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TV-Kritik: "Klingelingeling": Ein starker Abschluss

Von Der neue Münchner "Tatort" verbindet eine spannende Krimihandlung mit einem Sozialdrama, das unter die Haut geht!
Beklemmend intensiv: Zu den Höhepunkten des Films gehören die Szenen mit Mathilde Bundschuh als Tida, die ihren Sohn verloren hat. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Beklemmend intensiv: Zu den Höhepunkten des Films gehören die Szenen mit Mathilde Bundschuh als Tida, die ihren Sohn verloren hat.
Sie betteln an Straßenecken, auf belebten Plätzen und bevorzugt in Innenstädten. Es sind ganze Banden an Bettlern: Männer und Frauen, meist aus Osteuropa. Auch die Schwestern Tida (Mathilde Bundschuh) und Anuscha Dablika (Cosmina Stratan) gehören zu ihnen. Tida ist hochschwanger, was wegen der Mitleidsmasche noch besonders viel erbetteltes Geld verspricht. Als sie ihr Kind auf die Welt bringt, hilft ihr nur ihre Schwester Anuscha. Bald darauf liegt das Kind, ein Knabe, tot in einer Münchner Kirche vor dem Altar.
 
Er könnte erstickt oder unsachgemäß entbunden oder gar an einer Dosis Liquid Ecstasy gestorben sein. Nicht nur die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind erschüttert. Sie stoßen auf den rumänischen Bettlermafia-Boss Radu Stelica  (Florin Piersic Jr.). Er hat die anscheinend verstorbene Tida beseitigen lassen – nicht ahnend, dass das Mädchen noch lebt. Gleichzeitig ist Radus Bruder Calin (Alexandru Cirneala) spurlos verschwunden. Bald wird er gefunden – tot.
 

Harte Themen zu Weihnachten

 
Ein totes Kind, Obdachlosigkeit, ein erschütterndes Drama – es ist richtig harter Stoff, den der Münchner "Tatort" zu Weihnachten serviert. Da wirkt es anfangs wie in einem Laurel und Hardy-Film, wenn Batic und Leitmayr sich als Zuhörer beim Adventssingen der Polizei ausnehmend ungeschickt anstellen und im Handlungsverlauf immer wieder nebenher ihre privaten Probleme erörtern. Sollte auf diese Weise die Trivialität dieser Probleme im Vergleich zu der ausweglosen Situation der Ermittler herausgestellt werden?
 
Auch wenn sich dieser Handlungsstrang mit der nach Rumänien verschenkten Gans durchaus befriedigend auflöst, wirkt diese Art von Humor ein wenig deplatziert. Ansonsten gibt es an dem "Tatort" (Drehbuch: Dinah Marte Golch) aber rein gar nichts zu meckern: Die Geschichte kommt sehr schnell in die Gänge und verbindet ein erschütterndes Sozialdrama mit einem spannenden Wettlauf - wer wird Tida zuerst finden, die Polizei oder der brutale Radu? – zu einem durchgehend spannenden Ganzen.
 

Übersichtlich konstruiert

 
Die Geschichte überzeugt dabei durch ihre Übersichtlichkeit und Gradlinigkeit. Im Vergleich zu dem überladenen und unausgegorenen Frankfurter Beitrag "Wendehammer" letzte Woche erweist sich "Klingelingeling" als eine wahre Wohltat. Mathilde Bundschuh und Cosmina Stratan verkörpern die Dablika-Schwestern mit unglaublicher Authentizität. Dazu kommt der sehr präsente Florin Piersic Jr. Er verleiht seinem Radu ein gewisses Charisma, weswegen Radus extreme Brutalität am Ende besonders erschreckend rüberkommt.
 
Genauso sieht intelligente Schauspielerführung aus! Da Regisseur Markus Imboden auch "Wendehammer" in Szene setzte, beweist "Klingelingeling" wieder einmal, wie wichtig ein gutes Skript ist. Die Geschichte geht unter die Haut und das umso stärker, je länger der Film dauert. Die beklemmenden Bilder von Obdachlosigkeit und der Bettlerbande in der Lagerhalle brennen sich ein. Der letzte "Tatort" des Jahres 2016 ist schon durch das Motiv des toten Babys harte Kost. Aber auch ein starker Abschluss eines Krimi-Jahres und neben "Echolot" der bisher beste "Tatort" der Saison.

Den ganzen Tatort in der Mediathek gibt es hier
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