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"Nur nicht aufregen": Sozialkritik vom Star-Regisseur

Der Mann auf dem Regiestuhl dieser bösen Komödie inszenierte einen der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt.
Der schleimige und hinterhältige Ingo (Martin Brambach, r.) macht dem gebeutelten Paul Schneider (Leonard Lansink) schwer zu schaffen. Foto: Frédéric Batier, ZDF. Der schleimige und hinterhältige Ingo (Martin Brambach, r.) macht dem gebeutelten Paul Schneider (Leonard Lansink) schwer zu schaffen.
Bei einem solchen Titel ahnt man ja schon, dass die Hauptfigur jede Menge Gründe hat, sich aufzuregen. Und Paul Schneider (Leonard Lansink) hat tatsächlich genug Gründe, ein saures Gesicht zu ziehen: Seine Frau will, dass er endlich die Scheidungspapiere unterschreibt. Der Kfz-Mechaniker, bei dem er seinen offenen US-Oldtimer reparieren lässt, fordert nahezu täglich eine höhere Rechnung. Die Bank, bei der er sein Geld angelegt hat - seine Ersparnisse hat er bei der von der Bank empfoohlenen Anlage vollständig verloren - will ihm nicht einmal einen Kredit geben.
 
Und auch auf der Arbeit in einer Versicherungsagentur steht es nicht zum Besten: Dort macht ihm unter anderem der hinterhältige und schleimige Kollege Ingo Klostermann (Wieder mal herrlich: Martin Brambach) das Leben schwer. Als er dem jungen und  unverschämten Kevin Kröler (Tim Kalkhof) heftig die Meinung sagt, zieht er sich unversehens richtig in der Zwickmühle. Er will sich einen Anwalt nehmen. Doch der jungen Türkin Aylin Beyerling (Senna Gammour) traut er nichts zu. Bei einem Gespräch mit der Firmenleitung hält Schneider mit seinen Ansichten nicht hinter den Berg und wird fristlos entlassen.

Wilsberg wird cholerisch

Doch er schlägt zurück, weil er die schmutzigen Geheimnisse der Firma kennt - und dabei helfen ihm nicht nur Aylin Beierling, sondern auch ausgerechnet Kevin Kröler und der Bankangestellte Jost Prechter (Sönke Möhring). Regisseur Thomas Jahn drehte mit "Knockin on Heaven's Door mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen und über drei Millionen Beuchern den erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres 1997. Hier mischte er beißende Sozialkritik zusammen mit Drama und Komödie zu einem recht gelungenen Ganzen.
 
Der Film ist vor allem ganz auf Leonard Lansink zugeschnitten. Der Star der TV-Reihe "Wilsberg" darf hier einen deutlich cholerischeren Charakter verkörpern als den eher mit leichtem Phlegma agierenden Antiquar aus Münster. Schneider ist auch im Kleinen ein Pechvogel, wenn er bei defektem Fahrkartenschalter ohne Karte in die S-Bahn steigt und natürlich prompt erwischt wird, und das nicht nur einmal. Lansink zeigt hier eine Variation in seiner Mimik, die man gerne auch mal öfter an ihm sehen würde. Die Rolle des leidenden, aber an seinem Leiden wachsenden Sozialrebellen steht ihm.

Brambach als wunderbarer Gegenspieler

Aber er nimmt sich immer noch stark zurück und geht nur selten mal wirklich aus sich heraus. Das intelligent durchkalkulierte Spiel Lansinks zeigt Wirkung auch durch die dadurch erzielten Kontraste: Die Konfrontationen mit dem intriganten Klostermann gehören zu den stärksten Szenen des Films. Brambach gibt nämlich so mit zähnefletschender Hinterhältigkeit und entsprechendem Gekicher einen prächtigen Gegenpart zu Lansink ab. Das Drehbuch umgeht die in den Charakteren drohenden Klischees mit gelungen Pointen.
 
So artet ein Besuch Schneiders mit Beyerling bei Krölers Eltern in eine atemberaubend wüste Beschimpfung aus. Bei Jahns Inszenierung fällt vor allem seine gelungene Kamera auf: Sie fängt das Geschehen mit ruhigen, eleganten Fahrten ein und lenkt nicht mit überflüssigen Schnitten und Wackeleffekten von den Spielern ab. Sehr positiv machen sich auch die ironischen Dialoge bemerkbar. Mit dem Film empfiehlt sich Jahn auch für größere Aufgaben: Wie wäre es denn mal wieder mit einem Kinofilm?

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