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TV-Kritik: "Mein täglich Brot": So kämpft Frankfurt

Von Wie ein Bauernhof im Badischen und die älteste Bäckerei der Mainmetropole mit guter Handarbeit überleben wollen.
Verena Gangel führt mit ihrem Lebensgefährten die älteste Bäckerei Frankfurts weiter, die sich seit dem Jahr 1860 in Familienhand befindet. Foto: Günter Handwerker Verena Gangel führt mit ihrem Lebensgefährten die älteste Bäckerei Frankfurts weiter, die sich seit dem Jahr 1860 in Familienhand befindet.
Handwerksbetriebe, seit Generationen in der gleichen Hand: Das hat auf den ersten Blick schon etwas Romantisches, besonders, wenn es sich dabei noch um einen landwirtschaftlichen Betrieb handelt. Aber die Realität sieht oft sehr viel düsterer aus: Andreas Schleicher, der den Längentalhof in Dauchingen (Baden-Württemberg) betreibt, kann ein Lied davon singen. Sein Arbeitstag hat 15 Stunden, und das sieben Tage die Woche. Und der Lohn dafür: Jeden Monat häuft er mittlerweile Schulden in Höhe von 4000 Euro an. Mittlerweile belaufen sie sich auf 72. 000 Euro.
 
Der Fall der Michquote ließ den Milchpreis rapide sinken und droht ihm und anderen Milchbauern, das Genick zu brechen. Es wird schwierig: Seine Geschwister, die etwas anderes gelernt haben, stehen finanziell weit besser da. Schleicher würde einen Milchpreis von 50 Cent pro Liter benötigen - rund das Doppelte dessen, was momentan gezahlt wird - um wieder wirtschaftlich arbeiten zu können. Er hat viel Geld in einen Stall investiert, in dem er die Kühe artgerecht halten kann. Seine Tiere kennt er mit Namen und ihren Marotten.
 

Schulden als Lohn

 
Die hohe Belastung zerrt jedoch an den Nerven, wie man seiner Frau deutlich anmerkt. Seine Eltern arbeiten noch mit, was die Kosten senkt, und durch Verkauf im hofeigenen Laden kommt ebenfalls Geld rein. Nur leider nicht genug. Da haben es die Gangels schon deutlich besser. Die Bäckerei Gangel im Frankfurter Stadtteil Kalbach existiert seit dem Jahr 1860 und stellt die älteste Bäckerei der Mainmetropole dar. Die 37jährige Verena, die den Familienbetrieb übernommen hat, wollte ursprünglich Architektin werden.
 
Das zeichnerische Talent brachte sie mit. Doch statt Handarbeit verlief ihre Arbeit überwiegend am Computer, wie sie während eines Praktikums feststellte. Das reichte ihr nicht, sie wollte Handarbeit leisten. Und wenn man sieht, wie schnell und gleichzeitig formschön sie Erdbeeren auf eine Buttercremetorte legt, weiß man, dass sie ihre Berufung gefunden hat. Auch eine Bäckerei aber fordert höchsten Einsatz. Um zwei Uhr in der Frühe fangen die Öfen an zu rauchen. In der Bäckerei Gangel kommen keine tiefgefrorenen  Backlinge in die Theke, hier wird noch alles von Hand zubereitet.
 

Keiner will mehr Bäcker werden

 
Die Kunden wissen das zu schätzen. Auch bemühen sich Verena und Miguel, ihr Lebensgefährte, Außenstehenden den Wert der Nachhaltigkeit zu vermitteln – so durch den Besuch einer Kinderschar in der Bäckerei. Persönlicher Einsatz und der Kontakt zum Kunden ist gefragt. Das Problem der Gangels: Es fehlt an Nachwuchs. Die heiße Arbeit am Ofen, das frühe Aufstehen, der überschaubare Verdienst schrecken Lehrlinge ab.
 
Und der Druck der Konkurrenz wird nicht geringer. Großbäckereien, Supermärkte, Back-Shops locken mit Billigpreisen zu Lasten der Qualität. Das gibt es bei Gangels nicht. Aber noch wissen sie nicht, ob ihre Kinder den Betrieb fortführen. Der Film zeichnet ein eindrucksvolles, aber speziell im Fall von Andreas Schleicher auch bedrückendes Bild. Wie vielen Zuschauern ist der Wert nachhaltig erzeugter Nahrungsmittel überhaupt bewusst? Könnte in der Bio-Welle eine Chance liegen?
 
Die ganze Sendung gibt es hier
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