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"Nachbarn": Sex und Tod in fröhlicher Idylle

Von Der neue Kölner "Tatort" setzt auf eine verzwickte Nachbarschaftsgeschichte. Was daran nicht ganz funktionierte und warum der Krimi dennoch überzeugte.
Zwischen Anne (Birge Schade) und Frank Möbius (Stephan Grossmann) herrscht dicke Luft: Anne gießt ihrem Mann beim Frühstück Milch über den Kopf. Foto: WDR/Martin Menke Zwischen Anne (Birge Schade) und Frank Möbius (Stephan Grossmann) herrscht dicke Luft: Anne gießt ihrem Mann beim Frühstück Milch über den Kopf.

Am Anfang scheint noch alles in Butter. Minutenlang Party-Stimmung mit Regnendem Konfetti bei Jens Scholten (Florian Panzner) und ein angesichts sportlicher Leistungen eines Kindes jubelnder Leo Voigt (Werner Wölbern).  Wenn Leos Stieftochter Sandra Voigt (Claudia Eisinger) Wäsche aufhängt, wirkt das wie aus einer Waschmittel-Reklame der siebziger Jahre. Und darüber noch Pharrell Williams‘ Ohrwurm "Happy": Das riecht geradezu nach einer nahenden Katastrophe.
 
Schließlich setzt Regisseur Torsten C. Fischer hier Zeitlupeneffekte ein, und da fühlt man sich an den Anfang von David Lynchs Psycho-Schocker "Blue Velvet" erinnert. Die Leiche fällt denn auch gleich darauf von einer Brücke vor einen nahenden LKW. Es handelt sich um Werner Holtkamp (Uwe Freyer), der auch in der Reihenhaus-Siedlung lebte. Es sollte wohl nach einem Selbstmord aussehen, aber Gerichtsmediziner Jeseph Roth (Joe Bausch) stellt schnell fest, dass Holtkamp schon einige Stunden tot war, als der LKW ihn überrollte.
 

Super: Birgit Schade als frustriertes Vollweib

 
Todesursache war ein heftiger Schlag auf den Kopf. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) rücken also an, um unter Holtkamps Nachbarn nach möglichen Mordmotiven zu suchen. Da gab es einmal einen Streit mit Voigt. Da gibt es Anne Möbius, von Birgit Schade hinreißend als sinnlich-laszives Vollweib verkörpert, und viel dicke Luft im Verhältnis zu ihrem Mann Frank (Stephan Grossmann). Und da stoßen die Ermittler schließlich auf eine uralte Geschichte mit üppig gezahltem Schweigegeld und sorgsam vertuschten Verwandtschaftsverhältnissen.
 
Kein Rennen, kein Schießen und kaum Großstadtluft diesmal: So teutonisch bieder war der Kölner "Tatort", sonst schon durch Freddys US-Autos immer leicht amerikanisch inspiriert, schon lange nicht mehr. Selbst Freddys Oldtimer passt perfekt hierher: Statt dickem Ami-Schlitten fährt er diesmal einen unauffälligen Ford Turnier. Statt Dramatik gibt es reichlich Dialog, was die Geschichte phasenweise recht zäh gestaltet. Wenn der Film dann auch noch Freddys private Probleme mit seinem Nachbarn kurz einblendet, tritt die Geschichte nur noch auf der Stelle.
 

Cornflakes und Milch als Waffen

 
Eine handfeste Auseinandersetzung mit Cornflakes und Milch beim Frühstück stellt da schon einen echten Action-Höhepunkt dar. Und doch lohnt es sich dranzubleiben. Das Drehbuch zögert die Aufdeckung des Täters nämlich clever bis ganz zum Schluss hinaus und versetzt den Hintergrund mit einem kräftigen Schuss Tragik. Werner Wölbern kann zudem als zärtlich besorgte und seine Stieftochter mit allen Mitteln beschützende Vaterfigur ordentlich punkten.
 
Irritierend wirken indessen die letzten Minuten mit Wiederholungen aus den Anfangsminuten und dem Papagei von Freddy Schenks Nachbar: Das sieht ein wenig danach aus, als wäre den Machern grad nichts Besseres eingefallen. Dennoch, dank seiner starken Kerngeschichte und der mit Schade, Grossmann und Panzner ideal besetzten Nebenrollen ist "Nachbarn" zwar kein Höhepunkt, aber bestimmt einer der besseren Fälle aus Köln.
 
Der "Tatort" in der Mediathek


 
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