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TV-Kritik: "Starke Schultern": Am Anfang tatsächlich stark

Von Der neue "Polizeiruf 110" aus Magdeburg entwickelt tatsächlich einen beachtlichen Sog. Aber das gilt leider nur für die erste Hälfte.
Doreen Brasch (Claudia Michelsen) versucht, mehr über Bauunternehmer René Ottmann herauszufinden. Foto: (MDR/HA Kommunikation) Doreen Brasch (Claudia Michelsen) versucht, mehr über Bauunternehmer René Ottmann herauszufinden.

Im TV-Krimi fällt zunehmend auf, dass verschiedene Ermittlerteams den gleichen Chef haben. Felix Vörtler etwa, in der ZDF-Reihe "Friesland" als Hauptkommissar Jan Brockhorst zu sehen, gibt auch hier im Polizeiruf Magdeburg als Kriminalrat Uwe Lemp den Vorgesetzten.  Und darf als solcher für ein wenig Spannung sorgen, weil er in seiner Rolle  als ehemaliger Kettenraucher mit einem Schatten auf der Lunge zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus muss.

Spannend hätte der Film auch sonst durchaus werden können. Es beginnt mit einem Brandanschlag auf den reichen René Ottmann, der an dem erfolgsgewohnten Bauunternehmer aber keine schwerwiegenden Folgen zeigt. Ottmann tritt selbstbewusst bis leicht arrogant auf, ist verwitwet, scheint wenige Freunde zu haben. Mit seinem Neffen Carsten Dietrich (Bruno Alexander) versteht er sich allerdings prächtig und zeigt sich fürsorglich.

Ottmann eiskalt und ambivalent

Was sich über sein Verhältnis zu seinem ehemaligen Geschäftspartner Wettiger nicht sagen lässt. Ottmann trieb Wettiger in den Ruin und übernahm dessen Firma. Wettigers Ex-Mitarbeiter Uwe Schneider (David Korbmann), war sogar mit einem Messer auf Ottmann losgegangen. Schneider flüchtet nicht nur vor den Kommissaren Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Dirk Köhler (Matthias Matschke), er nimmt Köhler auch noch die Dienstwaffe ab.

Bis etwa zur ersten Hälfte wirkt der neue "Polizeiruf 110" aus Magdeburg deswegen  sehr ordentlich. Die Geschichte kommt schnell zum Wesentlichen und die beruflichen und emotionalen Abhängigkeiten um die Figur Ottmanns laden zur Identifikation ein, zumal Loibl den eiskalten Bauunternehmer mit subtiler Ambivalenz spielt. 

Das Ende fällt massiv ab

Schneiders Davonrennen und Ottmanns Flucht mit seinem schnellen Kombi vor Brasch, während sich eine Straßenbahn nähert, geben der Geschichte auch eine gewisse Dynamik. Schade nur, dass das Drehbuch diese vielversprechenden Ansätze in der zweiten Hälfte nahezu komplett gegen die Wand fährt. 

Brasch und Köhler dürfen vor allem ausgiebig ihre beruflichen und persönlichen Defizite miteinander und zusammen mit dem Polizeipsychologen Niklas Wilke (Steven Scharf) erörtern. Dazu viel rauchen, trinken und Motorrad fahren (Brasch) oder den Hochzeitstag feiern (Köhler). Weder Michelsen noch Matschke wirken dabei wirklich gefordert.

Der eigentliche Fall dagegen, der so schwungvoll begonnen hat, tritt immer mehr auf der Stelle. Und wenn es doch mal vorwärts geht, entwickelt es sich zunehmend grotesk. Die Lösung des Falles mit Hilfe eines lange zurückliegenden Überfalls auf die Familie von Ottmanns Neffen verlangt vom Zuschauer schon viel guten Willen. 

Eine morbide Sex-Beziehung

Ähnlich seltsam erscheint die Familienaufstellung, mit der sich Wilke den Figuren des Falls psychologisch nähern will. Die interessanteste Wendung, nämlich die bizarre Beziehung, die Ottmann mit seiner Schwägerin führt, kommt dabei aber auch schon wieder zu kurz. Ottmanns Schwägerin muss sich nämlich als ihre tödlich verunglückte Schwester verkleiden, mit der Ottmann verheiratet war.  

"Ottmann ist ein Fall für die Psychiatrie, oder?" fragt Lemp am Ende. Nun ja, vielleicht hat er auch nur mehrfach "Vertigo" von Hitchcock gesehen. Hätten sich Drehbuch und Regie besser um Ottmann gekümmert, wäre der Sonntagskrimi wohl ziemlich gut geworden. So retteten nur Loibl, Lardi und der ebenfalls überzeugende Bruno Alexander noch halbwegs den Ausgang.

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