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TV-Kritik: "Offiziell am Arsch": Quasi die „Südstadt“-Vorgeschichte

Von Junge Leute in der Großstadt auf der Suche nach Selbstverwirklichung und Sex: Die neue ZDFneo-Comedyserie "Nix Festes" fasziniert durch Parallelen zum Montagsfilm am Tag zuvor.
Das vermeintlich lässige Leben als Großstadt-Künstler ist weit schwieriger als gedacht: Wiebke  (Josefine Preuß) und Jonas (Sebastian Fräsdorf) versuchen sich als Drehbuch-Autoren Foto: Christoph Assmann Das vermeintlich lässige Leben als Großstadt-Künstler ist weit schwieriger als gedacht: Wiebke (Josefine Preuß) und Jonas (Sebastian Fräsdorf) versuchen sich als Drehbuch-Autoren

Sie sind jung, dynamisch und erfolglos: Wiebke (Josefine Preuß) und ihr Ex-Freund und Schreibpartner Jonas (Sebastian Fräsdorf) entwickeln Drehbücher und versuchen verzweifelt, ihre Ideen an den Mann bzw. Sender zu bringen. So etwa eine Geschichte mit Leuten um die 30, die in Berlin wohnen und ihren Platz im Leben suchen. Wunderbar, wenn man dann einem Produzenten gegenübersitzt, der sich von der Idee begeistert zeigt.

Blöd nur, wenn der dann diverse Änderungsvorschläge macht. Warum eigentlich Berlin? Jeder habe hier ein Projekt laufen und bekäme doch nichts gebacken. Und warum eigentlich Leute um die 30? Wie wär‘s mit Senioren oder Behinderten oder sogar farbigen Behinderten? Und Menschen müssten es eigentlich auch nicht sein. "Puppen sind doch grad der heiße Scheiß!" Kurz danach sitzt der Produzent verdattert wieder alleine an seinem Schreibtisch.

Ein Café als Anlaufstelle

Wiebke und Jonas sind zwei von vier Leuten um die 30, die in Berlin unter einem Dach wohnen und versuchen, ihren Platz im Leben zu finden.  Bei den anderen beiden handelt es sich um Basti Hülz (Tim Kalkhof), einen schwulen Koch, und Jenny Reimann (Marie Rathscheck). Als gemeinsame  Anlaufstellefungiert noch Lennart Heusser (Dirk Martens), der vor Jahren mal ein Buch herausgebracht hat und mit seinem Café als Anlaufstelle fungiert.

Also quasi eine ältere und (freilich nicht übermäßig) erfolgreichere Variante der Mitglieder des zuvor genannten Quartetts. "Nix Festes", die neue Comedyserie von ZDFneo, parodiert durchaus gekonnt das großstädtische Lebensgefühl samt künstlerischem Selbstverwirklichungsprozess. Beruflich wie privat sind alle vier ständig am Zappeln. Wiebke und Jonas mit einem Drehbuch, während es Jenny und Basti mit selbstgebackenen Hundekeksen versuchen.

Möglicherweise ist es kein Zufall, dass "Nix Festes" gerade einen Tag nach dem ZDF-Montagsfilm "Südstadt" auf Sendung geht: Während nämlich "Südstadt" das halbwegs im Leben angekommene, finanziell aber nicht übermäßig erfolgreiche Selbstfindungsmilieu porträtiert, zeigt "Nix Festes" seine Figuren auf dem Weg in ebendiese Existenz, Schwindeleien und schöner Schein inklusive.

Der Abgrund hinter dem hippen Leben

Und ähnlich wie in "Südstadt" der von Matthias Matschke verkörperte Lehmann scheitern auch Wiebke und Jonas an ihrer Unfähigkeit, Kompromisse einzugehen. Was dann wieder zu peinlichen Szenen führt, wenn sich beide auf der Suche nach Hilfe unversehens  Jonas‘ alter Flamme gegenübersehen, der Jonas kurz zuvor noch begeistert von seiner Karriere als Autor vorgeflunkert hat.

Dieses bei allem Witz gut in der Schwebe gehaltene Spannungsverhältnis zwischen künstlerischer Integrität und beruflicher Anpassung zeigt, dass die Macher ihre Figuren doch sehr ernstgenommen haben. Das hippe Lebensgefühl besitzt somit abgründige Doppelbödigkeit und gerät nicht zum Selbstzweck. Auch bei Jenny und Basti geht es im Prinzip um das Gleiche: Hundekekse vegan oder mit Leberwurst?

Perfekt umgesetzt worden ist das zwar nicht wirklich: Hie und da präsentieren sich die Hippster- und Berlin-Klischees etwas überzogen. Was aber andererseits wieder auf sympathische Weise zum Konzept der Serie passt: Mal ausprobieren, könnte funktionieren. Ob in der Geschichte selbst oder hinter der Kamera. Schön, dass das Zweite Mut zu Experimenten zeigt!

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