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TV-Kritik: "Solo für Weiss": Rasant fortgesetzt

Der zweite Teil baut auf bewährte Krimi-Zutaten, die er aber mit ordentlich Tempo und bemerkenswerter Frische serviert.
Nora (Anna Maria Mühe, r.) zeigt Daina (Grace Serrano Zameza) beim Abendessen ein Foto von Lisa. Daina erkennt Lisa. Foto: Marion von der Mehden Nora (Anna Maria Mühe, r.) zeigt Daina (Grace Serrano Zameza) beim Abendessen ein Foto von Lisa. Daina erkennt Lisa.
Frankfurt.  Mit Krimi-Zweiteilern ist das so eine Sache: Oft hält der zweite Teil nämlich nicht, was der erste verspricht. Manchmal verläuft es auch umgekehrt, dass die Fortsetzung den ersten Teil haushoch übertrifft: Das beste Beispiel dafür sind die "Tatort"-Krimis "Der große Schmerz" und "Fegefeuer" mit Kommissar Nick Tschiller alias Til Schweiger. Aber auch der letzte ZDF-Zweiteiler aus der Reihe "Stralsund" hinterließ einen sehr gemischten Eindruck.
 
Der zweite Teil von "Solo für Weiss" mit dem Titel "Die Wahrheit hat viele Gesichter" enttäuscht den Zuschauer allerdings nicht. Und das, obwohl er mit denkbar schlechten Voraussetzungen anfängt: Der erste Teil dreht sich hauptsächlich um die Entführung des Patenkinds von Nora Weiss (Anna Maria Mühe). Die Zielfahnderin ist einem Ring von Mädchenhändlern auf der Spur. Am Ende taucht das entführte Kind aber wieder auf.
 
Diese Wendung kommt zwar etwas unvermittelt, aber dennoch logisch: Die Entführer haben das Kind laufenlassen, um die Polizei zu beruhigen und weitere Nachforschungen überflüssig zu machen. Allerdings spinnt die Geschichte den roten Faden um die Entführung und mutmaßliche Ermordung eines verschwundenen Mädchens aus dem ersten Teil recht ordentlich fort. Zu Beginn findet Nora Weiss die Leiche des erstochenen Busunternehmers Jensen in einem Auto nur einen Steinwurf von ihrem Haus entfernt.

Eine sehr gefasste Witwe

Zusammen mit ihrem Kollegen Simon Brandt (Jan Krauter)sucht sie dessen Witwe Conny (Anja Kling) auf und wundert sich über die beherrschte Art, mit der diese die Todesnachricht aufnimmt. Ein türkischer Angestellter des Ermordeten, den die Fahnder näher befragen wollen, ergreift die Flucht. Es gibt Indizien dafür, dass die beiden mehr als nur eine brufliche Beziehung verband – und dass Jensen in äußerst schmutzige Geschäfte verwickelt war.
 
Dazu kommen Ungereimtheiten in den Reihen der Polizei. Zwei wichtige Zeugen leben nicht mehr. Schon im ersten Teil starb der mutmaßliche Kindsmörder Matthias Mattner (Philipp Hochmair), und er bleibt nicht der Einzige. Hat Nora Weiss‘ Vorgesetzter Jan Geissler (Peter Jordan) die Finger im Spiel, um von eigenen Verwicklungen abzulenken? Die Geschichte führt die einzelnen Handlungsstränge kompakt zusammen und löst sie auch befriedigend auf.

Nicht die letzte Episode

Man kennt zwar etliche Bestandteile der Handlung schon aus anderen Krimis: Gerade die Tötung eines möglichen Zeugen durch einen Polizisten erinnert schon stark an den "Stralsund"-Krimi "Schutzlos". Allerdings verläuft hier die Aufklärung deutlich glaubwürdiger. Die paranoide Atmosphäre innerhalb der Polizei  gibt Anna Maria Mühe viel Gelegenheit, die Anspannung ihrer Figur in den Vordergrund zu spielen. Und temporeiche Sequenzen wie eine flotte Verfolgungsjagd zu Fuß halten den Zuschauer optisch bei Laune. Und auch die Quote hat beim ersten Teil gestimmt. Gute Aussichten also, dass "Die Wahrheit hat viele Gesichter" nicht die letzte Episode der Reihe ist.
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