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TV-Kritik: „Sexsüchtig“: So leben Frauen damit

Im Themenabend über Abhängigkeit kommt auch Sexsucht zur Sprache. Eine US-Dokumentation stellt vier höchst unterschiedliche Frauen dazu vor.
Satine steht auf Sadomaso-Spiele, ist Pornodarstellerin und stolz darauf, sexsüchtig zu sein Foto: ZDF und SRF Satine steht auf Sadomaso-Spiele, ist Pornodarstellerin und stolz darauf, sexsüchtig zu sein
Es handelt sich sicher um die schrillste, die reißerischste aller Abhängigkeiten: Sexsucht. Stars wie Charlie Sheen, der sich bei seinen Eskapaden sogar mit HIV infizierte, Michael Douglas oder Jack Nicholson machten damit Schlagzeilen. Aber auch Frauen sind ihr verfallen. Diese US-Dokumentation stellt vier von ihnen vor. Die Amerikanerinnen Kerry, Sue, Satine und Faith sind keine Stars, aber sie haben es durch ihre Sexsucht zu einigem Ruhm gebracht.
 
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Wenn auch auf höchst unterschiedliche Art. Porno-Darstellerin oder ein Buch über die eigene Sexsucht verfassen: Letzteres ist eine besonders amerikanische Art, mit diesem Problem umzugehen. Aber ein Problem war es nur für Kerry und Sue. Sie hatten unzählige Männer, gingen immer wieder auf die rauschhafte Jagd in Bars, am Strand, in Discotheken. Und merkten irgendwann, dass sie sich gar nicht mehr an alle  Männer erinnern konnten, mit denen sie zusammen waren.

Der Wert des Körpers

Nicht wenige dieser Begegnungen dauerten nur Stunden oder gar Minuten. In erster Linie ging es ihnen um Aufmerksamkeit. Kerry Cohen schildert, wie sie sich infolge der Scheidung ihrer Eltern unsichtbar und wertlos fühlte. Doch bald merkte der attraktive Teenager, wie sie sich die nötige Aufmerksamkeit holen konnte: Als Mädchen war sie so viel wert wie ihr Körper. Kerry brachte die Jungs dazu, sie anzuschauen – und genoss die Macht, die ihr das gab.
 
Sexsüchtige benutzen den erotischen Rausch in erster Linie, um damit unangenehmere Gefühle zu verdrängen, wie die Psychologin Maureen Canning erläutert. Die gefragte Therapeutin war einst selbst sexsüchtig. Sie erläutert, wie sich männliche und weibliche Sexsucht unterscheiden: Im Mittelpunkt weiblicher Sexsucht stehe eher der romantische Teil, das Spiel mit der Imagination. Es würde den Frauen die gewünschte Aufmerksamkeit verschaffen.

Vom Striplokal ins Netz

Also eher die Sucht nach Aufmerksamkeit als nach der sexuellen Betätigung an sich? Zumindest teilweise stimmt diese Schilderung. Auch Faith schildert die Ängste, die sie als schüchternes Mädchen  erst überwinden musste. Als sie ihre eigene Website eröffnete, hielt sie es gar nicht für möglich, dass sie jemand anschauen wollte. Sie begann im Striplokal oben ohne zu tanzen und wechselte dann ins Internet. Und ihr Mann ist nicht eifersüchtig, im Gegenteil.
 
Anders Sue Silverman, die erheblich kritischer mit ihrer Sexsucht umgeht. Sie hatte das Gefühl, dass Sex das Einzige war, was sie wirklich konnte. Sie arbeitete in Washington, hatte Affären in höchsten politische Kreisen, was ihr einen besonderen Kick verschaffte. Sie hätte politische Karrieren zerstören können. Später gab es One-Night-Stands mit heruntergekommenen Männern in schäbigen und billigen Bars. Sie fühlte sich danach immer schlechter.

Persönlichkeiten statt Phantasien

Scham oder Stolz - Sexsucht hat viele Gesichter, und die US-Doku von Samantha Day und Richard Swindell zeigt ein paar von ihnen auf. Dabei geht es in dem Film optisch höchst zurückhaltend zu. Einige in der Manier von Erotik-Thrillern inszenierte Sequenzen dienen nur der atmosphärischen Gestaltung. Reißerisch oder billig wirkt das aber in keinem Fall: Hier geht es eigentlich nicht um Sex, sondern um die Persönlichkeiten der vier Frauen. Genau das macht „Sexsüchtig“ auch so sehenswert.
 
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