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TV-Kritik: "Sketch History": Das muss man gesehen haben!

Von Man glaubt es kaum: Einen so witzigen bösen und schwarzen Humor gibt es im deutschen Fernsehen garantiert kein zweites Mal.
Max Giermann als Klaus Kinski-hafter Billy the Kid droht Sheriff Pat Garrett (Matthias Matschke). Foto: ZDF/Kristof Galgoczi Nemeth Max Giermann als Klaus Kinski-hafter Billy the Kid droht Sheriff Pat Garrett (Matthias Matschke).
Wenn im Wilden Westen der Revolverheld Billy the Kid auf historisch gänzlich unkorrekte Weise zu Tode kommt, sich Caesar oder Marcus Antonius wild mit Cleopatra zoffen, die ihre Zeit zumeist mit Baden verbringt, wenn grunzende Urmenschen den Selfie-Stick oder die WC-Ente erfinden oder Wutbürger im mittelalterlichen Köln empört gegen Bau eines Doms protestieren – ja, dann läuft gerade die ZDF-Reihe "Sketch History".

Übersehen kann man die Sendung leicht im Programm angesichts der späten Sendezeit und der relativ kurzen Dauer. Und das ist sehr schade. Schon alleine die überaus liebevolle Ausstattung, die jedem Historienfilm Ehre machen würde, lässt glaubwürdig historische Epochen wie den Wilden Westen oder die Antike wieder auferstehen. Umso stärker die Wirkung, wenn die Macher Historisches und Aktuelles fröhlich durcheinander werfen.

Böse Kommentare machen Appetit

Serviert wird das Ganze mit knochentrockenen Kommentaren aus dem Off. "Das düstere Mittelalter hat ja immer noch so ein bisschen den Ruf einer barbarischen Arschloch-Epoche. Besonders die spanische Inquisition hat heute ein mittelgroßes Imageproblem“ geht es etwa diesmal schon richtig deftig los. Anschließend geht es zu einem Tag der offenen Tür in einen Folterkeller, in dem sich der kleine Sohn einer Familie an einem gefesselten Delinquenten ausprobieren darf.

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Folterkeller? Oh ja, die "Sketch History" zeigt sich nicht nur absurd verdreht: Sie beweist auch einen intensiven Sinn für extrem schwarzen Humor. Und das im deutschen Fernsehen - sowas muss man wirklich einmal einfach sehen, um es zu glauben. So fröhlich makaber und witzig wie sonst nur "Eichwald, MdB". Nur noch viel unterhaltsamer: Das ist einfach so richtig schön böse und besitzt beachtliches Suchtpotential.

Monty Python als Vorbild erkennbar

Neben Eunuchen am Hof des Pharaos geht es diesmal wieder um den Polarforscher Robert Falcon Scott oder den Piraten Francis Drake am Hof der Königin Elisabeth I. Zur Verbindung gibt es außer Bastian Pastewkas hundsgemeinen Kommentaren noch kleine Zeichentrickfilme im Stil der britischen Komiker-Truppe Monty Pythons Flying Circus. Allerdings ist "Sketch History" keine platte Python-Kopie. Die Mainzer haben sich hier durchaus völlig neue Drehs ausgedacht, auch wenn Cleeese & Co erkennbar die Vorbilder waren.

Viel zum Vergnügen tragen auch die Schauspieler bei. Außer Valerie Niehaus, Isabell Polak, Judith Richter, Alexander Schubert, Paul Sedlmeir, Holger Stockhaus und Carsten Strauch bereiten besonders Max Giermanns Auftritte als cholerischer Klaus Kinski-Verschnitt und der stets mit wunderbar übertriebenem Ernst agierende Matthias Matschke viel Spaß.

Schön, dass das ZDF die glorreichen Zeiten von "Männer ohne Nerven" oder "Väter der Klamotte" nicht vergessen hat, mit denen der Sender einst am frühen Freitagabend junge Zuschauer begeisterte: "Sketch History" knüpft in gewisser Weise auch daran und den Humor der "Die nackte Kanone"-Filme an.
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