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TV-Kritik: "Natalie": Unter den Erwartung

Von "Ein starkes Team" bleibt im neuesten Fall weit hinter dem zurück, was die Geschichte hergegeben hätte. Woran es liegt.
Ben Kolberg (Kai Lentrodt, r.) ist hin- und hergerissen zwischen seiner Jugendliebe Nathalie (Peri Baumeister, l.) und seiner Ermittlungsarbeit als Polizist. Foto: ZDF/Katrin Knoke Ben Kolberg (Kai Lentrodt, r.) ist hin- und hergerissen zwischen seiner Jugendliebe Nathalie (Peri Baumeister, l.) und seiner Ermittlungsarbeit als Polizist.

So ein Schuss Melodramatik zwischen Ermittler und weiblicher Verdächtiger macht sich doch in einem Kriminalfilm  immer gut. Speziell im deutschen TV-Krimi, wo nahezu alle Polizisten einsame Wölfe sind, steht oft die Gefahr im Raum, dass sich ein Polizist mehr für eine Zeugin oder Kriminelle interessiert, als dem Fall und ihm selbst gut tut. Diesmal erwischt es Ben Kolberg (Kai Lentrodt) aus dem ZDF-Dauerbrenner „Ein starkes Team“. Kurz nachdem er mit seinen Kommissar-Kollegen Linnett Wachow (Stefanie Stappenbeck) und Otto Garber (Florian Martens) auf der Schießanlage eines Schützenvereins trainiert hat, überfällt eine dreiköpfige Bande den Betrieb. Linett und Otto sind schon gegangen.

 

Der Leiter der Anlage wird dabei erschossen, als er durch ein Versehen das Gesicht der am Überfall beteiligten Natalie (Peri Baumeister) zu sehen bekommt. Natalie, die Ben nach dem tödlichen Schuss würgend vor Entsetzen in der Toilette am Waschbecken beobachtet, ist ihm bekannt: Er war einst in sie verliebt, was er seinen Kollegen anschließend erst mal ebenso verschweigt wie Natalies Identität. Dafür nimmt er Kontakt zu ihr auf, mit weitreichenden Folgen: Das kriminelle Trio hat auf der Schießanlage Waffen geraubt, um sie bei einem geplanten Verbrechen einzusetzen. Die Polizei muss alle Hebel in Bewegung setzen, um hinter den Plan der Gangster zu kommen.

 

Schwachpunkt: Der Kern der Geschichte

 

Im Großen und Ganzen funktioniert der Fall selbst noch recht gut.  Das Drehbuch hält die Geschichte mit glaubwürdigen und gut gespielten Figuren wie einem betrügerischen Junkie und einem Gangster mit Spielsucht ganz ordentlich am Laufen. Dafür schwächelt aber massiv der Kern der Geschichte, das Verhältnis zwischen Natalie und Ben Kolberg. So ist Natalie als Charakter nicht stimmig gezeichnet. Einerseits etwa noch am Tag danach geschockt vom Tod des Leiters der Schießanlage, ist sie gleich darauf schon wieder verspielt und erotisch gestimmt im Umgang mit dem Mörder, wodurch sie erheblich an Sympathie verliert.

 

Und später behandelt die Geschichte ihre Beziehung mit Ben Kolberg nur als beinahe lästige und in erster Linie schnell abzuhakende Nebensache und keineswegs als den wichtigsten Bestandteil der Handlung. Als Kolberg ihr scheinbar zufällig auf der Straße begegnet, gehen sie erstmal in ein Bistro. Alles dauert nur Sekunden, ein paar Kameraschwenks genügen: Gläser klingen, ein wenig Gekicher, fertig. Die Vergangenheit der beiden miteinander, die man sich irgendwie viel komplizierter vorstellt, erschöpft sich in seichten und oberflächlichen Andeutungen.
 

Keine spürbare Erotik

 

Viel zu schnell und ohne glaubhafte Erotik dabei zu vermitteln landen die beiden anschließend miteinander im Bett. Peri Baumeister weckt deswegen eher Bedauern: Einerseits passt sie durch ihre Ausstrahlung zwar prinzipiell gut in die Rolle. Andererseits kann sie Natalie als Femme fatale zwischen eiskalter Berechnung und Schutzbedürftigkeit aufgrund der nachlässigen Behandlung durch Regie und Buch aber nicht wirklich als eine schillernde und spannende Figur herüberbringen.

 

Erst in den letzten zwanzig Minuten kommt das melodramatische Potential Natalies wirklich zum Tragen. Natalie bleibt darum in Erinnerung als eine Figur, deren Potential bei weitem nicht ausgereizt wurde. Schade drum um sie, um Peri Baumeister und eine Episode, die mit mehr Liebe zum Detail durchaus ein Glanzpunkt der Reihe hätte sein können.

 
"Natalie" in der ZDF-Mediathek

 

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