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TV-Kritik: "Neben der Spur – Todeswunsch": Was für ein Hammer!

Von Vergessen Sie "Tatort": Dieser Thriller ist wirklich ein Höhepunkt der laufenden Krimi-Saison. Verpassen Sie ihn nicht!
Hat Sina (Mala Emde) ihren Vater ermordet? Vieles deutet darauf hin, nicht nur ihr Auftritt vor dem Psychiater Johannes "Joe" Jessen. Foto: Marion von der Mehden Hat Sina (Mala Emde) ihren Vater ermordet? Vieles deutet darauf hin, nicht nur ihr Auftritt vor dem Psychiater Johannes "Joe" Jessen.
"Möglicherweise hat sie den Mord beobachtet. Oder…?"  Der Hamburger Psychiater Johannes "Joe" Jessen (Ulrich Noethen) befindet sich in einem großen Dilemma. Die frühreife Sina Martensen (Mala Emde), eine Freundin seiner Tochter Charlotte (Lily Liefers), steht unter dringendem Tatverdacht, ihren Vater ermordet zu haben. Ralf Martensen war einst Vorgesetzter von Chefin Ronnie Nielsen (Michaela Rosen), der Chefin des Polizisten Vincent Ruiz (Jürgen Maurer). Auf dem Bett des Mädchens sind Sperma-Spuren des Vaters.
 
Hat Martensen seine Tochter missbraucht? Auch die Aussagen von Sinas älterer Schwester (Gro Swantje Kohlhof) deuten in diese Richtung. Doch Jessen, dessen Frau Nora (Petra van de Voort) ein Kind erwartet, glaubt einfach nicht, dass die Freundin seiner Tochter wirklich eine Mörderin ist. Oder will er es nur einfach nicht glauben? Das frühreife Mädchen ist sich seiner Wirkung durchaus  bewusst. Sie spielt mit Jessen. Manipuliert sie ihn ebenso wie Jessen zu Beginn den Vergewaltiger? Oder hat das etwas mit dem Theater-Lehrer Gregort Engels (Fritz Karl) zu tun, der auf seine Schülerinnen offenbar eine magnetische Ausstrahlung hat?
 

So stark wie der Auftakt

Ach, wäre doch Johannes Jessen kein Psychiater und von dem australischen Autor Michael Robotham erfunden. Wäre er doch stattdessen "Tatort"-Kommissar und hätte 24 Stunden zuvor im "Taxi nach Leipzig" gesessen: Man kann sich nur vorstellen, was für ein geniales Krimi-Stück zum 1000. "Tatort"-Jubiläum da herausgekommen wäre. "Todeswunsch" ist der dritte ZDF-Montagskrimi nach Robothams Romanen. Nach dem herausragenden Auftakt "Adrenalin“ fiel der zweite Beitrag "Amnesie" doch etwas ab. Der Zuschauer musste schon befürchten, dass es der Reihe ähnlich ergehen würde wie Krimi-Heldin Helen Dorn: Super angefangen und dann stark nachgelassen.
 
Aber, oh Wunder: Hier passt mal wirklich alles! Die Geschichte entwickelt sofort eine enorme Sogwirkung. Die Charaktere sind schön vielschichtig angelegt. Dabei sorgt besonders die Hass-Freundschaft zwischen Jessen und Ruiz immer wieder für ironische Zwischentöne, ohne dass aber der Film sich wie "Nur 48 Stunden" und seine Epigonen zu einem Kumpel-Film entwickelt.  Und das trotz der fein fiesen Dialoge, die sich auf einem durchweg hohen Niveau bewegen. Wie übrigens auch die Bildsprache des Films, die sich durchweg effektsicher, aber keineswegs gewollt künstlerisch gibt.
 

Auch schauspielerisch erste Sahne

Die geschickte Verwendung von Musik und Geräuschen passt da ebenso dazu wie die perfekte Besetzung. Ulrich Noethen der manipulative Psychiater, der schon in der Eingangssequenz eine Kostprobe seines Könnens geben darf, Jürgen Maurer als sein verächtlicher und immer wieder auch heimlich sorgender Gegenpart Vincent Ruiz sind nicht nur die halbe Miete, sondern schon eine Nummer für sich. Das Duo könnte man sich in komödiantischerer Ausführung sogar als Don Camillo und Peppone vorstellen.
 
Und wer könnte einen Typen wie Gregor Engels mit seiner Wirkung auf allzu junge Mädchen besser verkörpern als Fritz Karl? Wenn es abgründige Typen und Lebemänner geht, ist Fritz Karl einfach immer eine sichere Bank. Auch Mala Emde als Sina gibt eine Glanzvorstellung. Ebenso wie die Robotham-Verfilmungen, wenn es um spannende Krimis geht. Das beweist dieser Film sehr eindrücklich.
 
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