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"Mama hat Burn-Out": Annäherung an ein Tabu-Thema

Von Erschöpfung und Depression als Folge von Beruf, Haushalt und Familie: Dieser Film bietet überraschende Einsichten.
Dana ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis. Eigentlich nur halbtags, aber in der Praxis oft deutlich länger. Foto: WDR Dana ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis. Eigentlich nur halbtags, aber in der Praxis oft deutlich länger.
Die Powerfrau gilt als Ideal, aber die Wirklichkeit bringt Frauen oft schnell an ihre Grenzen. Vor allem, wenn sie Kinder und Beruf unter einen Hut bringen müssen. Eine anspruchsvolle Arbeit, dreckige Wäsche, Haustier, Abwasch, renitenter Nachwuchs und zu allem auch noch stets gut aussehen müssen - wie soll man das alles in immer weniger Zeit bewältigen? Die Folgen dieser dauernden Überlastung sind oft gravierend. Und werden meist schamhaft verschwiegen - wer will schon zugeben, dass der Alltag sie überfordert?
 
Das Müttergenesungswerk hat zwischen den Jahren 2003 und 2015 eine Zunahme der Erschöpfungsdiagnosen um rund 40 Prozent registriert. Die Sendereihe "Menschen hautnah" hat zwei Frauen über ein ganzes Jahr durch alle Höhen und Tiefen begleitet, die in der Erschöpfungsfalle gelandet sind: Steffi und Dana, beide Mitte 40. Steffi lebt von ihrem Mann getrennt, hat eine Tochter namens Sophie und arbeitet als Heilpraktikerin mit eigener Praxis. Irgendetwas ist immer, ob sie sich nun um Abrechnungen, ihre Tochter oder ihre Eltern kümmern muss.
 

Appetitlosigkeit und Rückenschmerzen als Folgen

 
Auch ihrer Tochter, die sie täglich von der Schule holt, hat schon festgestellt, dass es ihrer Mutter zu viel wird. Sie isst dann oft nicht mehr richtig. Steffi hat aber festgestellt, dass viele Leute nicht damit klarkommen, wenn sie nicht funktioniert. Darum funktioniert sie eben weiter, immer schneller, immer mehr. Vor einigen Jahren zahlte sie einen hohen Preis dafür: Sie erkrankte an Krebs. Sie entschied sich darum für eine Kur am Meer. Es war alleine schon die Weite der Küstenlandschaft, die ihr Erholung schenkte - der perfekte Kontrast zu der als beengend empfundenen Situation zuhause. Das Meer trennte sie auch optisch von ihren Sorgen.
 
Dana ist verheiratet und arbeitet als Zahnarzthelferin, wobei sie für Zahnreinigungen zuständig ist. Sie arbeitet zwar nur halbtags, in der Theorie zumindest - in der Praxis ist es jedoch oft deutlich mehr. Sie hat drei Kinder, von denen der halbwüchsige Sohn besonders Probleme bereitet. Er hatte mehrfach Ärger mit der Polizei. Seine Mutter bekam schließlich die Folgen auch körperlich zu spüren. Sie litt unter heftigen Rückenschmerzen, ein typisches Zeichen für übermäßigen Stress.
 

Auch eine Folge der eigenen Einstellung

 
Die angebotene Kur lehnte sie anfänglich ab, doch ihre Familie konnte sie schließlich überzeugen. Sie fuhr in die Berge, gewann Abstand, betätigte sich auch nach langer Zeit wieder sportlich. Sie entdeckte sich selbst wieder. Die Reportage von Diana Ahrabian macht immer wieder deutlich, dass es auch an der Einstellung der betroffenen Frauen liegt. Danas Tochter etwa wollte sich am Haushalt beteiligen, aber ihre Mutter ließ sie nicht. Stets erledigte sie Arbeiten, die ihre Tochter gerne übernommen hätte, lieber selbst.
 
Dazu passt, dass sie die Kur anfänglich ablehnte und nach kurzer Zeit wieder abbrechen wollte. Der Film zeigt: Es ist gerade auch das Selbstbild als in allen Belangen perfekt funktionierende Powerfrau und Super-Mutti, das selbst starke Frauen irgendwann an ihre Grenzen bringt. Der Burn-Out ist darum schon lange keine reine Manager-Krankheit mehr. Wobei: Sind Mütter nicht eben auch als Manager gefordert? Zumindest dürften viele sich so empfinden. Dana zeigt immer noch Stolz auf ihre Fähigkeiten als lebender Terminkalender.
 
Den Film in der Mediathek ansehen

 

 
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