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TV-Kritik: "Schritt für Schritt": Bemerkenswert kitschfrei

Von Die Dauerserie "In aller Freundschaft" liefert passend zur Jahreszeit eine gelungene und tiefsinnige Weihnachtsfolge.
Sohn Jakob (Karsten Kühn, li.) und sein Freund Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann, mi.) reden Dr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann, re.) ins Gewissen. Foto: MDR/Saxonia Media/Wernicke Sohn Jakob (Karsten Kühn, li.) und sein Freund Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann, mi.) reden Dr. Roland Heilmann (Thomas Rühmann, re.) ins Gewissen.
Dr. Thomas Heilmann (Thomas Rühmann), der Witwer wurde, sieht mit Grausen seinem ersten Weihnachtsfest ohne seine Frau Pia entgegen. Er will nach Fuerteventura fliegen, wo er für sich, seine Kinder und Enkel ein Ferienhaus gemietet hat. Aber am Flughafen wartet er vergeblich auf seine Verwandtschaft. Sie wollen so kurz nach Pias Tod nicht in die Ferne. Heilmann reagiert aggressiv. Währenddessen kämpft im Krankenhaus Victor Lehmann (Andreas Borcherding) ums Überleben.
 
Der Mittfünfziger wurde von einem Pferd getreten, gegen die Wand geschleudert und hat schwere innere Verletzungen erlitten. Kurz vor der Operation leidet er an heftigen Herzstörungen. Kann man in dem Zustand riskieren, ihm eine Narkose zu geben? Währenddessen beginnt Oberschwester Arzu Ritter (Arzu Bazman) ihren Mutterschaftsurlaub. Sie fühlt sich jetzt schon überfordert mit zwei quirligen Kindern und einem Mann, der mit ihnen spielt, statt wirklich im Haushalt zu helfen. 

Umgang mit Trauer zur Weihnachtszeit

 Der Umgang mit Sterben und Trauer gehört nicht eben zum Standartprogramm von Deutschlands erfolgreichster TV-Serie um das fiktive Krankenhaus Sachsenklinik in Leipzig. Dort ist es eher üblich, dass Patienten überleben. Anlass für diese Episode dürfte auch der Tod von Schauspielerin Hendrikje Fitz sein, die am 7. April dieses Jahres an Brustkrebs starb. Eine Atmosphäre von Verlust und Trauer durchzieht die Handlung, zumal nicht nur Klinikleiter Thomas Heilmann mit dem Tod seiner Frau fertigwerden muss.
 
Auch Victor Lehmann ist Witwer, wenn auch schon seit 15 Jahren. Er kümmert sich seitdem liebevoll um die Pferde, die seiner Frau so viel bedeuteten, aber er vernachlässigt seine Tochter Marlene (Carolin Haupt im Gothic-Look). Diese Geschichten sind der eigentliche Mittelpunkt der Episode, in der sich anders als sonst nur wenig um Medizinisches dreht. Die Herzprobleme Lehmanns sind im Grunde nur Nebensache. Der emotionale Umgang miteinander in der Vorweihnachtszeit kommt jedoch sehr realistisch rüber.

Die Eigenarten der Figuren

 Die Probleme der Figuren wirken reell. Das Drehbuch verzichtet auf allzu starke Gefühlsausbrüche, einige launige Sprüche über die Weihnachtshektik dürfte bei vielen Zuschauern auf Zustimmung stoßen. Die Besatzung der Sachsenklinik bringt ihre Eigenarten und kleinen Eitelkeiten in die Handlung ein, was das Geschehen sehr glaubwürdig macht – so, dass der angehende Arzt  Hans-Peter Brenner (Michael Trischan) keinen Weihnachtsmann mehr spielen will, weil er um seine Ansehen fürchtet.
 
Auf ein strahlendes glückliches Ende verzichtet die Episode dankenswerterweise. Der Erzählton zeigt sich am Ende verhalten optimistisch. Durch das präzise Spiel der Darsteller, die noch den Tod ihrer Kollegin verarbeiten, die gradlinige Inszenierung und den respektvollen Umgang mit den Themen Tod und Trauer in der Weihnachtszeit im Drehbuch gerät die Episode bemerkenswert kitschfrei.
 
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