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TV-Kritik: "Lügen und andere Wahrheiten": So spannend können Zweifel sein

Von Eine Filmperle zu später Stunde: Warum Sie sich diese einfühlsame Komödie nicht entgehen lassen sollten.
Coco (Alina Levshin, l) probiert mit Patti (Jeanette Hain) ein Hochzeitskleid an und erfährt dabei interessante Einzelheiten über ihre beste Freundin. Foto: WDR/Komplizenfilm Coco (Alina Levshin, l) probiert mit Patti (Jeanette Hain) ein Hochzeitskleid an und erfährt dabei interessante Einzelheiten über ihre beste Freundin.
Wie man sich täuschen kann: Auf den ersten Blick und in den ersten Minuten erscheint der Film wie eine jener Beziehungsgeschichten, die sich mühsam von müdem Gag zu müdem Gag hangeln, die modernes urbanes Lebensgefühl vermitteln wollen und dabei doch nur anöden. Weil einfach die Figuren so sorglos nach Schema F gestrickt sind: keine Individuen, keine Charaktere, sondern Typen, wie man sie schon dutzendfach gesehen hat, und das meistens besser.
 
Hier haben wir Coco (Meret Becker), eine Zahnärztin, die mit Carlos (Thomas Heinze) verlobt ist. Ihre Freundin Patti (Jeanette Hain), eine Malerin, stellt Bilder aus, auf denen lauter weibliche Geschlechtsorgane zu sehen sind. Coco, Carlos und Patti gehen zum Yoga zu Andi (Florian David Fitz), der mit Patti eine Affäre unterhält, aber nicht mit ihr schläft. Und dann wäre da noch Vera (Alina Levshin), Cocos Zahnarzthelferin, die von Russland Besuch von ihrem Bruder bekommt.
 

Eine verzweifelte Erpresserin

 
Der braucht dringend Geld von ihr, um die Beinamputation des Vaters in Russland zu bezahlen. Weswegen Vera erst bei ihrer Arbeitgeberin ihr Glück versucht, dann bei Carlos, dann bei Patti, und schließlich Yoga-Lehrer Andi erpresst. Jeder hat so seine kleinen Geheimnisse hier und zeigt sich ängstlich bemüht, all das Peinliche, Unangenehme vor den Anderen unter den Teppich zu kehren und zu sorgen, dass es auch dort bleibt.

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Und man glaubt gar nicht, wie gut das in erzähltechnischer Hinsicht funktioniert. Etwa bei Carlos, der nach seinem Junggesellenabschied stockbesoffen der Polizei ins Netz geht und im Rausch seine Blase ins zukünftige Ehebett entleert – ein Bild mit Symbolcharakter. "Lügen und andere Wahrheiten" verdeutlicht nachdrücklich, woran es "Höhere Gewalt" vom Vortag so mangelte: So etwa an Figuren, die wirklich zum Mitfiebern einladen.
 

Sehenswerte Erzähltechnik

 
Oder an einer intelligenten Handlungsführung, die ihre Erzählstränge clever verknüpft und trotz überwiegend ruhiger Szenen keine Sekunde Leerlauf aufkommen lässt. Und dazu auch noch an einer Regie, die diese kleinen Ecken, Kanten und wunden Stellen der Protagonisten einfühlsam inszeniert und mit eleganter Beiläufigkeit auch richtig gut zur Geltung bringt, ohne jemanden dabei der Lächerlichkeit preiszugeben.
 
Dieser Film von Regisseurin Vanessa Joop, die zusammen mit Autor Stefan Schneider und den Schauspielern auch das Drehbuch und die Figuren erarbeitete, zeigt, wie man so was macht, und das sogar richtig gut.
 
 
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