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TV-Kritik: "Keine Grenzen": Im freien Fall

Von Wie gehen Erfolgsmenschen damit um, nach einer glanzvollen Karriere alles zu verlieren? Zwei berühmte Beispiele.
Im Radsport wurde Jan Ulrich zu einem Idol. Doch nach dem kometenhaften Aufstieg folgte nach Doping-Skandalen ein Sturz ins Bodenlose. Foto: Sami Karim/ZDF Im Radsport wurde Jan Ulrich zu einem Idol. Doch nach dem kometenhaften Aufstieg folgte nach Doping-Skandalen ein Sturz ins Bodenlose.

Es ist der Stoff, aus dem Legenden gewoben werden oder Bestseller. Es sind Geschichten, nach denen sich die Regenbogenpresse alle Finger leckt: Menschen, die sehr hoch gestiegen sind und dann sehr tief fallen. Vom Milliardär zum Sozialhilfe-Empfänger, vom goldenen Thron in die Gosse, von ganz oben zum Witzobjekt. Oft war Hochmut im Spiel, der Verlust an Bodenhaftung, Illegales. Andere wiederum haben eigentlich keine Fehler gemacht. Aber sie wurden zum Opfer widriger Umstände.
 
Die ZDF-Reihe "37 Grad" hat in "Für mich gab's keine Grenzen" für beide Arten des Scheiterns je einem prominenten Vertreter vor die Kamera geholt. Darunter wohl DAS Beispiel für einen tiefen Sturz überhaupt: Radsport-Idol Jan Ulrich. Heute verdient er seinen Unterhalt als Attraktion in einem Trainingslager für Amateur-Radsportler. Als Beispiel für Scheitern ohne persönliche Schuld kommt Paulus Neef, Gründer des Kommunikationsunternehmens Pixelpark. Die Reportage zeichnet Ulrichs und Neefs Lebensweg und ihre Karrieren nach.

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Bei Jan Ulrich führte die von einer DDR-Sportschule bis zum Radsport-Olymp: dem Gewinn der Tour de France im Jahr 1997 als erstem und bisher auch einzigem Deutschen. Dieser Triumph machte ihn schlagartig zum strahlenden Sporthelden - Jan Ulrich wurde auch denjenigen ein Begriff, die mit Radsport rein gar nichts anfangen können. Er zierte die Titelseiten vieler Zeitungen in Deutschland. Doch die Erwartungen der Radsport-Fans konnte Jan Ulrich in den Jahren darauf trotz etlicher Siege in weiteren Radrennen nicht ganz erfüllen.
 

Der Absturz des Jan Ulrich

 
Ein zweiter Sieg bei der Tour de France gelang ihm nicht. Jan Ulrichs Kampf mit dem Übergewicht - in historischen Einspielungen sieht man es ihm auch an - sorgte für Häme. Er erzählt davon, spricht von Trotzreaktionen - manchmal habe er absichtlich keine Leistung gebracht. Sein Absturz vollzog sich geradezu unter dem Mikroskop der Öffentlichkeit: Wieder schaffte er es auf die Titelseiten, aber diesmal mit Dopingskandalen und einer Trunkenheitsfahrt im Jahr 2002 mit seinem Porsche, bei der er ausgerechnet einen Fahrradständer rammte.
 
2006 schließlich das Blutdoping, das ihm endgültig das Genick brach. Nicht nur er, auch seine Mutter erinnern sich noch an diesen Moment. Den Abgrund vor Augen. Wie geht man damit um? Jan Ulrich spricht bemerkenswert offen, was viele damals bei ihm vermissten. Er gibt auch zu, damals Hilfe gebraucht zu haben. Es irritiert jedoch, wenn er heute noch mit Stolz auf seine Karriere zurückblickt. Welche Rollen spielten Doping und Betrug wirklich in dieser Star-Karriere? Und hatte er nicht auch Glück, dass ihm die gefährlichen Nebenwirkungen der Substanzen erspart geblieben sind?
 

Wie Paulus Neef sich wieder fing

 
Auch Paulus Neef brauchte Hilfe, nachdem der Börsenwert seines Unternehmens ins Bodenlose gefallen war. Wirklich vergleichen kann man die beiden Männer aber nicht. Der ehrgeizige Unternehmer dachte immer schon an den nächsten Schritt nach oben. Er gibt aber zu, sich zeitweise gefühlt zu haben, als könne er über Wasser gehen. Beide klingen ähnlich, wenn sie sich über die Zeit und das Leben nach ihrem Scheitern äußern. Es geht dabei immer um das kleine Glück, die Läuterung, den bescheideneren - aber vielleicht auch besseren - Neustart. Neef half sich dabei eindrucksvoll mit Yoga.
 
Aber Paulus Neef nimmt man ab, was er sagt. Bei Jan Ulrich hat der Zuschauer dagegen womöglich mehr Probleme - was aber natürlich nicht nur an ihm liegt und auch nichts mit seiner zweiten Trunkenheitsfahrt im Jahr 2014 zu tun hat. An einen sauberen Radsport wollen einfach viele nach den Skandalen um Ulrich, Armstrong und andere schon lange nicht mehr glauben. Dennoch nötigt Ulrichs Mut, vor die Kamera zu gehen, Bewunderung ab.
 
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