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TV-Kritik: "Kneifen gilt nicht": Zum Ausklang zu viel Wohlfühlfernsehen

Von Die neue ZDF-Reihe "Tonio und Julia" mischt vertraute Zutaten insgesamt gekonnt neu zusammen. Am Ende zeigt sich der Auftakt aber arg auf heile Welt getrimmt.
Julia Schindel (Oona Devi Liebich) gerät in eine heikle Auseinandersetzung zwischen Hermann Lechner (Eisi Gulp, M.) und Tonio Niederegger (Maximilian Grill, r.). Foto: Erika Hauri Julia Schindel (Oona Devi Liebich) gerät in eine heikle Auseinandersetzung zwischen Hermann Lechner (Eisi Gulp, M.) und Tonio Niederegger (Maximilian Grill, r.).

Donnerstags gibt’s im Ersten einen Krimi und im ZDF einen Bergfilm oder wenigstens was mit Bergen im Hintergrund. Und wenn Bergdoktor und Bergretter gerade Pause haben, probiert das Zweite da auch gern mal ein neues Sendeformat aus. So zog "Lena Lorenz", eine Hebamme, von Berlin zurück ins heimische Bayern. Ein Handlungselement, das sich in ähnlicher Form und auf einen anderen Landstrich bezogen auch bei Krankenschwester Vera Mund in der ARD-Serie "Eifelpraxis" findet und das die neue ZDF-Reihe "Tonio und Julia" übernommen hat.

Nur dass es sich bei  der Heldin Julia (Oona Devi Liebich) diesmal um eine Familientherapeutin arbeitet. Sie hat sich um eine Beratungsstelle beworben, die von der Katholischen Kirche finanziert wird. Generalvikar Lambert Zumbrodt (Lambert Hamel) zeigt sich anfangs weniger begeistert von der Kandidatin, denkt an lockere Sitten in Berlin. Wobei er noch nicht weiß, dass Julia in Berlin die Geliebte eines verheirateten Mannes ist.

Julias Vergangenheit: Potential für die Zukunft

Ihr Freund Paul (Simon Böer) hält Julia aber hin, wenn es darum geht, dass er sich von seiner Frau trennt. Und schon gar nicht, dass Julia und Pfarrer Tonio Niederegger (Maximilian Grill), mit dem sie zusammenarbeiten soll, einst ein Paar waren. Man ahnt, dass Julias Weggang für Tonios Entscheidung, Priester zu werden, eine gewisse Rolle gespielt haben könnte. Zumal da noch Reste jenes alten Gefühls vorhanden sind. 

Bei einer kurzen gemeinsamen Pause an einem wunderschönen See wird das besonders deutlich, wobei Liebich als Schwimmerin mit rotem T-Shirt auch für Erotik sorgen darf. in einer künftigen Folge dürfte Paul eine Reise nach Bayern unternehmen und damit für gewaltigen Zoff sorgen. Ein wenig häuslichen Ärger hat sie schon durch ihren schwulen Bruder Maximilian (Leo Reisinger): Der findet, dass seine Schwester von den Eltern ein wenig zu viel bekommt.

Im Auftakt geht es für Julia und Tonio aber besonders um die Bewohner des Lechnerhofs: Vater Hermann (Eisi Gulp) hat sich dort seit dem Tod seiner Frau zu einem Eigenbrötler mit bizarren Ticks entwickelt. Allzu viel Innovation war dabei nicht gefragt in "Kneifen gilt nicht".  In solchen Fällen kommt es darauf an, wie gekonnt Drehbuch und Regie das Altvertraute neu arrangiert und umgesetzt haben.

Nicht durchweg spannend

Das Urteil fällt gemischt aus. Das Motiv des verwitweten Vaters mit Sohn findet sich gleich doppelt, in Tonios Vater Franz (Klaus Pohl) und bei Herrmann Lechner. Allerdings gibt es auch Positives, etwa bei der Besetzung mit Liebich und Grill. Besonders Grill demonstriert dabei mit Tonios von Anfang an reserviertem Auftreten gegenüber Julia, welches Potential an Spannung noch in dieser längst noch nicht wirklich vergangenen Romanze für künftige Folgen liegt.

Die Geschichte tut zudem gut daran, sich vor allem auf Herrmann Lechner zu konzentrieren: Eisi Gulp liefert als potentiell hochgefährliche, aber stets mitleiderregende Vaterfigur eine Glanzleistung ab. Nur verpufft die Spannung schon ziemlich bald und der Rest ist dann nur noch blankes Wohlfühlfernsehen. Wenn auch von Gulp wiederum sehr berührend gespielt und dank Landschaft und kirchenbarocker Pracht mit sehr viel Schauwert. 

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