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TV-Kritik: "Schuld – Anatomie": Der Keller des Grauens wartete schon

Von Heikles Szenario um Schuld und Verantwortung: Ein Autofahrer tötet durch Unachtsamkeit einen Mann, der gerade im Begriff war, ein sadistisches Verbrechen zu begehen.
Nico Hellmann (Samuel Schneider) arbeitet akribisch an einem Tier-Modell. Geübt dazu hat er an lebenden Tieren. Foto: ZDF/Julia Terjung Nico Hellmann (Samuel Schneider) arbeitet akribisch an einem Tier-Modell. Geübt dazu hat er an lebenden Tieren.
Er könnte John Wayne Gacy nachempfunden sein, dem wahrscheinlich bis heute schlimmsten amerikanischen Serienmörder, der seine Opfer – fast 30 an der Zahl – auf seinem Grundstück vergraben hatte. Bei Nico Hellmann (Samuel Schneider) waren es vorerst noch Tiere, die er grausam gequält und seziert hat. Die Polizei wird hinterher Dutzende von Tierkadavern auf dem Grundstück des Hauses finden, in dem er zusammen mit seiner Mutter (Iris Berben) lebte.

Einer Mutter, die sich bisweilen wunderte über die Pakete, die ihr Sohn sich schicken ließ. Und über das Schreien von Tieren, das aus dem Keller drang, in dem ihr Sohn seinen Experimenten nachging. Aber das kam alles erst nach seinem Tod heraus. Und der war mit höchster Wahrscheinlichkeit die Folge eines noch schrecklicheren Plans: Nico Hellmann hatte wohl vor, die hübsche junge Chiara Ebert (Ruby O. Fee) zu entführen und mit ihr ähnlich scheußliche Experimente durchzuführen wie mit den Tieren zuvor.

Etwas Falsches im richtigen Moment

Die nötigen Utensilien von Betäubungsmittel bis zum Klebeband lagen schon in seinem Auto bereit. Mut hatte sich Nico Hellmann ebenfalls angetrunken, und die ahnungslose Chiara Ebert war nur noch wenige Meter entfernt. Aber alkoholisiert und nur auf seine Beute fixiert übersah Hellmann ein vorbeifahrendes Auto. Und Hans-Jörg Wörner (Martin Brambach) hatte auch nicht richtig aufgepasst. Er ließ sich von der attraktiven Chiara Ebert am Straßenrand einen Moment lang ablenken und fuhr erheblich zu schnell.

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Nico Hellmann starb noch am Unfallort, und Wörner landet nun vor Gericht.  Aber kann er wirklich verurteilt und bestraft werden, wenn durch seine Unachtsamkeit ein Menschenleben gerettet wurde? Es sind immer wieder grundsätzliche Fragen des Rechtsverständnisses, die Schirach in seinen Geschichten thematisiert. Wie auch in "Terror – Ihr Urteil", jenem TV-Experiment vor einem Jahr: Dort wurde in einem fiktiven Szenario ein entführtes und vollbesetztes Flugzeug abgeschossen, das die Entführer wie am 11. September 2001 als tödliche Waffe zum Massenmord benutzen wollten.

Sohn und Mutter im Mittelpunkt

Die entsprechenden juristischen und moralischen Fragen werden teilweise ausformuliert von Anwalt Friedrich Kronberg (Moritz Bleibtreu), diesmal Wörners Anwalt und wie schon in der ersten Staffel von "Schuld" Bindeglied zwischen den einzelnen Folgen der Reihe „Schuld“ nach Ferdinand von Schirachs gleichnamigem Bestseller. Sie spielen aber nur eine Nebenrolle. "Anatomie" konzentriert sich in Rückblicken auf Nico und seine Mutter.

Und wie er das tut, inszeniert Regisseur Hannu Salonen auf äußerste Beklemmung. Anwalt Kronberg schaut sich zusammen mit Kommissar Weinhauer (Tom Wlaschiha) entsetzliche Videos an, die Nico Hellmann in seinem Keller gedreht hat. Währenddessen entsteht ein Rückblick, in dem Iris Berben als Nicos Mutter eine schauspielerische Glanzleistung abliefert: als liebende Mutter, die aber ihre Augen fest verschließt vor dem, was ihr Sohn an einer hilflosen Katze vollführt.

Dabei tut Berben nicht einmal viel. Sie redet kaum, hat etwas Roboterhaftes in ihren Bewegungen, lässt nur wenig Emotion raus. Aber wie sie in ihrer Rolle ängstlich nach oben flüchtet, als könnte sie damit ihrer Mitverantwortung entgehen: Das ist einfach nur punktgenau inszeniert und gespielt. Allein schon diese wenigen Sekunden sind spannender und eindringlicher als ganze „Tatort“-Folgen der ARD-Konkurrenz.
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