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TV-Kritik: "Silbersee": Der hängt durch

Von Nach dem vielversprechenden ersten Winnetou-Film kann "Das Geheimnis vom Silbersee" die Erwartungen nicht voll erfüllen.
EL Mas Loco (Fahri Yardim) findet den Schatz nach langer Suche schließlich in einem weitverzweigten Höhlensystem am Silbersee. EL Mas Loco (Fahri Yardim) findet den Schatz nach langer Suche schließlich in einem weitverzweigten Höhlensystem am Silbersee.
Der Titel weckt eher noch größere Erwartungen als der erste "Winnetou": Mit "Der Schatz im Silbersee" begann schließlich im Jahr 1962 die Karl May-Welle der sechziger Jahre. Es war der Film, in dem erstmals Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou vor die Kamera traten. Die Neuverfilmung ersetzt den Schurken Colonel Brinkley durch den mexikanischen Banditen El Mas Loco. Ein origineller Kniff: Drehbuch und Darsteller Fahri Yard?m -  bekannt unter anderem als Kommissar Yalcim Güner aus den "Tatort"-Krimis mit Nick Tschiller - verpassen der Figur eine mörderisch-groteske Komik, die sich recht gut macht.
 
Professor Spengler (Matthias Matschke) hat hohe Spielschulden bei Loco. Um ihn zu besänftigen, erzählt er ihm von einem Schatz auf dem Gebiet der Apachen. Loco überfällt das Indianerdorf und zwingt Winnetous Schwester Nscho-tschi (Iazúa Larío), ihn zum Silbersee zu führen: Dort haben die Apachen Jahrhunderte zuvor ihr Gold unter dem Schutz ihres Gottes Cthulhu versteckt. Währenddessen ist Karl May (Wotan Wilke Möhring) in die Zivilisation zurückgekehrt und will beim Bau eines Kaufhauses mitarbeiten. Als er durch Sam Hawkins (Milan Peschel)von dem Überfall erfährt, kehrt er jedoch zurück, befreit Winnetou (Nik Xhelilaj) aus der Gewalt von Locos Männern und nimmt die Verfolgung auf.
 

Ein Pluspunkt: der Humor

 
In Sachen Humor funktioniert der Film ganz ordentlich, nicht nur durch Fahri Yard?m. Noch mehr als der erste Teil legt die Fortsetzung einen Schwerpunkt auf May Hin- und Hergerissen-Sein zwischen seinen Wurzeln und den Apachen, zumal er Nscho-tschi sehr viel empfindet. Die Geschichte betont aber weniger die melodramatischen, sondern eher die komischen Aspekte dieser Entwicklung: so etwa, wenn Winnetou nach einer gemeinsamen Jagd mit May auf wilde Mustangs spottet, er mache beim Anschleichen mehr Lärm als eine Büffelherde auf der Flucht. Ein schöner Einfall!
 
Die abenteuerlichen Aspekte  aus May Geschichten kommen diesmal aber deutlich zu kurz. Nach der Jagd auf die Mustangs und Locos Überfall auf das Lager der Apachen schleppt sich die Geschichte auch durch immer ausgiebigere Dialoge zunehmend dahin und erhält nur durch Yardims bösartige Ausbrüche etwas Leben. Auch viele Details wollen nicht überzeugen: Schon die Geschichte des Schatzes mit Hernando Cortez zu verbinden, war keine gute Idee: Dessen Geschichte verlief anders als im Film geschildert. Besser hätte etwa Hernando de Soto gepasst, ein anderer Konquistador, der vermutlich als erster Europäer den Mississippi entdeckte.
 

Apachen-Gott nach Lovecraft

 
Auch das der Apachen-Gott ausgerechnet den Namen Cthulhu trägt - ein ursprünglich von Horror-Autor Howard Phillips Lovecraft ausgedachter Name für eine Art göttlicher Wesen aus fernen Galaxien – passt nicht sonderlich zu der bunten Indianer-Folklore zu Beginn des Films. Die zähe Handlung kommt erst mit dem Tauchgang von Winnetou und Shatterhand im Silbersee wieder etwas in Fahrt. Vom Showdown in der Höhle hätte man sich aber auch mehr erwartet. Die Optik erinnert zwar passenderweise an Indiana Jones, auch die Musik klingt ein wenig danach, aber es fehlt an Action.
 
Zwar bekommt May/Shatterhand diesmal zwar endlich den Henrystutzen und auch das Lederhemd, womit der Film auch eine Brücke zu den Filmen mit Lex Barker schlägt. Nik Xhelilaj wirkt mit meist freiem Oberkörper, wehenden schwarzen Haaren und tadelloser Bauchmuskulatur wie ein Winnetou mit einem Schuss Conan. Nicht übel zwar, aber insgesamt wirkt der Film durch seinen Mangel an Dramatik, als wären den Machern nach dem gelungenen ersten Teil die Ideen und das Geld ausgegangen.  Man hätte ihnen eine glücklichere Hand gewünscht: Aus Karl Mays Geschichten wäre deutlich mehr herauszuholen gewesen. Der Film hat Witz, aber für ein echtes Abenteuer reicht das nicht.
 
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