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TV-Kritik: "O.J. Simpson: Made in America": Der brüchige Glanz

Von Die mit einem Oscar prämierte Dokumentation über den schillernden Sportler und Hollywoodstar erzählt auch viel über amerikanische Abgründe.
O.J. Simpson vor Gericht. (Archivbild) Foto: dpa O.J. Simpson vor Gericht. (Archivbild)
Einen amerikanischen Traum von grenzenlosem Aufstieg machte er wahr, die Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär. Oder, wie in seinem Fall, vom Kind aus einfachsten Verhältnissen zum gefeierten Sportidol, zur gutbezahlten Werbefigur und schließlich zum Hollywoodstar. Ein Traum, der sich spätestens ab dem Jahr 1994 zum Alptraum entwickelte. Am 17. Juni dieses Jahres wurde Orenthal James Simpson, kurz O. J. genannt, von mehreren Polizeiwagen in Los Angeles über den Highway gejagt.
 
Er wurde verdächtigt, seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und den Kellner Ronald Goldman ermordet zu haben. Simpson kam vor Gericht und wurde unter höchst fragwürdigen Umständen wieder freigesprochen. Aber von alten Freunden und Geschäftspartnern fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Gegen Ende des Jahres 1997 schaffte er es zwar noch in die Sendung der damals vielbelächelten Margarethe Schreinemakers im deutschen TV. Aber nicht nur in Hollywood stand er fortan vor verschlossenen Türen.

Im Knast gelandet

Mittlerweile sitzt Simpson im Gefängnis  Lovelock Correctional Center im US-Bundesstaat Nevada. Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls, der nichts mit dem spektakulären Mordprozess Mitte der 90er Jahre zu tun hat. Zu Beginn zeigt die Dokumentation Simpson, wie er einige Belanglosigkeiten über seinen derzeitigen Aufenthaltsort von sich gibt. Wobei es eigentlich seit dem Prozess nichts Belangloses mehr im Leben von Simpson gegeben hat und geben kann.

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Denn dass er sich bei dem Raubüberfall mit Hilfe von Komplizen und bewaffnet einige Erinnerungsstücke zurückholen wollte – erhärtet das nicht auch noch nachträglich den Mordverdacht gegen ihn? Aber nach dem Einstieg blickt der im Februar 2017 mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm prämierte Fünfteiler "O. J.: Made in America" von Filmemacher Eszra Edelman erstmal auf die Sportkarriere von Simpson zurück.

Football-Wissen ist nicht nötig

Laien könnten sich hier etwas überfordert fühlen. Aber man muss eigentlich nicht wirklich Ahnung haben über American Football, diese Sportart, in der Männer wie altrömische Gladiatoren geschützt aufeinander losgehen. Was genau ist ein Quarterback oder ein Runningback? Egal! Das Wichtigste daran fasst ein Kommentator ironisch schon um die siebte Minute herum zusammen: "Beim USC-Football geht es nicht um Leben und Tod, sondern um viel Wichtigeres".
 
Acht Stunden umfasst die Dokumentation, die Arte gestern und heute ausstrahlt. Sie handelt von O.J. Simpson, vordergründig. Aber sie erzählt auch viel über die Wirkung der Massenmedien und das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß in Amerika. Beim Freispruch von O.J. spielten auch die Rassenunruhen in Los Angeles eine wichtige Rolle, die im Jahr 1992 durch den Freispruch von vier Polizisten ausgelöst wurden: Sie hatten den Farbigen Rodney King ein Jahr zuvor bei einer Festnahme heftig mit Schlagstöcken traktiert.

Ein Idol ohne Ideale

Über 50 Tote und eine Milliarde Dollar Sachschaden waren die Folge. Der Polizei von Los Angeles und anderen US-Metropolen fiel nach Simpsons Freispruch ein Stein vom Herzen. Simpsons Anwälte hatten virtuos damit gespielt, dass ihr Mandant zum Idol der Farbigen aufgestiegen war. Die Bürgerrechtsbewegung war dabei allerdings nicht seine Sache. "Ich bin nicht schwarz, ich bin O.J.!" verkündete er einst selbstbewusst.
 
Er war nur schwarz, wenn er es sein wollte. Morgen am Sonntag feiert Simpson seinen 70. Geburtstag. Die Erinnerung an ihn verblasst allmählich. Vielen Zuschauern ist er vor allem als Detektiv Nordberg in der Klamauk-Trilogie "Die nackte Kanone" ein Begriff. Zynischer Opportunist und kaltblütiger Mörder oder einfach eine tragische Gestalt? Auf jeden Fall eine höchst spannende Figur, wie der Film eindrucksvoll beweist.
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