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TV-Kritik: "Schwester und Bruder": Gedämpfte Fortsetzung

Von Weswegen der zweite Teil einer mehrteiligen Heimat-Saga im Vergleich zum Vorgänger deutlich an Wirkung verliert.
Anton (August Schmölzer) will nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit dem Verkauf seines Landes Geld machen, doch Irene steht ihm im Weg. Foto: Andrea Mayer-Rinner Anton (August Schmölzer) will nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit dem Verkauf seines Landes Geld machen, doch Irene steht ihm im Weg.
"Die Fremde und das Dorf" hieß ein Psycho-Krimi, mit dem das ZDF im Jahr 2014  das Genre des TV-Heimatfilms neu belebte. Die spannende Mixtur, scharf gewürzt mit reichlich Klassiker-Zitaten aus "Und ewig singen die Wälder" und dem Westernklassiker "Duell in der Sonne" kam bestens an beim Zuschauer. Nicht zuletzt durch August Schmölzer, der als mörderischer Familientyrann Anton Wolf eine überaus kraftvolle Schurkenfigur abgab. Ein Film ist eben immer so stark wie sein Fiesling, das wusste schon Hitchcock.
 
Am Ende kommt Wolf wegen Totschlags an seiner Frau ins Gefängnis, das er nun zu Beginn des Nachfolgefilms wieder verlässt. Der graue Bart verleiht Schmölzer dabei eine bemerkenswert gutbürgerlich-solide Ausstrahlung. Aber eigentlich will Anton Wolf nur noch weg und deswegen seine Grundstücke lukrativ verkaufen. Da käme ihm der Bau einer geplanten Umgehungsstraße gerade recht, die sein Land zu teurem Bauland umwidmen würde.
 

Eine hässliche Erinnerung

 
D ist aber nicht das einzige Problem. Irenes Bruder Georg (David Christopher Roth) hat den prominenten Koch Paul Berger (Michael Menzel) ins Dorf geholt, der ihn ausgebildet hat und der einen alten Gasthof neu eröffnen will. Georg will bei ihm arbeiten. Irene glaubt aber in Berger den Mann zu erkennen, der sie 18 Jahre zuvor nach einem feuchtfröhlichen Fest im Dorf einst vergewaltigte.
 
"Ein Geheimnis im Dorf - Schwester und Bruder" trägt die Lösung des Rätsels geradezu schon im Titel und entstand mit dem gleichen Team hinter der Kamera wie schon das Original. Eine höchst konspirative Atmosphäre durchzieht die Geschichte. Der moderne Heimatfilm verbindet Familie selten mit Geborgenheit, sondern setzt auf ein giftiges Gemisch aus Lüge, Verschweigen, Mauschelei und Vertuschung. Jeder ist mit jedem verwandt, verschwägert und verbunden, und statt Schutz gibt es eher bedrohliche Enge.
 

Weisz mit guter Rolle

 
Franziska Weisz, mittlerweile als Polizeioberkommissarin Julia Grosz in "Zorn Gottes" als neue Kollegin von "Tatort"-Kommissar Thorsten Falke eingeführt, gefällt sehr gut als Frau, die sich in dieser archaisch anmutenden Männerwelt behaupten muss. Im Vergleich zu seinem Vorgänger wirkt der Film jedoch nicht ganz so überzeugend: Die Geschichte tritt häufiger auf der Stelle, Handlung und Regie haben im Vergleich an Dynamik eingebüßt. Der Wust an Verbindungen der Figuren untereinander erweist sich als Bremsfaktor.
 
Noch deutlicher aber dämpft Schmölzers neue Rolle diesmal die Spannung: Dass Anton Wolf sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis deutlich milder als im ersten Film gibt, wirkt zwar glaubwürdig. Doch fehlt dem Film dadurch schmerzlich ein ebenbürtiger Negativcharakter für die Bürgermeisterin und erst Recht ein Schurke, der den gesamten Film beherrscht und sich ins Gedächtnis des Zuschauers spielt.
 
Erst gegen Ende, als das "Geheimnis" des Titels gelüftet wird, kriegt der Streifen noch die Kurve. Das gut aufspielende Ensemble macht aber ebenfalls noch Lust auf die geplante Fortsetzung, mit der das ZDF die beiden Filme zu einer Trilogie erweitern will.
 
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