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TV-Kritik: "Nebelwand": Mutiges Mädchen mit dubioser Rolle

Die obdachlose Steffie (Hildegard Schroedter) taumelt aus dem brennenden Schiff, auf dem sie übernachtet hat. Ihr Rücken steht in Flammen. Foto: NDR Presse und Information Die obdachlose Steffie (Hildegard Schroedter) taumelt aus dem brennenden Schiff, auf dem sie übernachtet hat. Ihr Rücken steht in Flammen.

Unter den Fahndern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stellt Julia Thiel (Lisa Maria Potthoff) eine Ausnahme-Erscheinung dar. Schon durch ihre Familiengeschichte: Ihre Mutter Karin Lossow (Katrin Sass), einst Staatsanwältin,  hat ihren Vater erschossen und dafür Jahre im Gefängnis verbracht. Eine schwierige Familiengeschichte, die das Ermitteln nicht leichter macht. Auf Usedom gibt es viele, die über den Hintergrund Julia Thiels Bescheid wissen.

 

Der Hintergrund spielt auch hier eine Rolle. Es geht um eine Schiffshavarie, wobei Jahre zuvor ein Ehepaar ums Leben kam. Als Staatsanwältin war Karin Lossow für den Fall zuständig. Mittlerweile hat das daran beteiligte Schiff einen neuen Namen bekommen - unter abergläubischen Seeleuten gilt das als Unglücksbringer – und dient einem Verein, der gestrauchelten Jugendlichen maritime Grundkenntnisse vermitteln soll, als eine Art Schulschiff.

War die Helferin die Brandstifterin?

Doch dann brennt das Schiff nachts völlig aus. Eine Obdachlose, die auf dem Schiff übernachtet hat, erleidet schwere Verbrennungen. Die Spurensicherung stellt schnell fest, dass bei dem Feuer Brandbeschleuniger im Spiel war. Verdächtig dabei ist unter anderem die Jugendliche Simone Simmank (Lena Urzendowsky), die mit anderen ebenfalls am Schiff gearbeitet hat, aber als aggressive Außenseiterin in der Gruppe gilt. Sie war beim Feuer dabei und hat der obdachlosen Frau geholfen, wobei sie sich selbst Verbrennungen zuzog.

 

Simmank steht aber auch in Verbindung zu Jäckie (Oskar Bökelmann), einem Teenager, in den sich Julia Thiels Tochter Sophie (Emma Bading) verliebt hat. Der junge Mann erinnert Karin Lossow an das Schiffsunglück Jahre zuvor. Ist der Sohn des damals tödlich verunglückten Ehepaars zurückgekommen, um seine Eltern zu rächen?

Gelungene Klangkulisse

Es ist ein ziemlich starkes Stück Krimi, den Regisseur Andreas Herzog nach dem Drehbuch von Scarlett Kleint, Michael Illner und Alfred Roesler-Kleint inszeniert hat. Herzog experimentiert mit ausgesuchten Kamera-Blickwinkeln – oft aus der Vogelperspektive – und langen Einstellungen, was der Geschichte einen ruhigen, aber fesselnden Erzählfluss verleiht. Dabei macht Herzog guten Gebrauch von Musik und Geräuschkulissen.

 

Die stilisierte Bildsprache kontrastiert wirkungsvoll mit der betont alltagsnahen Atmosphäre, wobei die Figuren eine starke Rolle einnehmen. Schnell interessiert sich der Zuschauer nicht nur für die Aufklärung der Brandstiftung, sondern auch für die emotionalen Verstrickungen dahinter. Die einfühlsam porträtierten und unprätentiös gespielten Jugendlichen laden besonders zur Identifikation ein.

 

Schon der Anfang des Films weckt Erwartungen: Das verunglückte Ehepaar wird verpackt, Polizisten versuchen, den verzweifelten Sohn zu bändigen. Dann stürmen Julia Thiel und ihr Kollege Holm Brendel (Rainer Sellin) eine Lagerhalle. Erst nach einigen Minuten fällt das erste Wort. Etwas unangenehm wird es im weiteren Handlungsverlauf nur, wenn Herzog seinen Figuren einmal zu nahe auf die Pelle rückt als nötig: Es ist nicht nötig, jemanden auf der Toilette sitzend zu filmen.

Film verpasst? "Nebelwand" in der ARD-Mediathek

 

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