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TV-Kritik: "Masada": Eher Melo als Krimi

Von Der Tod eines Archäologen in der Festung Masada gibt der Polizei Rätsel auf. Der Vater des Toten wird in Israel als Entdecker Masadas verehrt.
Avram Salzman (Michael Degen), ein in Israel gefeierter Archäologe,  findet Trost bei seinem tiefreligiösen Sohn Elia (Yigael Sachs, l.). Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Avram Salzman (Michael Degen), ein in Israel gefeierter Archäologe, findet Trost bei seinem tiefreligiösen Sohn Elia (Yigael Sachs, l.).

Die Festung Masada gilt in Israel als Symbol des jüdischen Freiheitswillens: Dort wählten im Jahr 74 nach Christus gemäß den Angaben des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus ("Der jüdische Krieg") rund 960 Menschen lieber den Freitod, als sich den Römern zu ergeben. Die zehnte Legion hatte Masada, das rund 100 Jahre zuvor unter Herodes erbaut worden war, zuvor über Monate vergeblich belagert. Hollywood verarbeitete den Kampf um Masada im Jahr 1981 in einer Mini-Serie, die als Kinofilm zusammengefasst in Deutschland in die Kinos kam.

Ein höchst reizvolles Thema also, um es in der Tel Aviv-Krimireihe zu verarbeiten: Eine Explosion auf dem Festungsgelände tötet Aaron Salzmann Guy Zu-Aretz), Sohn des Masada-Entdeckers Avram Salzmann (Michael Degen). Die Polizei vermutet einen Terror-Anschlag, bis sich herausstellt, dass der Tote zuvor niedergeschlagen wurde. Es gibt einige Verdächtige: Aaron Salzmann führte ein loses Leben mit Freundinnen, darunter einer tiefreligiösen Jüdin, die von ihm ein Kind erwartet.

Der Bruder als Konkurrent

Sein Bruder Elia (Yigael Sachs), ein orthodoxer Jude, hasste Aaron, den sein Vater bei jeder Gelegenheit bevorzugte. Die Fahnder Sara Stein (Katharina Lorenz) und Jakoov Blok (Samuel Finzi) finden zudem schnell heraus, dass Aaaron Salzmann und sein Assistent Philippe (Iftach Ophir) einen schwunghaften Handel mit antiken Fundstücken betrieben. Während sie der Lösung des Falles allmählich näherkommen, findet Sara Stein, Deutsche mit jüdischen Wurzeln, auch etwas Wichtiges über ihre Herkunft heraus.

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Der dritte Tel Aviv-Krimi – nach "Tod in Berlin" und "Shiv’a" – lebt besonders von den eindrucksvollen Aufnahmen aus der Felsenfestung und dem exotischen Kolorit. Die Geschichte der Festung, die in Wirklichkeit bereits im Jahr 1838 von den Amerikanern Edward Robinson und E. Smith entdeckt wurde, spielt denn auch eine wichtige Rolle, ebenso wie Avram Salzmanns Vergangenheit als Überlebender der Shoa und des Warschauer Aufstands.

Michael Degen trägt den Film

Salzmanns und Sara Steins Vergangenheit führen zu vielen bewegenden Momenten. Als Kriminalfilm hinterlässt "Masada" aber einen zwiespältigen Eindruck. Der eigentliche Schurke ist der tote Aaaron Salzmann, und der stirbt gleich zu Anfang. Philippe spielt eine zu kleine Rolle, um wirklich Eindruck zu hinterlassen. So ruht die Geschichte im Wesentlichen auf den Schultern von Michael Degen, um dessen Filmcharakter die Frage entsteht, ob der Vater beim Tod seines Sohnes eine Rolle spielte.

Die Auflösung überzeugt zwar, besonders weil Degen – der die NS-Zeit auch selbst noch erlebte und seine Vergangenheit unter dem verfilmten Titel "Nicht alle waren Mörder" niederschrieb – seine Rolle als Shoa-Überlebender sehr glaubhaft und authentisch spielt.  Der Schluss passt aber auch durch Sara Steins Vergangenheit eher zu einem handfesten Melodram als einem richtigen Kriminalfilm.

Wenig nachvollziehbar ist der Anfang des Films gestaltet: Kein Film sollte hochriskante Fahrweise als fröhlichen Spaß inszenieren. Der nächste Tel Aviv-Krimi "Alte Freunde" nächste Woche führt die Reihe fort.

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