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TV-Kritik: "Miese Masche Kaffefahrt": Achtung, Abzocker!

So werden arglose Käufer um ihr Geld gebracht: Mit überteuertem Ramsch machen Betrüger märchenhafte Gewinne.
Ende einer Kaffeefahrt: Die nicht angemeldete und genehmigte Verkaufsveranstaltung in einer Gaststätte ist illegal und wird von der Polizei aufgelöst. Foto: Rainer Friedrich Ende einer Kaffeefahrt: Die nicht angemeldete und genehmigte Verkaufsveranstaltung in einer Gaststätte ist illegal und wird von der Polizei aufgelöst.
Die Doku verdeutlicht es: Die Masche für Kaffeefahrten ist seit langem erfolgreich, die Methoden darum immer gleich: Stets flattern Ahnungslosen Einladungen ins Haus, in denen ihnen üppige Gewinne versprochen werden. Mal hohe Geldbeträge, dann wieder ein E-Bike oder Fresspakete. Mit dem Bus werden die Teilnehmer dann stundenlang durch die Gegend gekarrt und meistens weit draußen auf einsam gelegenen Gasthöfen abgeladen. Und dann beginnt der eigentliche Zweck der Fahrt – eine Verkaufsveranstaltung, in denen Waren zu sensationell günstigen Preisen zum Verkauf kommt.
 
Zumindest soll der ahnungslose Käufer das denken. Stets präsentieren Verkäufer dabei gefälschte oder schlichtweg erfundene "Studien", welche die gesundheitlichen Vorteile der magnetischen Matratzen oder der besonderen Nahrungsergänzungsmittel beweisen sollen. Manchmal kommen auch Kochsets oder Kästen mit echt goldenem Besteck ins Angebot der Veranstalter. Die Verkäufer arbeiten dabei mit allen emotionalen Tricks: Gerne erzählen sie mit tränenerstickter Stimme rührselige Geschichten etwa von der Mutter, die an Krebs verstorben wäre. Einer Erkrankungn, die man heute mit speziellen Magnet-Matratzen verhindern könne.
 

Was die "Sonderangebote" wirklich wert sind

 
In solchen Geschichten schwingt natürlich immer noch ein Hauch von Drohung mit – und nicht jeder ist dieser Art Nötigung gewachsen und kauft. Die Preise, die er für die Ware zahlt – und dabei handelt es sich immer um extrem überteuerten Ramsch! - liegt weit über dem Marktüblichen. Die Gewinnspannen sind märchenhaft: Für zwei Matratzen samt Kissen und Decken bezahlte etwa Inge Roggendorf, eine in der Doku vorgestellte Rentnerin, satte 3600 Euro. "Das sind wirklich ganz tolle Matratzen" sagt sie überzeugt vor der Kamera.
 
Ulrich Gaupp, Sachverständiger, Experte für Schlafsysteme und einst im Beirat der Stiftung Warentest, nimmt Matratze und Bezug genauer unter die Lupe und kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Matratze besteht aus einem preiswerten Materialmix, der Bezug ist nur eine Standard-Ausführung. Wert: Höchstens 250 Euro. Dabei bezahlte Inge Roggendorf allein für die Matratze schon 1100 Euro. Inge Roggendorf ließ sich auf dem Prickingshof beschwatzen, einem bäuerlichen Erlebnishof, der mittlerweile aber für die Zusammenarbeit mit Veranstaltern von Kaffeefahrten berüchtigt ist.

 
Die Betrüger sind schwer zu fassen

 
Es ist schwierig, die Betrüger wirklich zu fassen: Oft geben sie nicht existente Homepages oder feste Adressen an oder Niederlassungen im Ausland, was die Arbeit für Polizei und Staatsanwaltschaft erheblich erschwert. Bernhard Stitz, Hauptkommissar a.D., hat der Kaffeefahrten-Mafia den Kampf angesagt, seit seine eigene  Mutter zum Opfer der Betrüger wurde. Ingo Schwarz ist im bayerischen Freising amtlicher "Kaffeefahrten-Jäger". Er hat es mit viel persönlichem Einsatz geschafft, dass Anbieter von Kefhrten die Gégend meiden.
 
Die Dokumentation zeigt die Methoden der kriminellen Netzwerke sehr anschaulich. Man gewinnt dabei aber auch den Eindruck, die Politik wäre nicht wirklich an dem Problem interessiert. Ein Gesetzentwurf wartet seit langem auf Umsetzung, damit befasste Politiker äußern sich nicht. Umso wichtiger ist es, Senioren vor diesen Veranstaltungen zu warnen. Und umso unverständlicher, dass das ZDF diese hervorragende Dokumentation erst um kurz vor 23 Uhr ins Programm genommen hat.

Die ganze Dokumentation gibt es hier
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