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TV-Kritik: "Meta": Experiment gelungen, "Tatort" gut

Film im Film, Organisation Gehlen und "Taxi Driver": Der wilde Mix entwickelt überraschenderweise tatsächlich einen beachtlichen Sog.
Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Maschke) wollen im Haus des Drehbuchautors Koteas belastendes Material finden. Bild: rbb/Reiner Bajo Foto: (rbb Presse & Information) Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Maschke) wollen im Haus des Drehbuchautors Koteas belastendes Material finden. Bild: rbb/Reiner Bajo
Frankfurt. 

Wenn der "Tatort", bekanntermaßen unser aller liebstes Krimi-Format, ein Experiment riskiert, kann das so schräg werden, dass der ganze Film kippt wie bei "Im Schmerz geboren" aus Wiesbaden. Oder von Anfang bis Ende komplett in die Hose gehen wie bei "Wer bin ich", ebenfalls mit Ulrich Tukur als Kommissar Felix Murot. Aber mitunter kommt da tatsächlich auch ein ganz achtbares Ergebnis dabei heraus, so wie hier.

Das könnte auch daran liegen, dass diesmal nicht Murot als Versuchskaninchen herhalten muss, sondern das Berliner Duo Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). Es beginnt mit einem Päckchen, das den abgeschnittenen Finger einer jungen Frau enthält. Die Spur führt zu einem Lagerhaus, wo die Ermittler in einem gemieteten Raum auf einen mit Formaldehyd gefüllten Behälter stoßen. Der enthält die Leiche einer Kinderprostituierten mit verstümmeltem Finger.

Ein Mörder als Drehbuchautor?

Rubin und Karow ermitteln den Mieter des Raumes: eine Filmproduktionsfirma, die bislang nur einen einzigen Film gedreht hat: "Meta" erlebt gerade seine Premiere auf der aktuellen Berlinale. Regisseur Michael Schwarz (Isaak Dentler) gibt zu, das Drehbuch nicht selbst verfasst zu haben, sondern eine Geschichte von Peter Koteas (Simon Schwarz) verfilmt zu haben. In "Meta" geht es um den Mord an einer Prostituierten und zwei Fahndern, die den Mord aufklären wollen.

Die scheinbaren Parallelen zwischen Filmhandlung und Krimi-Realität treiben speziell Karow allmählich in den Wahnsinn. Von da an wird der Krimi richtig wild: Es entwickelt sich eine Räuberpistole, die immer heftiger zwischen dem Film und Karows Ermittlungen hin- und herspringt. Wobei allerdings von Anfang an klar wird, dass es sich auch nur um einen Film handelt: Schon während des "Tatort"-Vorspanns sind die Schatten von Kinobesuchern auf der Suche nach Sitzplätzen zu sehen.

Und es geht nicht nur um "Meta", sondern auch um die Organisation Gehlen und Martin Scorseses "Taxi Driver". Und im Wesentlichen um die erzählerische Kraft des Kinos an sich. Ist Karow tatsächlich eine Verschwörung auf der Spur oder verliert er den Verstand? Immer wilder springt die Geschichte zwischen den verschiedenen Erzählebenen, zwischen Film im Kino und Krimi-Realität, zwischen "Taxi Driver" und "Tatort-Kommissar hin und her. Dass sie im Vergleich zu dem ähnlich angelegten „Wer bin ich“ aber erheblich besser funktioniert, liegt einerseits daran, dass „Meta“ die Elemente ziemlich unangestrengt ineinanderfließen lässt.

Härte und Spannung funktionieren

Zumindest teilweise will „Meta“ dabei auch ein richtiger Thriller sein. So sind Regisseur Sebastian Marka doch etliche Szenen gelungen, die in ihrer Spannung oder Härte auch gut in einen konventionellen Krimi gepasst hätten. Auch in der Schauspielführung beweist Marka eine glückliche Hand: Mark  Waschke, als einsamer Großstadt-Wolf bisher eine eher eindimensionale Gestalt, agiert hier emotionaler, ohne komplett mit seiner früheren Erscheinung zu brechen.

Umso unverständlicher, dass Drehbuch und Regie die Gastschauspieler so stark vernachlässigt haben: Simon Schwarz und Stephan Grossmann kommen in ihren viel zu kleinen Rollen Rollen kaum zur Geltung. Als Experiment gehört dieser "Tatort" aus Berlin zwar eindeutig zu den gelungenen Beispielen. Aber auch hier gibt es noch Luft nach oben.

Sie finden den Film in der ARD-Mediathek

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