt und fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Kästner sah selbst mit an, wie seine Bücher ins Feuer geworfen wurden.

Die Facetten der Freundschaft

Aber Kästner besaß auch als Bestsellerautor zu dieser Zeit längst internationalen Ruhm, was sein Überleben sicherte. Anders als viele seiner Kollegen ging er nicht ins Exil. Der Film zeigt, wie sich die Beziehung der beiden verändert und erzählt dabei im Prinzip mehrere Geschichten parallel: Es geht um Überleben in einer mörderischen Diktatur, um innere Emigration und äußere Anpassung, zugleich aber auch ums Erwachsenwerden.

Und natürlich auch um Freundschaft, zwischen Kästner und Löhr ebenso wie zwischen Löhr und dessen Freund Wolfi Stern, gespielt von Juls Serger und Oskar Bökelmann. Kästner verleugnet sich: Um auch Löhr zu schützen, dazu reichte sein internationaler Ruhm nicht aus. Wie Drehbuchautorin Dorothee Schön all diese Aspekte hier verarbeitet, verdichtet und auf einen Nenner gebracht hat, macht allein schon den Film sehenswert.

Die aufwändige Ausstattung und die famosen Schauspieler besorgen den Rest. Besonders zwischen Fitz und dem sehr natürlich agierenden Kleemann stimmt die Chemie.

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