Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

TV-Kritik: "Muttertag": Dieser "Polizeiruf" ist ein Treffer!

Eine genial einfache Geschichte mit berührenden Szenen und eine großartige Ulrike Krumbiegel machen diesen "Polizeiruf 110" höchst sehenswert.
Kommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, li.) will von Enrico Schoppe (Anton Spieker, Mitte) und dessen Mutter Heidi (Ulrike Krumbiegel) wissen, in welcher Beziehung Enrico zu der vermisst gemeldeten Sabrina Uhl stand. Foto: rbb/Oliver Feist Kommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, li.) will von Enrico Schoppe (Anton Spieker, Mitte) und dessen Mutter Heidi (Ulrike Krumbiegel) wissen, in welcher Beziehung Enrico zu der vermisst gemeldeten Sabrina Uhl stand.
Es gibt diese Art von Geschichten, die sind eigentlich ganz simpel und gerade dadurch so clever. So wie dieser "Polizeiruf 110", der "Muttertag" heißt, an einem Muttertag gesendet wird und dazu auch noch von zwei Müttern handelt: Einmal von Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon), die ihr Töchterchen gerne aus dem Sinn hätte, weil sie sich mit voller Kraft um einen Mordfall kümmern will.
 
Aber vor allem von Heidi Schoppe (Ulrike Krumbiegel), die sich gezwungen sieht, bei ihrem Sohn Enrico (Anton Spieker) genauer hinzuschauen. Am Anfang ist da die Leiche eines polnischen Kleinunternehmers, der neben seiner Familie noch eine Liebschaft zu Sabrina Uhl aus Wüsterow im benachbarten Brandenburg unterhielt. Offensichtlich wurde er auch erpresst.

Was die Mutter nicht sehen will

Von der jungen Frau fehlt aber jede Spur. Lenski und ihr Kollege treffen stattdessen auf ihre Mutter Liane (Kathleen Gallego Zapata), deren beste Freundin Heidi Schoppe (Ulrike Krumbiegel) und deren Sohn Enrico (Anton Spieker). Der Sohn ist unbeholfen und arbeitslos und das Leben seiner Mutter ist damit ausgefüllt, putzen zu gehen und sich um ihn zu kümmern.
 
Es gibt diese Art von Krimi, wo in einem Dorf – meistens einem Kaff am Ende der Welt wie eben Wüsterow - jeder einen ganz bestimmten Einwohner, der in Wirklichkeit unschuldig ist, für den Täter hält. "Muttertag" dreht dieses Motiv in gewisser Weise um: Alles deutet darauf, dass Enrico der Mörder ist, aber die Einzige, die das nicht sehen will, ist seine Mutter Heidi.

Der Sohn, das große Sorgenkind

Es gibt kein Rätselraten und keine falschen Verdächtigen in dieser Geschichte. Hier dreht sich alles um Heidi Schoppe, die sich darum kümmern muss, dass ihr Sohn, der von jedem getreten und abgekanzelt wird, bei einem Vorstellungsgespräch noch einen halbwegs ordentlichen Eindruck hinterlässt. Und darum, wie sie erkennt, dass ihr Sohn ihr nicht die Wahrheit gesagt hat.
 
Seine Geschichten und das, was ihr die Polizei erzählt, passen nicht zusammen. Der Prozess dieses Erkennens ist unglaublich spannend, dank präziser Szenen und einer als Mutter überaus präsenten Ulrike Krumbiegel. Dieser bisweilen leicht zurückgeblieben wirkende Junge, von Anton Spieker mit überzeugend unbeholfenen Bewegungen gespielt, hatte auch Gefühle.

Die Wut des verlachten Außenseiters

Da waren Verliebtheit, Wünsche nach Zärtlichkeiten, Eifersucht, und damit umgehen konnte er nicht. Vielleicht, weil er als Mann nie wirklich ernstgenommen wurde. Selten hat ein Krimi am Sonntagabend Gesellschaftskritik intelligenter verpackt. Man kann hier wirklich viel hineininterpretieren. Regisseur Eoin Moore (auch Drehbuch zusammen mit Anika Wangard) belässt es klugerweise bei Andeutungen.

Dass der kriminologische Teil im Vergleich dazu etwas mit heißer Nadel gestrickt wirkt – ein roter Mantel als Beweisstück gerät hier schon sehr zufällig in die Hände der Polizei – und das Drumherum zwischen Olga Lenski und ihrem Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) auch eher überflüssig erscheint: Wen schert das, solange der Kern der Geschichte so hervorragend funktioniert und die Optik zu schön trist rüberkommt.

Die Sendung in der ARD-Mediathek ansehen.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse