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TV-Kritik: "Kinderarmut in Deutschland": Wichtigste Ursache kommt zu kurz!

Von Rund ein Fünftel aller Kinder in Deutschland wachsen in statistisch armen Familien auf. Die Sendung zeigt eine massive Schwäche bei der Ursachenforschung.
Symbolbild Foto: imago Symbolbild
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Rund zwei Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut bedroht. Das sind rund 20 Prozent. Sie kommen aus Familien, die statistisch als einkommensarm gelten. Besonders Minderjährige von Alleinerziehenden, aus kinderreichen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund sind betroffen. Kinderarmut hängt eng mit der Armut ihrer Familien zusammen: Sind beide Eltern arbeitslos, beträgt das Armutsrisiko knapp 64 Prozent.

Mit einem arbeitenden Elternteil sinkt das Risiko auf 15, mit zwei arbeitenden Elternteilen auf drei Prozent. Aber was bedeutet überhaupt Armut? Da gehen die Meinungen auch der Kinder selbst weit auseinander. Arm wäre, wer nichts hat – aber jeder hätte doch irgendwas, ob Gegenstände oder zumindest Freunde heißt es mit entwaffnender Naivität aus Kindermund in einer Veranstaltung der Berliner Arche, einem Projekt gegen Kinderarmut.

Armut hat fatale Folgen

Und in der Tat muss ja heute jemand ohne Geld in Deutschland nicht mehr verhungern. Aber es gibt auch eine "gefühlte, emotionale Armut", unter der Kinder ebenso leiden als Erwachsene. Die Armut betrifft auch ihre Eltern oft intensiv: Väter und Mütter sind ausgebrannt, kraftlos, es mangelt ihnen an Autorität und Souveränität. Die Auswirkungen sind entsprechend für solche Kinder früh zu spüren: Sie sind häufiger krank, haben schlechtere Noten in der Schule. Und haben dementsprechend eine schlechtere Perspektive.

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Und eine kürzere Lebenserwartung: Ein Sohn aus einkommensarmer Familie stirbt elf Jahre früher als einer aus wohlhabendem Haus. Die Arche in Berlin verteilt bis zu 600 Mittagessen täglich, finanziert aus Spenden. Für viele ihrer Besucher ist das die erste richtige Mahlzeit des Tages! Kinder erzählen, wie es sich daheim anfühlt, wenn daheim der Kühlschrank regelmäßig leer bleibt. Prof. Dr. Anne Lenze, Professorin an der Hochschule Darmstadt, liefert wertvolle Details und Denkanstöße zum Thema Grundsicherung für Kinder.

Der wichtigste Aspekt

Die Professorin stellt vor allem die wichtigste Ursachen für Kinderarmut in Deutschland in wünschenswerter Deutlichkeit heraus: Die extreme Ausweitung des Niedriglohnsektors. Nicht wenige Arbeitnehmer wurden dabei entlassen und über Leihfirmen wieder eingestellt – zu einem Drittel weniger Gehalt. Das billige Geld der EZB treibt die Börsenkurse und Preise für alles, womit sich spekulieren lässt, macht es aber unattraktiv, in der Realwirtschaft zu investieren und einen soliden Konsumentenstamm aufzubauen.

Die Folgen sind fatal: Mit den daraus folgenden Löhnen kann sich ein Arbeitnehmer selbst nur knapp über Wasser halten – eine Familie davon ausreichend zu ernähren, wird unmöglich. Leider kommt dieser Aspekt in der Sendung nicht ausreichend zur Sprache. Wenn es an anderer Stelle zu Recht heißt, das Problem würde in Deutschland immer drängender, "obwohl die Wirtschaft brummt und die Arbeitslosenzahlen zurückgehen", sollte der extreme Rückgang des Mittelstands an erster Stelle bei der Ursachenforschung stehen. Es sind auch Kinder, die den Preis für Rekordkurse an der Börse bezahlen.
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