E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 27°C

TV-Kritik: "Süße Welpen suchen ein Zuhause": Finger weg!

Von Hundewelpen für wenig Geld sind häufig todkrank und können für den Käufer sogar eine tödliche Gefahr bedeuten.
Hunde aus Billigzuchten werden oft nicht artgerecht gehalten. Ein Kauf kann sogar tödlich enden, wenn die Tiere nicht gegen Tollwut geimpft sind. Foto: ZDF / Manfred Karremann Hunde aus Billigzuchten werden oft nicht artgerecht gehalten. Ein Kauf kann sogar tödlich enden, wenn die Tiere nicht gegen Tollwut geimpft sind.
Anzeigen dieser Art finden sich zu Hunderten im Internet, etwa unter der Verkaufsplattform Ebay. Angeboten darin werden Hundewelpen, meist nur wenige Wochen alt. Der Preis ist in der Regel niedrig, gemessen am normalen Züchterpreis: Einen Mops etwa gibt es schon für 390 Euro. Üblich ist rund das Dreifache. Und dennoch ist dieser Preis für den Hundewelpen viel zu hoch.

Billighunde überleben den Verkauf oft nur kurz

Die Tiere stammen nämlich oft aus Billigzuchten aus Osteuropa. Die trächtigen Muttertiere werden als Gebärmaschinen in völlig mit Fäkalien verschmutzten Boxen gehalten. Die Hunde sind dementsprechend schwer krank, die Tierjungen ebenso. Oft werden sie für den Verkauf mit Medikamenten noch einmal aufgepäppelt. Doch die Wirkung hält nicht lange an: Entweder die Welpen überleben nur durch lange, kostenintensive Arztbehandlung oder sie sterben nur wenige Tage nach dem Verkauf.


» Die Reportage in der ZDF-Mediathek

Birgitt Thiesmann von der Tierschutz-Stiftung "Vier Pfoten" kennt solche traurigen und frustrierenden Situationen zur Genüge. "Wir haben ganz oft die Erfahrung gemacht, dass Hunde, nachdem die dem Käufer übergeben worden sind, grade mal noch einen Tag durchgehalten haben". Seit langem setzt sich die engagierte Tierschützerin gegen den Handel mit Billigwelpen ein.

Tödliche Gefahr durch Tollwut

Für den Käufer solcher Welpen besteht unter Umständen sogar Lebensgefahr! Besonders wenn er ein Tier kauft, das mit einem Lebensalter von erst wenigen Wochen noch zu jung ist für die Impfung gegen Tollwut: Die Virus-Krankheit ist auf Menschen übertragbar. Ein Biss ist dafür nicht notwendig, Schleimhautkontakt genügt. Tollwut führt, wenn nicht rechtzeitig - also kurz nach der Ansteckung - behandelt fast immer zu einem qualvollen Tod.

Aber auch ein von Giardien (Parasiten des Dünndarmes) befallenes Tier kann Menschen anstecken, besonders Kinder und alte Menschen. Zu den Symptomen gehören Erbrechen und Durchfall. Oft sind die Papiere für solche Tiere auf den ersten Blick sogar in Ordnung. Doch der Schein trügt: Die Welpen-Mafia arbeitet für ihr schmutziges Geschäft auch mit korrupten Tierärzten zusammen - im Film ist ein entsprechender Name genannt.

Auftritt als Käufer

Die Reportage von Manfred Karremann – der sich mit ähnlich gelagerten Filmen bereits einen Namen gemacht hat – liefert teilweise schockierende Bilder. Karremann hat sich mit seinem Team an die Fersen der Billighändler geheftet, mit Käufern gesprochen und ist auch selbst als vermeintlicher Käufer aufgetreten. Er hat für den Film zudem mit Tierärzten zusammengearbeitet, die sowohl Tiere als auch Papiere in Augenschein nahmen.

Besonders bedenklich: Oft merkten die Käufer sogar selbst, dass etwas nicht stimmte. Doch gekauft haben sie die jungen Hunde dennoch – der Niedlichkeitsfaktor, das "Kindchen-Schema" war stärker als ethische Bedenken und Vernunft. Bei den Gesprächen mit den Käufern hätte Karremann allerdings noch stärker auf die "Geiz ist geil"-Mentalität eingehen sollen: Auch die ist es nämlich, die solche Geschäfte am Laufen hält.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen