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TV-Kritik: "Schutzpatron": Haushoch besser

Von Siehe da: Im Vergleich zu seinem schwachen Vorgänger "Herzblut" zeigt sich dieser neue Kluftinger-Krimi in Hochform.
Während Rösler (Fred Stillkrauth, li.) sich neben Kluftinger (Herbert Knaup) erleichtert, schwelgt er in Erinnerungen. Foto: ARD Degeto/BR/Hendrik Heiden Während Rösler (Fred Stillkrauth, li.) sich neben Kluftinger (Herbert Knaup) erleichtert, schwelgt er in Erinnerungen.
Alte Autos und deutsche TV-Kommissare – das ist gewissermaßen ein Stück Beziehungsgeschichte. Sie gehören einfach zusammen, ob "Tatort"-Ermittler wie Thorsten Lannert mit Porsche 911 S Targa oder Mario Kopper mit seinem Fiat 130, Schimanski im Citroën CX oder auch außerhalb von Deutschlands beliebtester Krimi-Reihe der Allgäuer Kommissar Kluftinger in seinem alten Passat. Letzterer besitzt den Wolfsburger Kombi seit bald dreißig Jahren. Als er ihn kaufte, jagte er einen Räuber, der eine Monstranz mit Reliquie des heiligen Magnus an sich genommen hatte.

Er konnte den Raub aber nicht verhindern und blamierte sich dabei aufs Schmachvollste. Jetzt kommt die Monstranz mit dem Überbleibsel des Schutzpatrons des Allgäus wieder zurück. Dass aber nicht er damit beauftragt wird, die Kostbarkeit zu sichern, trifft Kluftinger heftig. Er muss einen Mord aufklären, an der alten Frau Zahn. Keine leichte Sache, da sich die Tote einst sehr begabt darin zeigte, sich Feinde zu machen. Auch ihr Mann bedauert ihren Tod nur zurückhaltend, kommt aber wegen seiner Gicht nicht als Täter in Frage.

Kranker Verbrecher im Wiener Knast

Es gibt aber Grund zu der Annahme, dass der Mord in Verbindung mit einem erneuten Raub der Monstranz in Verbindung stehen könnte. Weswegen Kluftinger mit seinem Kollegen Richard Maier (Johannes Allmayer) nach Wien fliegt, wo Rösler (Fred Stillkrauth) einsitzt, einer der Räuber von Damals. Dass die beiden dabei bei dem Messie-haften österreichischen Polizeikollegen Valentin Bydlinski (Felix Römer), ist nur einer der vielen Gags in "Schutzpatron", dem neuen Krimi um den unbeholfenen und dicklichen Kommissar Kluftinger (Herbert Knaup, als junger Kommissar Julian Hackenberg).

Der Film in der ARD-Mediathek

Und die funktionieren im bisher letzten Kluftinger sehr viel besser als in "Herzblut". Was aber nicht nur für die Gags gilt: Obwohl weit weniger blutig und brutal als der Vorgänger, gerät "Schutzpatron" zudem noch wesentlich spannender. Die Jagd ist gespickt mit Wortwitz und unerwarteten Wendungen, führt bis nach Wien und hat auch einprägsame Charaktere zu bieten. Allen voran Rösler, der kranke Kriminelle, der so gerne wieder in den Allgäu zurückverlegt werden möchte und mittlerweile auf eine Sauerstoffflasche angewiesen ist.

Angenehmerweise verzichtet der Film darauf, Reliquienkult und die Katholische Kirche insgesamt der Lächerlichkeit preiszugeben. Ein wenig sanften Spott versprühen aber Szenen wie die Sequenz, wenn ein Harfenspieler zur Rückkehr der Monstranz ein sperriges modernes Musikstück zupft und die Gesichter der Gäste nur genervte Langeweile ausdrücken. Diese milde Satire beweist, dass Witz, der ins Schwarze trifft, nicht unbedingt bösartig sein muss. Wie ein spannender Krimi auch nicht von blutigen Szenen abhängt.
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