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TV-Kritik: "Nachtdienst": Hier spielt ein Heim die Hauptrolle

Von Die Handlung kann nicht wirklich befriedigen. Aber die Atmosphäre in diesem "Polizeiruf 110" aus München lässt einen frösteln.
Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, rechts) will die Spurensicherung im Johannishof. Links von ihm Herr Toprak (Günter Spörrle). Foto: (WDR Presse und Information/Bildk) Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, rechts) will die Spurensicherung im Johannishof. Links von ihm Herr Toprak (Günter Spörrle).
Das ist kein Sonntagabend-Krimi wie andere. Normalerweise geht es dort um Verstrickungen, um Leidenschaften, um Hass, Rache, Verbrechen über mehrere Bande hinweg. Da stehen Charaktere und ihre Schauspieler im Mittelpunkt. Anders in diesem "Polizeiruf": Hier hat ein Altenheim die eigentliche Hauptrolle übernommen. Es verursacht Gänsehaut, wenn Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) diese dunklen Gänge entlangschleicht, die Kamera im Nacken.
 
Hier ist Endstation, in diesem düsteren Licht, diesen kahlen Wegen ins ewige Dunkel. Hier kämpfen Pfleger mit Übernächtigung, Arbeitsüberlastung, ihren privaten Problemen. Hier summen in einer Tour die Klingeln, hier wird gestöhnt, geröchelt und gestorben, und das oft genug einsam und allein. Einmal ist Meuffels zufällig dabei, als ein alter Mann sein Leben aushaucht. Er hält ihm die Hand dabei.

Sterben hautnah herangeholt


So knallhart, so ungeschminkt hat ein Sonntagabendkrimi das Sterben und den Tod als etwas Alltägliches noch nie gezeigt. Nach dem Totenbett kommen nur noch der Sarg und die Träger. Aber es beginnt mit einer geistig verwirrten alten Frau, Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz). Die Demenzkranke könnte einen Mord beobachtet haben. Hanns von Meuffels, der zufällig bei ihrem Eintreffen vor dem Kommissariat eine Zigarette raucht, nimmt sich ihrer an.

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Und fährt sie zu einer glanzvollen Villa, in der sie aber nicht mehr zuhause ist. Sie lebt im Pflegeheim Johannishof. Und dort kam tatsächlich kurz zuvor einer der Bewohner zu Tode, ein gewisser Herr Urban. Er wäre aber nur eben unglücklich gestürzt, wie das bei alten Menschen halt nun mal vorkommt, bekommt von Meuffels versichert. Er glaubt es nicht: Da sind Blutspritzer auf einem Bild, die nicht zum geschilderten Unfallhergang passen.

Die Atmosphäre ist das Beste


Und später, als von Meuffels die Kollegen von der Spurensicherung eingeschaltet hat, offensichtlich weggewischt wurden. Meuffels lässt in dieser Nacht nicht locker und geht allen mächtig auf die Nerven. Die Pfleger Sebastian Kroll (Philipp Moog), Tscharlie Meier (Florian Karlheim) und Marija Abramovich (Marina Galic) haben ohnehin genug zu tun – und mitunter zu verbergen.

Regisseur Rainer Kaufmann setzt in dem "Polizeiruf" vor allem auf die Sinneseindrücke im Pflegeheim und erreicht damit eine oft zum Schneiden dicke morbide Atmosphäre, zumal fast die ganze Handlung dort spielt. Der eigentliche Fall tritt dabei mitunter in den Hintergrund, zumal der Tote nur ansatzweise an Kontur gewinnt. Die Glaubwürdigkeit leidet ein wenig unter der Fallkonstruktion, wenn von Meuffels alleine im Heim bleibt, die Pfleger nervt oder die kranke Elisabeth Strauß schüttelt.

Schwächen im Plot


Warum zu Beginn der Film erstmal rückwärts läuft, erschließt sich nicht zwingend. Wenn von Meuffels sich später dann auch noch selbst als alten Mann halluziniert – wobei er mit noch vollen dunklen Haaren eher verkatert als hinfällig rüberkommt – schrammt die Geschichte zudem leicht an einer Parodie entlang. Auch die Auflösung kann nicht befriedigen: Eine junge Pflegerin kann sich gegen einen zudringlichen alten Mann im Pflegeheim nicht anders wehren als durch einen tödlichen Schlag mit einer Karaffe?





Allerdings reißt der Schluss diese Schwächen wieder heraus. Der "Polizeiruf" wird dadurch zu einem Drama, in dem ein Ermittler durch seine erfolgreiche Fahndung eine Katastrophe auslöst, ähnlich wie die ZDF-Montagskrimis "Das Mädchen aus dem Totenmoor" oder "Ein Kommissar kehrt zurück". Und das macht er wirklich gut!



 
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