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TV-Kritik: "Sag mir nichts": Der Frust des Fleisches

Von Der Film hat eigentlich alle Zutaten zu einem Spitzen-Erotikthriller. Aber das Ende lässt einfach zu wünschen übrig.
Bisher sind Martin (Ronald Zehrfeld) und Lena (Ursina Lardi) nur zufällig aufeinandergetroffen. Nun haben sie ihre erste heimliche Verabredung. Foto: SWR/Julia von Vietinghoff Bisher sind Martin (Ronald Zehrfeld) und Lena (Ursina Lardi) nur zufällig aufeinandergetroffen. Nun haben sie ihre erste heimliche Verabredung.

Ist das Liebe? Es scheint wohl die reine animalische Sexualität zu sein, die Lena (Ursina Lardi) und Martin (Ronald Zehrfeld) zueinander treibt. Sie begegnen sich in der S-Bahn und es sind nur Blicke, die es ausdrücken. Das Forschen in den Augen des oder der Anderen, das Verstehen, das Einverständnis. Und die Gier. Von Verliebtheit ist erst viel später die Rede. Hinterher, nachdem es passiert ist, das Überschreiten der Grenze, das Betrügen des Partners. Denn sowohl Lena als auch Martin sind verheiratet.
 
Das verleiht dem, was zwischen ihnen war, einen Hauch dessen, wovon im vorletzten Jahrhundert besonders französische Autoren schwärmten: "Fortan erschien mir von allen menschlichen Worten besonders eines schön: das Wort Ehebruch. Eine köstliche Süße umschwebt es leise, ein eigenartiger Zauber hüllt es ein" äußerte sich Gustav Flaubert in seinem Frühwerk "November" und stand damit nicht allein. Barbey d’Aurevilly schwärmte von den Wonnen, "die Untreue und Ehebruch mit sich bringen". Der von den Surrealisten verehrte Petrus Borel stellte fest: "Zum Glück bleibt uns als Trost der Ehebruch!"
 

Sex aus Frustration

 
Es könnte auch der Ausbruch aus bestehenden Regeln und Konventionen und einer beengenden Situation sein, was Lena und Martin antreibt. Lena, die ein Fotostudio betreibt, leidet unter Auftragsmangel. Ihr Mann Bodo (Roeland Wiesnekker) liebt sie und sieht keinen Anlass, ihr nicht zu trauen. Ihre Tochter Susanna (Lea von Acken) erlebt ihren ersten Liebeskummer. Martin, ein etablierter Journalist, will fort in die große Weltstadt. Martins Frau Solveig (Sarah Hostettler) hätte gerne ein Kind, es kommt ein gewisser Druck von ihren Eltern, die sich ein Enkelkind wünschen. Und Martin begehrt nicht auf dagegen.

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Übrigens: Könnte das Absicht sein, dass sich Roeland Wiesnekker und Ronald Zehrfeld irgendwie ziemlich ähnlich sind? Beide sind dunkelhaarig und Kerle wie Schränke. Zehrfeld trägt aber einen struppigen Bart und wirkt damit wie eine wilde und kantigere Version von Wiesnekker. Aus Wiesnekkers Rolle hätten Regie und Drehbuch aber vielleicht noch mehr herausholen können: In "Mörderische Hitze" aus der Reihe "Spreewald-Krimi" lieferte der Schauspieler eine brennend intensive Studie zum Thema Eifersucht und erotische Frustration ab.

Wiesnekker nicht wirklich genutzt


Ein wenig davon hätte auch Bodo nicht geschadet. Wiesnekkers hünenhafte und kraftstrotzende Physiognomie ergibt zu Lardis graziler Erscheinung einen wunderbar herausfordernden Gegensatz: Schade, dass die Geschichte den nicht nutzt. Überhaupt gerät in dem Drama die Reaktion der beiden betrogenen Partner seltsam lau. Bodo ergreift weinend die Flucht, aber er denkt nicht einmal daran, sich bei einer anderen Frau Trost zu holen, obwohl er selbst ein eindeutiges Angebot bekommen hat.
 
Und von Solveig kommt gegenüber Martin nicht mal ein Vorwurf. So was enttäuscht irgendwie angesichts der ausgezeichneten Inszenierung oder der herrlich dramatischen Art, wie Solveig untermalt von klassischer Musik zufällig von der Affäre ihres Mannes erfährt. Schuldgefühle und Gewissensbisse lässt der Film ein bisschen unter den Tisch fallen, dabei sind das doch in diesem Zusammenhang die spannendsten Themen. Man erwartet geradezu am Ende eine Explosion, aber es kommt nur ein ganz mildes Lüftchen.
 
 

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