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TV-Kritik: "Südstadt": Pornos und andere Peinlichkeiten

Von Sehenswerte Innenansichten aus dem Rotweingürtel: Drei auf den ersten Blick wohlsituierte Paare sehen sich mit Rissen in ihren bürgerlichen Existenz konfrontiert.
Martin (Matthias Matschke) verschweigt seiner Frau Anne (Anke Engelke) unangenehme Wahrheiten, während sie ihn mit betrügt. Bild: ZDF und Martin Valentin Foto: Martin Valentin Menke Martin (Matthias Matschke) verschweigt seiner Frau Anne (Anke Engelke) unangenehme Wahrheiten, während sie ihn mit betrügt. Bild: ZDF und Martin Valentin

Diese entspannten Abende unter Freunden haben so ihre Tücken. Das lässige Frotzeln und gegenseitige Auf-die Schippe-nehmen bleibt nicht immer an der Oberfläche, sondern sticht auch manchmal richtig fest zu. So bei Martin Lehmann (Matthias Matschke), einem Universitätsdozenten – zumindest dem Schein nach. In Wirklichkeit hat er seinen Job in der Woche zuvor verloren. Weil eine Frau im Rollstuhl seine Stelle bekommen hat. Wegen der Behindertenquote.

Was aber gelogen ist, bis auf die Tatsache, dass er seinen Job tatsächlich verloren hat. Noch kann er sein Lügengebäude aufrechterhalten. Man sieht die Wahrheit den Leuten ja nicht an. Man bekommt sie nur bisweilen unangenehm zu spüren, etwa als Ehepartner. Es gibt Menschen, die sehnen sich nach Kindern wie Martin und seine Frau Anne (Anke Engelke). Andere möchten dagegen lieber endlich wieder Freiheit schnuppern.

Wenn die Partnerin sich selbst entdeckt

Solche wie Saskia Fröhlich (Bettina Lamprecht), seit Jahren verheiratet mit Kai (Alexander Hörbe), einem TV-Kommentator.  Nach den  vielen Jahren, die sie ihrer kleinen Tochter gewidmet hat, möchte sie wieder ins Berufsleben einsteigen. Eigentlich geht in ihrem Bewerbungsgespräch alles daneben, aber den Job bekommt sie dennoch. Und blüht auf. Aber Kais Berufsleben kommt ins Schwimmen, als er sich auch noch in der Vaterrolle erproben muss.

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Was nicht ohne Folgen für ihre Ehe bleibt. Es ist ein faszinierendes Ensemble an Charakteren, die Autor Magnus Vattrodt und Regisseur Matti Geschonneck hier präsentieren. Drei Paare, die auf ihre Wohnungen verteilt im gleichen Haus leben, sich kennen und miteinander befreundet sind. Eigentlich nur locker, aber doch eng genug, dass der eine oft mehr vom anderen mitbekommt, als dem betroffenen lieb ist. Dinge wie Affären, Schwächen, Lügen oder Pornos.

Der Neue mit Altlasten

Am besten unter den drei Paaren hat es noch Eva Simon (Andrea Sawatzki) mit ihrem neuen Freund getroffen: Nach wechselnden Beziehungen zieht jetzt Thomas Maiwald (Dominic Raacke) bei ihr ein. Der aber hat eben auch eine Vergangenheit, und die besteht aus seiner gescheiterten Ehe mit Karen (Julia Stemberger) und seiner Tochter Greta (Emma Drogunova), einem Mädchen im Teenie-Alter. So recht wissen weder Eva noch Greta, wie sie miteinander umgehen sollen.

Es sind diese fein beobachteten und gekonnt in den Figuren verdichteten Details, in denen sich so mancher Zuschauer leicht wiedererkennen dürfte. Das stets präsente Aufrechterhalten des schönen Scheins, das auch in den so genannten gehobenen Kreisen dazu gehört. Oder die Tendenz, sich in unangenehmen Situationen erstmal durchzulavieren.

Wenn man nicht mehr dabei ist

Und vor allem der Wunsch, dazuzugehören, mitzuspielen oder mitgespielt zu haben wie Martins Vater Eberhard (Manfred Zapatka), zeigt sich als durchgehendes Motiv. "Du hast gerade für 1200 Euro Klamotten gekauft", sagt Martins Frau Anne (Anke Engelke) in einer vielsagenden Szene zu Saskia und bekommt als Antwort: "1200 selbstverdiente Euro!"

Die lässigen und doch sehr schön pointierten Dialoge sind nur eine von vielen Stärken dieses Beziehungsfilms. Dazu kommen die nicht minder alltagsnah agierenden Schauspieler. Die Spannung, die Drehbuch und Regie hier erzielen, ist beachtlich. Man fiebert mit, zumal die Verwicklungen stets überschaubar bleiben. Und vielleicht wäre es keine schlechte Idee vom ZDF, die Geschichte fortzusetzen.

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