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TV-Kritik: "Kriegssplitter": Wo ist die Grenze zwischen Gut und Böse?

Von Starker "Tatort"-Beitrag aus der Schweiz: Die Tschetschenien-Kriege bilden den Hintergrund für einen temporeichen Thriller.
Nurali Balsiger (Joel Basman, li.) ist mit seinem verletzten Onkel (Jevgenij Sitochin) auf der Flucht. Bild: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler". Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler Nurali Balsiger (Joel Basman, li.) ist mit seinem verletzten Onkel (Jevgenij Sitochin) auf der Flucht. Bild: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler".
Schön, dass die ARD bei allen Experimenten in der laufenden "Tatort"-Saison die Fans klassischer Krimis nicht ganz vergisst. Sex? Schon am Anfang wälzt sich Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) mit der verheirateten Evelyn Gasser (Brigitte Beyeler) in einem Hotelbett. Crime? Kurz nach der intimen Begegnung der beiden stürzt der Journalist Leo Manser (Daniel Mangisch) aus einem höher gelegenen Hotelzimmer in den Tod. Und Action? Daran fehlt es auch nicht. Verfolgungsjagden, quietschende Reifen und Profikiller machen sich im Sonntagabend-Krimi immer ganz ordentlich.
 
Der tote Reporter, finden Flückiger und seine Kommissar-Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) heraus, machte offenbar Jagd auf einen Kriegsverbrecher: Ramzan Khaskhanov (Jevgenij Sitochin) machte im Tschetschenien-Krieg Witwen von Gefallenen mit Drogen als Selbstmord-Attentäterinnen gefügig und brachte sie dazu, Selbstmordattentate auf russische Zivilisten auszuführen. Weswegen sich nicht nur die russische Botschaft für ihn interessiert, sondern auch seine Nichte Nura Achmadova (Yelena Tronina).

Wie böse ist Khaskhanov wirklich?

Ihr Onkel soll als Terrorfürst auch für den Selbstmord seiner Schwägerin – Nuras Mutter – verantwortlich sein. Nuras Bruder Nurali Balsiger (Joel Basman) rettet seinem Onkel knapp das Leben, als dieser von einem Killer aufgespürt wird. War Khaskhanov wirklich ein eiskalter Terrorist oder handelt es sich um russische Propaganda? Das fragt sich etwa Flückiger, aber so eindeutig beantwortet der Film diese Frage nicht.  
 
Was wohl auch schwierig wäre: Den Hintergrund der beiden Tschetschenien-Kriege von 1994 bis 1996 und 1999 bis 2009 wirklich ausreichend zu erklären, würde jeden "Tatort"-Rahmen mühelos sprengen. Und in einem Krieg Gut und Böse eindeutig zuzuordnen, ist ohnehin mehr als schwierig, was "Kriegssplitter" bemerkenswert deutlich macht. Deswegen konzentriert sich der Film auf die eingangs genannten Thriller-Elemente und das macht er wirklich gut. Die präzise Regie, schnörkellos geführte Kamera und effektvolle Filmmusik geben der Geschichte eine beachtliche Wirkung.

Ungelöste Rätsel und falsche Fährten

Dabei geraten einzelne Charaktere mitunter zu schematisch. Wie die Zusammenarbeit zwischen dem Killer und dem russischen Botschafter im Einzelnen zustande gekommen ist und wie sich die jeweiligen Ziele gestalten und unterscheiden, kommt etwa nicht wirklich heraus. Der Film deutet ein kompliziertes Verhältnis an, löst das Rätsel aber nicht befriedigend auf. Hier wäre noch mehr herauszuholen gewesen: Khaskhanov erscheint deutlich vielschichtiger.
 
Dafür gefällt Joel Basman als Normalbürger, der durch seine Schwester zwischen die Fronten gerät, und eine am Anfang besonders geschickt gelegene falsche Fährte, wenn sich Flückiger mit der verheirateten Frau trifft und vergnügt und der Journalist ein Hotelzimmer öffnet – und sich dann herausstellt: Es war nicht das Zimmer mit Flückiger, sondern ein gänzlich anderes Zimmer. Solche und ähnliche Einfälle halten den Zuschauer durchweg bei Laune. Da kann man als Zuschauer über die eine oder andere dünne Stelle im Drehbuch getrost hinweg sehen.
 
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