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TV-Kritik: "SUPER FRIEDE LIEBE LOVE": So auf keinen Fall!

Von Diese Dokumentation soll das Leben in einem Münchner Heim für psychisch kranke Obdachlose zeigen. Man greift sich nur noch an den Kopf!
Etwas Sonne und eine Zigarette - Wohlgefühl ohne große Ansprüche. Bild: ZDF und Franz Kastner Foto: Franz Kastner Etwas Sonne und eine Zigarette - Wohlgefühl ohne große Ansprüche. Bild: ZDF und Franz Kastner

Diese Männer kennen sich bestens aus mit allem, was das Leben hässlich macht: Suff, Drogen, Selbstmordversuche, Psychosen, körperliche Krankheiten. Und natürlich mit Scheitern in allen Variationen. Wer in diesem Haus in der Münchner Kyreinstraße ankommt, hat zuvor oft auf der Straße gelebt. Die Männer hier haben alle jeder für sich ein schweres Schicksal hinter sich. Und man merkt es ihnen an.

Das Haus für psychisch kranke Obdachlose gibt es seit 25 Jahren. Es hat 50 Schlafplätze, die auf Doppel- und Einzelzimmer verteilt sind. Die Zielsetzungen wie längerfristige Unterbringung, psychosoziale und gesundheitliche Stabilisierung der Bewohner oder Motivation für geeignete Resozialisierungsmaßnahmen  stehen im Netz. Ebenso wie die Kosten oder die Aufnahmebedingungen, als da wäre die Vorlage eines sogenannten "Berechtigungsscheins".

Doku ohne Informationen

Wie man das erfährt? Aus dem Netz natürlich. Wenn man noch ein wenig mehr recherchiert, findet man noch heraus, dass das Haus offenbar schon seit über 25 Jahren existiert. Aus dem Film, der das Leben der Heimbewohner dokumentieren soll, ergibt sich das nicht. Auch sonst muss man sich als Zuschauer eigentlich alles selbst zusammenreimen, so man denn Lust dazu hat. Und das fällt schwer, diese Lust vergeht nämlich ziemlich schnell.

Regisseur Till Cöstner hatte auch selbst offensichtlich keinen besonderen Ehrgeiz, so etwas wie eine echte Sozialreportage zu drehen. Er hat es nicht einmal für nötig gehalten, den Zuschauer auf irgendeine Art je darüber aufzuklären, worum es in seinem Film überhaupt geht. Kommentare gibt es nicht. Es sind gewiss spannende, anrührende Geschichten, Geschichten über das Scheitern, welche die Männer, die hier wohnen, erzählen könnten.

Sichtlich lustlos zusammengestellt

Aber Cöstner erzählt weder noch lässt er erzählen. Er lässt einfach die Kamera mitlaufen, wenn die Männer rauchen, vor sich hinstarren. sich langweilen – ein Konzept ist dabei garantiert nicht ersichtlich. Die meisten Szenen sind ohne jeden Zusammenhang aneinandergeklebt. Dass das Aufnahmeteam dabei die Betroffenen mit ihren Einschränkungen zudem oft völlig ungeschminkt und ohne jeden Schutz gefilmt hat, scheint niemandem bewusst gewesen zu sein.

Sollte nicht jemand, der einen solchen Film dreht, auch an die Würde derjenigen denken, die er zeigt?  Filme über ein Leben auf der Schattenseite der Gesellschaft können bewegen und hochspannend sein – wenn der Filmemacher das will. Cöstner zeigt in seiner sichtlich lustlos zusammengefilmten und deswegen auch tödlich langweiligen "Dokumentation" aber nur, wie man es als Dokumentarfilmer garantiert nicht machen sollte. Nur selten erscheint einer der Männer, die Cöstner mit seiner Kamera einfängt, einmal interessanter. Aber auch die stellt Cöstner nicht wirklich vor.

Bei den meisten Bewohnern bleiben die  Vergangenheiten verborgen und oft versteht man sie nicht einmal akustisch. Kaum ein Schicksal berührt deswegen wirklich. Ein Film, in welchem der Zuschauer aber ohne Pressematerial und viel eigene Recherche ohnehin nicht versteht, worum es überhaupt geht – um die 25. Minute etwa offenbar um einen Ausflug zu einem Bauernhof oder einem kleinen Tierpark -  taugt schlichtweg nichts. Das Thema wäre in der ZDF-Sendereihe "37°" gut aufgehoben gewesen. Cöstner zeigt sich komplett überfordert.

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