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TV-Kritik: "Sankt Maik": Ein Gauner in Gottes Diensten

Von Ein Kleinkrimineller verkleidet sich als Pfarrer, um der Polizei zu entkommen. Das Konzept der neuen RTL-Serie gab es schon in der Stummfilmzeit, die Neufassung hat aber durchaus Schwung.
Maik Schäfer (Daniel Donskoy), ein Dieb, kann sich in der Kleidung eines katholischen Geistlichen seiner Festnahme Foto: Vom Regen in die Kirche Maik Schäfer (Daniel Donskoy), ein Dieb, kann sich in der Kleidung eines katholischen Geistlichen seiner Festnahme

Wenn wer in Verkleidung flüchten muss und dann Opfer einer Verwechslung wird, ist Chaos vorprogrammiert. Besonders, wenn es sich dabei um die Kleidung eines Geistlichen handelt. Das war schon bei Charlie Chaplin in "Der Pilger" oder bei Louis de Funès in "Die Abenteuer des Rabbi Jakob" so, und daran hat sich auch im Konzept der neuen RTL-Serie "Sankt Maik" nicht viele geändert. Hier ist es der Kleinkriminelle Maik Schäfer (Daniel Donskoy), der zunächst in einer falschen Uniform eines Bahnschaffners im Zug auf Diebestour geht.

Kurz bevor er gefasst werden könnte, trifft er zufällig auf einen frisch gestorbenen katholischen Geistlichen und leiht sich dessen Soutane. Und steigt auch an einem Bahnhof aus, wo der neue Pfarrer schon von der Pfarrhaushälterin Maria (Susi Banzhaf) sehnsüchtig erwartet wird. Was dann kommt und über zehn Folgen hinweg erzählt wird, entspricht einer Verwechslungskomödie klassischen Zuschnitts.

Maik hat natürlich einen guten Kern

Denn natürlich ist Maik trotz allem ein Verbrecher mit Herz, natürlich kann er seine falsche Identität als Pfarrer aufrechterhalten, obwohl immer wieder der Kleinkriminelle in ihm durchschimmert, und natürlich mischt er seine neue Kirchengemeinde kräftig auf. Und logo gibt es auch Damen, die den neuen Pfarrer gar nicht so übel finden: Schließlich hat RTL Maik mit dem schlaksigen und drahtigen Daniel Donskoy als potentiellen Sympathieträger besetzt.

Sonderlich glaubwürdig ist das Gezeigte natürlich nicht. Obwohl – ähem, wie war das nochmal mit dem Hauptmann von Köpenick damals im Jahr 1906? Kleider machen nun mal Leute, ob im Kaiserreich oder heute in der modernen Bundesrepublik. Zumindest kann man RTL bescheinigen, beim Konzept von "Sankt Maik" nicht allzu sehr auf Klamauk gesetzt zu haben. Die Serie behandelt ihre Figuren und besonders den kirchlich-religiösen Hintergrund mit einem gewissen Feingefühl.

Mit Schwung gemacht

Auch etliche Gags funktionieren. Regie und Kamera zeigen viel Schwung und haben einigen Szenen mit passender Musik – "Sympathy for the devil" von den Stones und noch besser "Break on through" von The Doors einige Extrapointen verliehen. Daniel Donskoy zeigt schauspielerisch kluge Zurückhaltung, so dass er besonders die Szenen, in denen Maik wieder in die Gewohnheiten des Kleingangsters zurückzufallen droht, nicht überzieht.

Auch nachdenkliche Zwischentöne fehlen nicht, wenn Maik etwa über den Sinn des Kirchenbesuchs sinniert. Das Drehbuch zeigt aber trotzdem noch Luft nach oben. Das Konzept wäre einfach noch besser aufgegangen, wenn Maik nicht durchweg als cleverer Tausendsassa auftreten müsste, der die Probleme in der Gemeinde so nebenbei mit links löst. Die Sache mit dem Schuldschein löst sich arg schnell in Luft auf.

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