Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

TV-Kritik: "Mord auf Shetland": Es kann nur besser werden

Von Ein wichtiges Rätsel des Films bleibt ungelöst: Wie findet diese als Krimi getarnte Schlaftablette so viele Zuschauer?
Detective Inspector Jimmy Perez (Douglas Henshall) untersucht auf den Shetlandinseln im Nordatlantik den Mord an der alten Mima Wilson. Foto: ARD Degeto/ITV Studios Detective Inspector Jimmy Perez (Douglas Henshall) untersucht auf den Shetlandinseln im Nordatlantik den Mord an der alten Mima Wilson.
Nein, mit der neuen internationalen Krimi-Reihe der ARD (angesiedelt bisher in Bozen, Berlin, Athen, Tel Aviv und Urbino) hat "Mord auf Shetland - Im kalten Licht des Frühlings" nichts zu tun. Obwohl es dazu gepasst hätte, ein möglichst weites Gebiet krimimäßig abzudecken. Der Film ist allerdings eine BBC-Produktion und basiert wie seine Fortsetzungen auf den Romanen der britischen Autorin Ann Cleeves. In England sind Cleeves Bücher wie auch die Verfilmungen recht erfolgreich: Die Filme finden rund sechs Millionen Zuschauer.
 
Wird sich dieser Erfolg in Deutschland wiederholen? Das darf selbst bei großem Wohlwollen bezweifelt werden. Der Anfang der Reihe um Kommissar Jimmy Perez (Douglas Henshall) geriet reichlich müde. Es beginnt mit dem Mord an der alten Mima Wilson (Sandra Voe). Ihr Enkel, Polizist Sandy Wilson (Steven Robertson), findet ihre Leiche und alarmiert Perez, seinen Vorgesetzten. Als Perez das Umfeld der Toten untersucht, stößt er in den miteinander verbundenen Familien Wilson und Haldane auf eine ungelöste Vergangenheit.

Verbindung zum historischen "Shetland Bus"

Die Trauer um die Tote hält sich sowohl bei ihrem Sohn Joseph (Alexander Morton) als auch bei ihrer wohlhabenden Verwandten Jackie (Lindy Whiteford) in Grenzen. Möglicherweise hat sie ihr dem Suff verfallene Großneffe Ronald (Jim Sturgeon) versehentlich erschossen, aber auch bei ihrem Sohn ergeben sich Verdachtsmomente. Auf ihrem Grundstück wurde ein menschlicher Schädel gefunden: Die Archäologin Hattie James (Gemma Chan) und ihr Leiter Professor Paul Berglund (Martin Wenner) wissen aber noch nicht, aus welcher Zeit der Schädel stammt.
 
Eine Spur führt zurück zum historischen "Shetland Bus", einer Verbindungsroute von den Shetland Inseln zum Widerstand in das von den Nazis besetzte Norwegen während des Zweiten Weltkriegs, und einem Drama um Eifersucht und unterschlagenes Geld aus dieser Zeit, in das Mima und ein Norweger verwickelt waren. Eine spannende Hintergrundgeschichte - doch die macht leider längst noch keinen spannenden Film daraus. Der Film leidet alleine schon unter seiner erzählerischen Struktur.

Extrem dialoglastig

Ewig lange klappert Perez die einzelnen Familienmitglieder ab und fragt sie aus. Dabei reiht die Geschichte schier endlos einen Dialog an den nächsten. Es gibt kaum Wendungen. Die Dialoge selbst sind rein funktionell und auch der gestalterische Ehrgeiz von Regie und Kamera hält sich sehr in Grenzen, was besonders die ersten 45 Minuten zu einer ziemlich einschläfernden Angelegenheit macht. Erst mit Hatties Verschwinden kommt mal etwas Thrill hinein - die Aufregung bleibt dennoch überschaubar.
 
Der größte Teil der Spannung liegt nämlich in einer Vergangenheit aus dem Zweiten Weltkrieg, die der Film ausschließlich verbal vermittelt. Erst gegen Ende, das sich vor dem Hintergrund einer uninspiriert gefilmten lokalen Folklore abspielt, bewahrt der Krimi seine Zuschauer dann noch halbwegs vor dem Entschlummern. Zu wenig aber, um den Film noch zu retten: Auch die lustlos agierenden und monoton synchronisierten Schauspieler können nicht überzeugen. Und Küstenlandschaften kennt man schon aus "Der Kommissar und das Meer".
 
Auf Shetland sieht das zwar noch etwas anders aus, der Film unternimmt aber keine Anstrengungen, die Gegend in die Handlung einzubeziehen. Dazu kommt eine blasse Hauptfigur. Perez ist Witwer mit Stieftochter in einer konventionell gespannten Vater-Sohn-Beziehung. Dankenswerterweise ohne Macken und Trauma, aber leider auch ohne besondere Eigenschaften oder eine Romanze, die ein wenig Interesse an ihm wecken könnte. Warum die erste Episode den geschwollenen Titel "Im kalten Licht des Frühlings" tragen muss, erschließt sich auch nur bedingt. Für weitere Folgen der Reihe gilt somit: Es kann nur besser werden.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse