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TV-Kritik: "Ohne dich": Müdes Episodendrama

Von Ein Krebs, eine werdende Mutter, eine zerbrochene Beziehung: Drei Erzählstränge präsentieren sich hier ineinander verwoben.
Auszeit aus allen Gedanken an Krankheit und Therapie: Rosa (Katja Riemann) und Marcel (Charly Hübner) genießen einen Nachmittag auf dem Land. Foto: (SWR-Pressestelle/Fotoredaktion) Auszeit aus allen Gedanken an Krankheit und Therapie: Rosa (Katja Riemann) und Marcel (Charly Hübner) genießen einen Nachmittag auf dem Land.
Wie verdammt bedrohlich doch so eine Computertomographie wirken kann. Das grelle Licht, die weißen Wände, der Bildschirm, der unbarmherzig zum Vorschein bringt, was der Patienten bisher vielleicht nur diffus gespürt, auf jeden Fall aber gefürchtet hat. Bei Rosa (Katja Riemann), der Hebamme, ist es der Krebs, der zurückgekommen ist und sich durch ihren Körper fressen wird. Ihr Henker, den sie in sich trägt.
 
Wenn sie dann gleich darauf das Gleichgewicht verliert und sich hilflos weinend an ihren Marcel (Charly Hübner) klammert, zieht der Film die emotionale Schraube schon früh heftig an. Dabei gestaltet auch die Kamera von Eeva Fleig die Szene zum großen Kino. Aber der Film handelt nicht allein von ihrem Sterben. Es geht auch um Motte (Helen Woigk), eine junge Frau ohne große Ambitionen, die ein Kind von ihrem Kumpel Neo (Arne Gottschling) erwartet.
 

Nur das Krebsdrama klappt halbwegs

 
Ob er auf Typen oder doch eher auf Frauen steht, ist sich Neo nicht einmal selbst so genau sicher. Aber Motte weiß, dass sie ohne das Kind im Bauch ein großes Problem weniger hätte. Der Titel "Ohne dich" bezieht sich auf eine sterbenskranke Frau, ein ungeborenes Kind und einen Mann: den jüngeren Ex der Putzfrau von Rosa und Marcel. Layla (Meral Perin) wurde von ihm verlassen und will die Trennung nicht akzeptieren.

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Eine Geschichte vom Leben und Sterben also, von Tod und Geburt. Natürlich berühren sich die Schicksale der handelnden Charaktere, aber der Effekt auf den Zuschauer hält sich in Grenzen. Der stärkste Handlungsstrang ist die Geschichte von Rosa und Marcel. Er spielt gekonnt mit der Urangst vor der Krankheit Krebs, berührt aber eher durch die Leistungen Katja Riemanns und Charly Hübners als die erzählerische Dramaturgie.
 

Unglaubwürdige Details

 
Einige Eindrücke wollen nicht passen, weswegen die Geschichte nach dem starken Einstieg mit der Szene in der CT schnell wieder abfällt. So beginnt Rosa einmal ungehemmt eine große Portion Spargel hinunterzuschlingen, was wohl einen Ausdruck von Lebensgier kurz vor dem Verlöschen darstellen soll. Ein derartiger Appetit passt aber wiederum überhaupt nicht zu einem Menschen mit metastasierendem Krebs.
 

Viele wahllose Szenen

 
Überhaupt scheinen Drehbuch und Regie nicht wirklich gewusst zu haben, was sie mit ihren Figuren anfangen sollen. Ähnlich wie in "Amour fou", dem Berliner "Tatort" vom Sonntag, geht die Kamera oft sehr nah heran. Sie saugt sich regelrecht fest an Händen, Gesichtern oder einem Teebeutel, der gerade herausgenommen wird. Das damit wohl beabsichtigte Sozialdrama will aber nicht funktionieren, weil die Geschichte sich nur zäh entwickelt und häufig auf der Stelle tritt.
 
Es gibt zu viele Figuren, zu viele Augenblicke wirken eher wie eine Stilübung als Bestandteile der Geschichte. Dafür fehlt  der erzählerische Drang nach vorne, weswegen sich bald Ermüdung einstellt. Am Ende bleibt der Eindruck eines Werks, das trotz vereinzelter starker Momente an seinen Ambitionen scheitert.
 
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