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TV-Kritik: "Mitgehangen": Starker Kölner Sonntagskrimi

Von Was geht in Frau und Sohn vor, wenn der Vater unter Mordverdacht gerät? Der neue "Tatort" fesselt als aufwühlendes Familiendrama.
Katrin Grevel (Lavinia Wilson) und ihr Mann Matthes (Moritz Grove) haben zwei Kinder und führen einen Reifenhandel als Familienbetrieb.  Bild: WDR/Thomas Kost Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Katrin Grevel (Lavinia Wilson) und ihr Mann Matthes (Moritz Grove) haben zwei Kinder und führen einen Reifenhandel als Familienbetrieb. Bild: WDR/Thomas Kost

Immer dumm, wenn der Tote im Krimi ein ausgemachter Widerling war. Weil es dann entweder ziemlich viele Verdächtige gibt. Oder Täter ziemlich schnell feststeht, zumindest für Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt): Der ermordete Florin Baciu war Mitinhaber des Reifenhandels Grevel, dem er aufgrund seiner Kontakte in die PS-und Tuningszene viele ausgabefreudige Kunden zuführte.

Aber zugleich machte er sich an die Tochter von Reifenhändlers Matthes Grevel (Moritz Grove) und dessen Ehefrau Katrin (Lavina Wilson heran und montierte Katrins Kopf per Fotomontage auf Bilder von Frauen in sadomasochistischer Pose. Auch mit unsauberen Geschäften hatte er wohl zu tun. Als nähere Untersuchungen ergeben, dass Baciu in Grevels Betrieb erschossen wurde, steht für Ballauf Grevel als Täter fest.

Ermittlungsmethoden mit zweifelhaftem Erfolg

Sein Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär), diesmal im schicken Opel Diplomat A V8 unterwegs,  ist sich da bei weitem nicht so sicher. Er versucht entsprechend, Ballauf zu bremsen, der sich in seinen Ermittlungsmethoden zunehmend aggressiv gebärdet. Und es verursacht ihm höchstes Unbehagen, wenn Ballauf Grevel durch ein abgehörtes Gespräch mit dessen Sohn Simon (Alvar Goetze) immer stärker in die Enge treibt. Obwohl er damit Erfolg zu haben scheint.

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Der neue Kölner Sonntagskrimi zeigt aber gleich zu Anfang, welche Folgen das haben wird. "Weichgekocht!" faucht Schenk seinen Kollegen an, als sie vor der offenen Tür der Zelle stehen, in der Grevel sich am Fenstergitter erhängt hat. Und später in quälend intensiven Einstellungen Katrins Zusammenbruch, als Ballauf und Schenk ihr den Selbstmord ihres Mannes beibringen müssen.

Eine Familie im Visier der Polizei

Überhaupt sind es hier die Szenen von der Verunsicherung einer Familie, als der Vater unter Tötungsverdacht gerät, die sich besonders ins Gedächtnis eingraben. Wenn plötzlich Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür steht und alles mitnehmen, öffnen, durcheinanderwühlen darf.

Oder Sohn Simon (Alvar Goetze), der bislang zum Fechten oder mit seinem Vater fischen ging und eine Freundin hat, sich seinen Zweifeln stellen muss.  Oder sich Matthes Grevel verzweifelt bemüht, während eines Treffens mit seiner Frau in einer Besucherzelle im Gefängnis mit ihr zu schlafen. Ein Moment von bedrückender Intimität.

Ballaufs plötzliche Schwimmbegeisterung wirkt verglichen damit eher behelfsmäßig: Sie lenkt von der Familie als eigentlichem Spannungsfaktor ab. Ein Schwachpunkt, aber nur ein kleiner. "Mitgehangen" überzeugt durch sein Personengeflecht, die inklusive Alvar Goetze bestens besetzte Familie Grevel und eine überraschende Auflösung: eine solide Sache und auf jeden Fall einer der stärkeren Fälle aus Köln.

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