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TV-Kritik: "Schutzlos": Allererste Sahne

Von Aber hallo: So stark wie die neue "Stralsund"-Folge ist ein TV-Krimi nur selten. Hier stimmt wirklich alles!
Wie weit geht Max Morolf (Wanja Mues, l.), um vor dem Killer Anton Robak (Lucas Gregorowicz) seine Identität zu schützen? Er hat nur einen Ausweg. Foto: ZDF/Gordon Timpen Wie weit geht Max Morolf (Wanja Mues, l.), um vor dem Killer Anton Robak (Lucas Gregorowicz) seine Identität zu schützen? Er hat nur einen Ausweg.
Was erwartet der Zuschauer eigentlich von einem guten Krimi? Vor allem eine Geschichte die unter die Haut geht. Die überzeugende Charaktere aufweist, mit den Möglichkeiten des Genres spielt und doch immer wieder neue Überraschungen bietet. Dazu braucht es weder Anleihen bei Science-Fiction-Klassikern noch endlos langweiliges Gezicke unter Kollegen. Weit spannender ist es doch, wenn Polizei-Kollegen mal wirklich Grund zum Zweifeln daran haben, ob sie sich überhaupt noch über den Weg trauen können.
 
So wie hier. Es betrifft Kommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und ihr Verhältnis zu ihrem Kollegen Max Morolf (Wanja Mues). Und es geht dabei um eine kleine Familie aus Weißrussland: Die Frau soll als Zeugin gegen einen mächtigen Rauschgiftboss aussagen, dafür lebt sie mit Mann und Kind in einer sicheren Wohnung. Denkt sie. Doch dann fallen Schüsse, es gibt einen Toten und eine Familie auf der Flucht vor einem Killer. Die Polizei kann den Familienvater einfangen, doch der gibt nur sehr sparsam Informationen: Er hat allen Grund dazu, niemandem mehr zu trauen – auch nicht der Polizei.
 

Mörderisches Mißtrauen

 
Währenddessen ist der Killer der Frau und ihrer kleinen und zuckerkranken Tochter, die dringend Insulin braucht, dicht auf den Fersen. Und Nina Petersen vermutet nicht nur eine undichte Stelle. Wer steht auf der Lohnliste des Drogenkönigs? Möglicherweise Morolf, der sie definitiv über einen mysteriösen Teil seiner Vergangenheit angelogen hat? Oder sogar ihr Gregor Meyer (Michael Rotschopf), ihr Chef? Die Informationen, über die der schwerkranke Hauptkommissar Karl Hidde (Alexander Held) verfügt, lassen bei Nina Petersen alle Alarmglocken schrillen.
 
Vor allem das hochgradige Misstrauen von Nina Petersen hebt diesen Krimi weit über seine Konkurrenten hinaus. Das durchdringende Gefühl der Unsicherheit, das Petersen erlebt, lassen sie sogar einmal eine nahezu tödliche Fehlentscheidung treffen. Das Drehbuch schafft es dabei, mit kleinen und scheinbar beiläufigen Informationen und Halbsätzen beim Zuschauer die Spannungsschraube bis zum Anschlag anzuziehen. Dabei erscheint Wanja Mues ebenso zwielichtig wie in seiner Rolle als Leo Oswald in "Ein Fall für zwei", was sich besonders gut macht.

Konzentriert aufs Wesentliche

 
Auch, dass Mues eine gewisse Ähnlichkeit zu Lucas Gregorowicz besitzt - der den Killer spielt - lässt Morolfs Vergangenheit ziemlich trübe erscheinen. Und handwerklich umgesetzt ist das von Regisseur Lars-Gunnar Lotz wie schon in „Kreuzfeuer“ ausgezeichnet. Kamera, Beleuchtung, Schnitt sowie der Einsatz spannungssteigernder Musik funktionieren ebenso erstklassig wie die Schauspieler. Buch und Regie gehen hier eine hervorragende Symbiose ein.
 
Wie die Inszenierung selbst zeigt sich auch die Geschichte äußerst schnörkellos: Es gibt kaum Szenen und schon gar keine kompletten Handlungsstränge, die sich außerhalb der Kern-Story bewegen. Die Dramatik bleibt darum auch bis zum Ende auf hohem Niveau. Der Hintergrund, der sich dem Zuschauer bruchstückhaft mitteilt, ist fast noch spannender als die Geschichte um die kleine Familie. Geklärt hat sich die Sache am Ende auch nur scheinbar. Und fertig ist die Geschichte noch nicht: Mit „Vergeltung“ geht es am 29. Oktober 2016 weiter.
 
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