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TV-Kritik: "Krauses Glück": Flüchtlinge im Wohlfühl-TV

Von Sanft und verständnisvoll nähert sich der ARD-Film einem heißen Thema. Und wer macht sich da besser drin als Horst Krause?
Elsa (Carmen-Maja Antoni) und ihr Bruder Hotti (Horst Krause) sind am Ende des ersten Tages zufrieden mit seinem Verlauf. Foto: (rbb Presse & Information) Elsa (Carmen-Maja Antoni) und ihr Bruder Hotti (Horst Krause) sind am Ende des ersten Tages zufrieden mit seinem Verlauf.
Horst Krause ist ein Phänomen. Dass Schauspieler in ihren Filmen ihren eigenen Namen als Rollennamen innehatten, gab es in der Filmgeschichte letztmalig bei Stan Laurel und Oliver Hardy, und dieses unvergessene Duo hat die Welt schon vor über einem halben Jahrhundert verlassen. Man kann bei Horst Krause also von einem besonderen Maß an Authentizität ausgehen. Krause, schon optisch mit einem gewissen Maß an Erdenschwere ausstaffiert, scheint geradezu prädestiniert, in sich zu ruhen, Streit zu schlichten, Wogen zu glätten.
 
Selbst wenn er Motorrad fährt, deutet das nur in Ansätzen auf eine längst vergangene jugendliche Sturm- und Drangperiode hin: Krause fährt mit Seitenwagen, in dem zu Beginn des Films eine Ziege sitzt. Krause als Dorfpolizisten zu besetzen, war somit ein richtig cleverer Schachzug. Wenn es darum ging, im "Polizeiruf 110" als Polizeihauptmeister Horst Krause Verbrecher zu fangen, wirkte er durch sein Alter und seine Konstitution zunehmend fehlbesetzt und unglaubwürdig. Den Dorfpolizisten dagegen nimmt man ihm problemlos ab.
 

Film verpasst? "Krauses Glück" in der ARD-Mediathek

Schwester im Beziehungsstress

 
In "Krauses Glück“ bekommt es der mittlerweile pensionierte Dorfpolizist mit syrischen Flüchtlingen zu tun. Die Nebenfiguren auf deutscher Seite kennt man aus den Vorgängerfilmen von "Krauses Fest" (2007) bis "Krauses Geheimnis" von 2014. Da sind seine beiden Schwestern Elsa (Carmen-Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger). Seiner Schwester Elsa hilft Krause bei der Bewirtschaftung des Gasthofes im Dorf Schönhorst, die weit entfernt lebende Meta hat Probleme in ihrer Beziehung zu Rudi Weissglut (Tilo Prückner).
 
Aber da ist ja noch Rolf-Dieter Schlunzke (Andreas Schmidt), Krauses alter Freund. Auf syrischer Seite stehen Episodengäste Omar El Chanati (Erden Alkan, die schwangere Tochter Djamila (Elmira Rafizadeh), deren Mann sich in Syrien aufhält. Dazu gesellen sich der halbwüchsige  Achmed (Hussein Eliraqui), und die Zwillinge Mohammed und Jussuf (Haulan und Yarsan Hushmen), zwei Waisen. Ein überschaubares Ensemble, das sich besonders durch die Hushmen-Brüder über glaubwürdige Darsteller freuen darf. Allzu hart prallen in der brandenburgischen Provinz die Welten trotz aller Konflikte natürlich nicht aufeinander.
 

Sanfte Stimmung macht sich gut

 
Krause steht halt eher für Wohlfühlfernsehen. Aber das ist sicher nicht die schlechteste Art, mit der Flüchtlingsthematik umzugehen, und möglicherweise sogar die beste. Bernd Böhlich (Drehbuch und Regie) nähert sich dem Thema recht behutsam, nimmt den Fuß vom Gaspedal, weckt auf sanfte Art Verständnis und setzt ansonsten auf nette Situationskomik, schöne Bilder und lakonischen Humor. Und natürlich auf Horst Krause, der sich hier von einer besonders anpackenden und ebenso ausgleichenden Seite zeigen darf. Der Rentner im Unruhestand – nicht nur für Hallervorden ist eine schöne Rolle.
 
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